Zerstörte Wasserleitungen, beschädigte Gebäude und überfüllte Notunterkünfte verschärfen die Lage in den Erdbebengebieten Venezuelas. UNICEF leistet medizinische und psychosoziale Hilfe – besonders für Kinder, die mit Angst und Verlust umgehen müssen.
Einen Monat sind die verheerenden Erdbeben in Venezuela nun her – und die Menschen stehen noch immer vor den Trümmern ihres Lebens. Bei den zwei kurz aufeinander folgenden Beben am 24. Juni kamen mindestens 5.398 Menschen ums Leben, 16.700 wurden verletzt. Diejenigen, die überlebt haben, versuchen jetzt in Notunterkünften in der Stadt La Guaira und den Bundesstaaten Miranda und Aragua Zuflucht zu finden und ihr Leben neu aufzubauen.
Nazareth überlebt das Erdbeben – und sucht sich Hilfe
Eine davon ist Nazareth Martínez. Einige Tage nach den Beben kam sie mit ihren drei Kindern in eine Notunterkunft. Die Familie hatte sich vorrangig im Freien aufgehalten. Während dieser Zeit, berichtet die Mutter, erlitt ihr zwei Monate altes Baby einen Sonnenstich. Weil ihr gesagt wurde, in den Notunterkünften gebe es Ärzte, brachte sie ihr Kind dorthin.
In dem provisorischen Camp fühlt sie sich zum ersten Mal wieder sicher erzählt sie Mitarbeitenden von UNICEF: "Seit die Erdbeben passiert sind, konnten wir nicht nach Hause. Unser Haus wurde schwer beschädigt, die Wände haben Risse und der Boden ist abgesunken. Wir sind in ständiger Angst."
Noch immer kommt es zu Nachbeben in Venezuela
Die Schäden, die durch die Erdbeben entstanden sind, sind weitreichend. Nach Informationen von UNICEF sind 190 Gebäude in den betroffenen Regionen vollständig eingestürzt, 856 sind beschädigt.
Insbesondere letztere bergen weitere Gefahren, denn durch das Erdbeben können sie in ihrer Struktur beschädigt und einsturzgefährdet sein. Noch immer kommt es zu Nachbeben, welche die Menschen in Angst versetzen und sie weiter bedrohen. Viele, so wie Nazareth, können nicht nach Hause.
Das erhöht den Druck auf die humanitäre Hilfe. Je mehr Menschen kein Zuhause haben, desto mehr müssen in Notunterkünften unterkommen und dort versorgt werden.
Zusätzlich wurde vielerorts die Wasserinfrastruktur zerstört. Die Gefahr durch verschmutztes Wasser ist allgegenwärtig, vor allem für Kleinkinder oder bei steigender Mangelernährung. Durch den Verzehr oder Kontakt mit verunreinigtem Wasser können sich Krankheiten schnell ausbreiten.
"UNICEF war, ist und bleibt vor Ort, um Kinder und Familien unter anderem mit Wasser, medizinischer Hilfe, Hygieneartikeln und auch psychosozialer Hilfe zu unterstützen", sagt Gabriel Vockel, stellvertretender Leiter von UNICEF in Venezuela, in einer Pressemitteilung.
Psychologische Unterstützung für Erdbeben-Überlebende
Nazareth und ihre Kinder haben das Erdbeben am eigenen Leib erlebt, ihr Zuhause verloren und müssen nun auch mit den psychologischen Folgen leben. In der Notunterkunft, in der sie untergekommen sind, bietet UNICEF verschiedene Freizeit- und Lernaktivitäten für Kinder an: Nazareths Töchter können hier malen, mit anderen Kindern spielen und sich von dem Erlebten ablenken. Auch Nazareth wird vom Kinderhilfswerk unterstützt.
Die psychischen Belastungen nach einer solchen Katastrophe hinterlassen tiefe Wunden. "So viele Kinder, denen ich hier begegne, sind traumatisiert und haben Angst", sagt Vockel, stellvertretender Leiter der UNICEF-Hilfe in Venezuela. "Manche sind von ihren Familien getrennt, andere begreifen vielleicht gerade erst, dass ein nahestehender Mensch gestorben ist."
Wie steht es um medizinische Versorgung im Erdbebengebiet?
Schon durch die schiere Nähe zwischen den Menschen in den Notunterkünften, wird es mit der Zeit immer schwieriger, Krankheiten einzudämmen. Toiletten und Duschen, die von vielen Menschen täglich genutzt werden, sind schnell nicht mehr hygienisch. UNICEF hat aus diesem Grund direkt nach den Beben 500 Toiletten in Notunterkünften zur Verfügung gestellt.
UNICEF organisiert zusätzlich Impfkampagnen, um vor allem Kinder vor Krankheiten wie Polio, Keuchhusten, Hepatitis B oder Gelbfieber zu schützen. Das Kinderhilfswerk hat 147.000 Dosen eines Fünffachimpfstoffes ausgeliefert.
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Die Weltbank schätzt den Sachschaden in dem Land auf etwa 17,2 Milliarden Euro – 47 Prozent davon liegen bei Wohngebäuden. Die Weltbank warnt nach Berichten der dpa davor, dass der Wiederaufbau über ein Jahrzehnt dauern könne, wenn die Hilfsgelder nicht erhöht werden.
"Die Erdbeben haben viel Leid über Kinder in Venezuela gebracht und ihr Leben von einem Moment auf den anderen erschüttert. Die spontane große Hilfsbereitschaft auch aus Deutschland war in dieser Situation lebensrettend und hat den Familien Hoffnung gegeben", sagt Vockel. Zu hoffen ist, dass die Menschen in Venezuela nicht vergessen werden.
Verwendete Quellen
- unicef.de: Trauma nach Erdbeben in Venezuela:"Spielen ist die beste Therapie"
- unicef.de: UNICEF: Einen Monat nach Erdbeben in Venezuela brauchen Tausende Kinder weiter Hilfe
- Informationen der dpa