New York/ Köln, 9. September 2015 - Weltweit ist es seit 1990 gelungen, die Kindersterblichkeit von damals 12,7 Millionen Kindern unter fünf Jahren zu halbieren und erstmals unter sechs Millionen zu senken. Doch in seinem neuesten Report macht das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen gleichzeitig auch auf eine stille Tragödie aufmerksam: Noch immer erleben 5,9 Millionen Mädchen und Jungen jährlich nicht einmal ihren fünften Geburtstag – das sind durchschnittlich 16.000 Kinder jeden Tag, 700 Kinder jede Stunde oder elf Kinder pro Minute.

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"Für all diese Mädchen und Jungen ist das Leben zu Ende, bevor es richtig begonnen hat", sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. "Ihr früher Tod hätte in den meisten Fällen durch einfache Mittel verhindert werden können, die für uns in Deutschland selbstverständlich sind – zum Beispiel sauberes Wasser, Impfungen und gute Versorgung vor, während und nach der Geburt." 45 Prozent der Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren ereignen sich bereits im ersten Lebensmonat. Für rund eine Million Babys ist ihr Geburts- auch gleichzeitig der Todestag.

Trotz Erfolgen UN-Millenniumsziel verfehlt

Seit der Jahrtausendwende haben weltweite Anstrengungen dazu beigetragen, dass auch in den ärmsten Ländern die Kindersterblichkeit deutlich gesunken ist. Das so genannte Millenniumsziel, die Kindersterblichkeit bis 2015 weltweit um zwei Drittel zu senken, wurde zwar insgesamt verfehlt. Aber 24 der 81 Länder mit niedrigem Einkommen haben das Ziel erreicht, darunter auch arme und bevölkerungsreiche Länder wie Äthiopien, Bangladesch, Kambodscha und Uganda. Das Leben von 48 Millionen Kindern wurde so seit 2000 gerettet.

Zu diesen Fortschritten haben ein Bündel von einfachen und effektiven Maßnahmen beigetragen, darunter flächendeckende Impfungen, imprägnierte Moskitonetze zum Schutz vor Malaria, Medikamente, die die Übertragung des HI-Virus von Müttern auf Babys verhindern, eine bessere Versorgung von Schwangeren und Neugeborenen sowie sauberes Trinkwasser und sanitäre Anlagen für mehr Menschen als jemals zuvor.

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Ungleiche Überlebenschancen

Allerdings sind die Überlebenschancen der Kinder auf der Welt weiter sehr ungleich verteilt. Die größte Last der weltweiten Kindersterblichkeit – 80 Prozent – tragen nach wie vor die Länder im südlichen Afrika und in Südasien. Das größte Risiko hat statistisch gesehen ein Kind in Angola: 157 von 1.000 überleben nicht – dies ist jedes sechste Kind. Zum Vergleich: In Deutschland ist die Kindersterblichkeitsrate vier pro 1.000 Lebendgeburten.
Auch innerhalb der einzelnen Länder und sozialen Gruppen gibt es große Unterschiede. Kinder aus armen Haushalten sterben fast doppelt so häufig wie Kinder von wohlhabenden Familien, Kinder in ländlichen Gebieten haben eine statistisch 1,7 Mal größere Todeswahrscheinlichkeit als Städter, und Kinder von Müttern, die mindestens eine weiterführende Schule besucht haben, überleben fast drei Mal öfter.

Häufigste Todesursache ist Lungenentzündung

Die meisten Babys und Kleinkinder sterben an Lungenentzündung (17 Prozent), Komplikationen infolge einer Frühgeburt (16 Prozent), Komplikationen bei der Geburt (elf Prozent), Durchfall (acht Prozent), Säuglingssepsis (sieben Prozent) und Malaria (fünf Prozent). In fast der Hälfte aller Fälle ist Mangelernährung für den Tod der Kinder mitverantwortlich.

Im September werden die Vereinten Nationen neue Nachhaltige Entwicklungsziele (englisch: Sustainable Development Goals, kurz SDGs) verabschieden. Darin nehmen sich die Regierungen vor, bis 2030 die Kindersterblichkeit in jedem Land der Welt unter 25 pro 1.000 Lebendgeburten zu senken. Wenn dies gelingt, könnten bis dahin rund 38 Millionen Kinder gerettet werden.