• Am 11. Oktober ist der Internationale Mädchentag der Vereinten Nationen.
  • Schwere Krisen und Konflikte, wie die Dürre am Horn von Afrika und der Krieg in der Ukraine, treffen Mädchen besonders schwer.
  • Vorhandene Ungleichheiten für Mädchen verschärfen sich weiter, sie sind häufig gezwungen, die Schule zu verlassen oder Gewalt und Zwangsehen ausgeliefert.

Mehr zu United Internet for UNICEF

Verschiedene schwere Krisen wie die Auswirkungen der Corona-Pandemie, die Dürre und drohende Hungersnot am Horn von Afrika, Überschwemmungen in Pakistan oder bewaffnete Konflikte wie zum Beispiel in der Ukraine treffen Kinder immer mit extremer Härte.

Vorhandene Ungleichheiten für Mädchen verschärfen sich dadurch weiter. Ein Beispiel: Durch COVID-19 wächst bei vielen Familien die Armut. Wenn Eltern sich Schulgebühren nicht mehr leisten können, schicken sie ihre Kinder nicht mehr zur Schule, insbesondere ihre Töchter.

Auch das Risiko, Opfer von (sexueller) Gewalt oder zwangsverheiratet zu werden, ist für Mädchen in der derzeitigen Situation besonders groß. Zum Beispiel beobachtet UNICEF am Horn von Afrika, dass wegen der großen Not Mädchen in alarmierend hoher Zahl in Frühehen gedrängt werden.

1. Wie viele Mädchen gibt es weltweit?

Rund 2,35 Milliarden Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren leben derzeit auf der Erde – jeweils etwa die Hälfte von ihnen Jungen und Mädchen. Etwa 70 Millionen Mädchen und 70 Millionen Jungen werden jährlich geboren.

Die durchschnittliche Lebenserwartung eines heute geborenen Mädchens ist 75 Jahre (bei Jungen 71 Jahre). Allerdings können Frauen, die in einem armen Land geboren werden, mit einer durchschnittlich 20 Jahre kürzeren Lebenszeit rechnen als Frauen in einem Industrieland. Fast neun von zehn Kindern leben in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen.

2. Mädchen erfahren Diskriminierung

Es gibt viele Formen von Diskriminierung – zum Beispiel, wenn Mädchen in ihrer Familie weniger wertgeschätzt werden, weniger selbst bestimmen dürfen und weniger Freiheiten haben. Ein besonders extremes Beispiel für Diskriminierung ist, dass Mädchen in Afghanistan aktuell keine weiterführende Schule mehr besuchen dürfen.

Aber häufig ist die Benachteiligung von Mädchen weniger offensichtlich. Diskriminierung kann schon vor der Geburt beginnen, wenn Eltern sich für die Abtreibung eines gesunden Kindes entscheiden, nur weil es weiblich ist. In vielen Gesellschaften ist auch das Thema Menstruation nach wie vor ein Tabu. Das kann dazu führen, dass Mädchen während ihrer Periode zum Beispiel nicht zur Schule gehen können.

3. Vielen Mädchen fehlt Zugang zu Bildung

Rund 34 Millionen Mädchen im Grundschulalter gehen weltweit nicht zur Schule, im Vergleich zu 30 Millionen Jungen. Benachteiligt sind Mädchen vor allem in einigen Ländern von Subsahara-Afrika, des Mittleren Ostens und Südasiens. Bei weiterführenden Schulen hingegen sind mehr Jungen (102 Millionen) als Mädchen (93 Millionen) von Bildung ausgeschlossen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Mädchen in Krisensituationen, zum Beispiel nach einer Naturkatastrophe oder in Kriegen, nicht mehr zur Schule gehen, ist mehr als doppelt so hoch wie bei Jungen.

Bildung ist aber auch der beste Schutz für Mädchen, zum Beispiel vor Frühehen. Nur ein einziges Jahr auf einer weiterführenden Schule kann die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mädchen zur Heirat gezwungen wird, um fünf Prozentpunkte oder mehr verringern.

4. Mädchen auch bei Gesundheit im Nachteil

Für weibliche Teenager ist die Gefahr, sich mit HIV zu infizieren, deutlich höher als für Jungen: Zwei Drittel der 15- bis 19-Jährigen, die sich weltweit mit dem HI-Virus neu infiziert haben, sind weiblich.

5. Arbeit im Haushalt oft nicht geschätzt

Kochen, sauber machen, sich um Geschwister kümmern oder Wasser holen – mit diesen Arbeiten verbringen schon kleine Mädchen im Alter von fünf bis neun Jahren 30 Prozent mehr Zeit als Jungen gleichen Alters.

Dieses Ungleichgewicht wird mit der Zeit größer: In der Altersgruppe von zehn bis 14 Jahren machen Mädchen doppelt so viele Arbeiten rund um den Haushalt wie Jungen. Hausarbeit wird oft übersehen und wenig wert geschätzt. Von anderen Formen der Kinderarbeit bis hin zu schwerer körperlicher Arbeit sind Jungen mehr betroffen.

6. Weibliche Genitalverstümmelung


Weltweit gibt es schätzungsweise 200 Millionen Frauen und Mädchen, an denen Genitalverstümmelung praktiziert wurde. Die Praxis ist vor allem in rund 30 Ländern in Afrika und im Mittleren Osten verbreitet, mit großen regionalen Unterschieden, was das Ausmaß angeht. In Somalia (99 Prozent) und Guinea (94 Prozent) erleiden fast alle Mädchen Genitalverstümmelung.

Auch wenn es Fortschritte gibt, findet ein Umdenken teilweise nur langsam statt und selbst viele Frauen befürworten weiterhin die Tradition. Meist ist das verbunden mit der Sorge, dass die eigenen Töchter sonst nicht als heiratsfähig gelten.

7. Mädchen leiden unter Kinderehen

Wie viele Kinderehen genau geschlossen werden, ist nicht bekannt, da sie fast überall verboten sind. Heute leben rund 650 Millionen Mädchen und junge Frauen, die vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet waren – das ist etwa jede Fünfte.

Die meisten Frühehen werden im südlichen Afrika, südlichen Asien und Lateinamerika geschlossen. In West- und Zentralafrika waren 37 Prozent der heute 20- bis 24-jährigen Frauen bereits vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet, zwölf Prozent von ihnen waren bei der Hochzeit nicht einmal 15 Jahre alt. Kinderehen kommen auch bei Jungen vor, jedoch sind sie bei Mädchen fünf Mal so häufig.

Mädchen, die als Minderjährige verheiratet werden, gehen meist danach nicht mehr zur Schule, sondern müssen sich um den Haushalt kümmern und werden früh Mutter. Viele junge Ehefrauen geben an, dass sie physischer und sexueller Gewalt durch ihren Ehemann ausgesetzt sind.

Übrigens sind Kinderehen nicht nur eine Verletzung der Kinderrechte, sondern haben auch wirtschaftliche Nachteile für die Gesellschaft: Laut einer Studie des International Center for Research on Women und der Weltbank könnten Entwicklungsländer durch die Abschaffung von Kinderehen Milliardenausgaben einsparen.

8. Mädchen werden zu früh schwanger

Schätzungsweise 15 Prozent aller Mädchen weltweit bekommen ihr erstes Baby, bevor sie selbst 18 Jahre alt sind. Frühe Schwangerschaften können gravierende Folgen für die Gesundheit der Mädchen und für ihre gesamte weitere Entwicklung haben. Unter jugendlichen Mädchen sind Komplikationen rund um Schwangerschaft und Geburt die zweithäufigste Todesursache.

Frühe Schwangerschaften führen häufig außerdem dazu, dass Mädchen die Schule abbrechen müssen und sozial ausgegrenzt werden. Schwangere Mädchen – wenn sie nicht schon in einer Kinderehe sind – werden häufig zu einer Heirat gezwungen.

9. Gewalt gegen Mädchen

Weltweit haben 13 Millionen Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren in ihrem Leben bereits sexuelle Gewalt erfahren. Oft ist der Täter jemand aus dem nahen Umfeld des Mädchens – oder sogar der eigene Freund oder Ehemann.

Jedes fünfte Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren sagt, dass es in den vergangenen zwölf Monaten körperliche und/oder sexuelle Gewalt durch den aktuellen oder einen früheren Partner erlebt hat.

Mädchen mit Behinderungen sind – im eigenen Zuhause oder außerhalb – besonders gefährdet, Vernachlässigung, Gewalt oder Missbrauch zu erleben.

10. Mädchen sind Multiplikatorinnen

Junge Frauen, die länger zur Schule gehen, heiraten später und bekommen weniger und gesündere Kinder. Ihre Kinder wiederum gehen mit größerer Wahrscheinlichkeit später auch zur Schule.

Studien zufolge führt jedes weitere Jahr, das ein Mädchen zur Grundschule geht, später zu einem durchschnittlich um zehn bis 20 Prozent höheren Einkommen.

Mädchen zu benachteiligen ist eine große Bürde für die ganze Gesellschaft. Das zeigt sich derzeit besonders drastisch in Afghanistan, dem einzigen Land, das Mädchen von Sekundarbildung ausschließt. Eine Analyse von UNICEF zeigt, dass die Entscheidung des derzeitigen Regimes, Millionen Mädchen den weiterführenden Schulbesuch zu verwehren, das Land einen Rückgang von 2,5 Prozent seines jährlichen Bruttoinlandsprodukts kostet.

11. Was für die Gleichberechtigung getan wird

Schon gewusst? Mit den "nachhaltigen Entwicklungszielen" oder "UN-Entwicklungszielen" hat sich die Weltgemeinschaft sehr ehrgeizige Ziele gesetzt, die bis 2030 erreicht werden sollen. Dazu gehört auch die vollständige Gleichberechtigung der Geschlechter. Aber auch die anderen Ziele wie Ende der Armut, Bildung für alle und Frieden und Gerechtigkeit können nur erreicht werden, wenn Mädchen und Jungen gestärkt und gefördert werden.

UNICEF setzt sich weltweit dafür ein, dass jedes Kind bestmöglich aufwachsen kann – das gilt natürlich für Mädchen ebenso wie für Jungen. Dazu gehört, Gleichberechtigung zu fördern, für Mädchen- und Frauenrechte einzutreten und Mädchen in Bereichen zu unterstützen, in denen sie benachteiligt sind. UNICEF hilft Mädchen, in die Schule zu gehen und eine Ausbildung zu machen, setzt sich für den Schutz vor Gewalt und die Beendigung von schädlichen Praktiken wie Kinderehen und Genitalverstümmelung ein.

Der Text im Original erschien zuerst auf unicef.de von Ninja Charbonneau.
Frau mit Maske

UN-Entwicklungsprogramm: Corona und andere Krisen werfen Menschheit um fünf Jahre zurück

Laut einem UN-Bericht haben Krisen wie Corona die Menschheit in ihrer Entwicklung zurückgeworfen. Die Rede ist von fünf Jahren. (Bildquelle: Istock/Xsandra )
JTI zertifiziert JTI zertifiziert

"So arbeitet die Redaktion" informiert Sie, wann und worüber wir berichten, wie wir mit Fehlern umgehen und woher unsere Inhalte stammen. Bei der Berichterstattung halten wir uns an die Richtlinien der Journalism Trust Initiative.