Wenn die Generation der Babyboomer in Rente geht, kommt auf Deutschland ein Arbeitskräftemangel zu. Ganz so schlimm wie befürchtet muss dieser aber nicht ausfallen: Ein paar Stunden Mehrarbeit könnten einer Studie zufolge den Effekt deutlich abfedern.

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Deutschland fehlen bald sechs Millionen Arbeitskräfte: In den nächsten Jahren gehen jene 20 Millionen Menschen in Rente, die in den 1950er und 1960er Jahren geboren sind. Im selben Zeitraum fangen jedoch nur 14 Millionen Bürger an zu arbeiten.

Ab 2025 wird der Babyboomer-Effekt den deutschen Arbeitsmarkt voll treffen. Allein im Jahr 2030 geht voraussichtlich eine halbe Million Menschen mehr in Rente, als in den Arbeitsmarkt eintreten.

2030 wird der Höhepunkt erreicht: Dann gehen jährlich eine halbe Million Menschen mehr in Rente, als in den Arbeitsmarkt eintreten.

Einer aktuellen Studie zufolge muss der Arbeitskräftemangel aber nicht zwingend so dramatisch ausfallen. Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) hat mehrere Schlüsselfaktoren identifiziert, mit denen sich der Effekt deutlich abmildern lässt - und das ohne zusätzliche Zuwanderung.

BiB: Situation ist gar nicht so dramatisch

Bedrohungsszenarien wie ein massiver Fachkräftemangel, abgehängte Regionen oder Produktionsrückgänge aufgrund einer alternden Belegschaft halten die Demografen für überzogen.

"Nach unseren Berechnungen werden viele dieser Szenarien in dieser dramatischen Form nicht eintreten. Denn: Köpfe allein zählen nicht", sagte BiB-Direktor Norbert Schneider bei der Präsentation der Studie. Allerdings müsse berücksichtigt werden, dass die Entwicklung des Arbeitsangebots branchenspezifisch und regional stark variieren könne.

Die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter sei eine, aber nicht die zentrale Größe. Dasselbe gelte für die Erwerbstätigenquote. Viel aussagekräftiger sei die Zahl der insgesamt erbrachten Arbeitsstunden.

Es sei möglich, das Gesamtarbeitsvolumen auch 2030 auf dem heutigen Stand zu halten. "Entscheidend ist das Verhalten der Menschen", sagte Schneider.

Es geht auch ohne höhere Zuwanderung

Aktuell erlebt Deutschland einen Beschäftigungsrekord: Knapp 45 Millionen Menschen arbeiten hierzulande, so viele wie nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik.

An der seit Jahren steigenden Beschäftigung haben vor allem Frauen und Ältere einen großen Anteil. Während 2004 nur 59 Prozent der 18- bis 67-jährigen Frauen berufstätig waren, sind es heute 73 Prozent.

Um im Vorstellungsgespräch zu überzeugen, muss man sehr viele Dinge beachten und sich gut vorbereiten. Dazu zählt auch das Erscheinungsbild und welche Kleidung oder Outfit man für das Bewerbungsgespräch wählt.

Laut BiB arbeiten Frauen aller Altersgruppen mehr, sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland. Zwei Entwicklungen sind dafür maßgeblich: Teilzeitbeschäftigungen haben zugenommen, während sich die Zahl von Frauen in Vollzeit kaum verändert hat. Zudem ist die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von Frauen mit minderjährigen Kindern im Haushalt gestiegen.

Ebenfalls gestiegen ist die Erwerbsbeteiligung der 60- bis 64-Jährigen: Lag diese 2004 erst bei 25 Prozent, erreicht sie mittlerweile 58 Prozent. Das bedeutet für Deutschland Platz zwei in der EU - nur Schweden verzeichnet mit 68 Prozent einen höheren Wert.

Nicht nur die Quote der erwerbstätigen Älteren ist gestiegen, auch die Arbeitszeit pro Kopf in dieser Gruppe hat seit 2004 deutlich zugenommen. Bei den 60- bis 64-Jährigen hat sich die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden pro Woche fast verdoppelt.

Setzen sich diese Trends fort, lässt sich nach Berechnung der BiB-Forscher damit die Babyboomer-Lücke weitgehend abfedern. Hinzu käme eine "moderate Zuwanderung" von 200.000 Menschen im Jahr. Diese Zahl entspricht der durchschnittlichen Zuwanderung zwischen 1975 und 2015.

Mit Frauen und Älteren lässt sich die Lücke schließen

2017 wurden in Deutschland 1,45 Milliarden Arbeitsstunden geleistet. Bleibt die Situation so, wie sie ist, reduziert sich diese Zahl bis 2030 auf 1,35 Milliarden Stunden.

Das BiB rechnet vor: Würden alle westdeutschen Frauen genauso viele Stunden arbeiten wie ihre ostdeutschen Kolleginnen - im Durchschnitt 35 statt aktuell 30 Stunden - käme man insgesamt bereits auf 1,38 Milliarden Arbeitsstunden.

Zählt man die Älteren mit dazu, wären 1,44 Milliarden geleistete Arbeitsstunden drin - beinahe das aktuelle Niveau. Voraussetzung dafür sind laut BiB folgende Steigerungen:

  • 55- bis 59-Jährige: 30 Wochenstunden (plus eine Stunde)
  • 60- bis 64-Jährige: 25,6 Wochenstunden (plus vier Stunden)
  • 65- bis 69-Jährige: 8,4 Wochenstunden (plus vier Stunden)
  • 70- bis 74-Jährige: 2,5 Wochenstunden (plus eine Stunde)

Es braucht einen Wandel

Die Forscher gehen nicht davon aus, dass sich der Arbeitsmarkt von allein in diese Richtung entwickeln wird. "Dazu müssen Gesellschaft und Politik heute die Weichen entsprechend stellen", betonte BiB-Chef Schneider.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie - sowohl bei der Kindererziehung als auch bei der Pflege Angehöriger - müsse für beide Geschlechter verbessert werden. Zudem brauche es altersgerechte Arbeitsplätze und gesundheitliche Maßnahmen, damit Ältere auch in der Lage seien, länger zu arbeiten.

Fraglich ist jedoch, ob die Maßnahmen greifen würden: Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) würden 40 Prozent der deutschen Frauen aktuell ihre Arbeitszeit gern um mindestens zweieinhalb Wochenstunden verkürzen. Nur 17 Prozent denken über eine Verlängerung nach. Die ideale Arbeitszeit liegt für die meisten Frauen übrigens bei 30 Wochenstunden - der momentan in Westdeutschland üblichen Zahl. (ank)

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