Die Aktie des Chemiekonzerns Bayer hat massiv an Wert verloren. Kurz nach Handelsstart stürzte der Dax-Konzern um mehr als zehn Prozent ab. Grund dafür ist ein Urteil gegen den von Bayer übernommenen US-Saatguthersteller Monsanto. Das Unternehmen muss Schadenersatz in dreistelliger Millionenhöhe zahlen.

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Aus Furcht vor finanziellen Lasten durch Glyphosat-Prozesse in den USA ziehen einige Bayer-Investoren wohl die Reißleine.

Die Papiere des Agrarchemie- und Pharmakonzerns brachen zum Handelsstart am Montag um rund zehn Prozent ein. Das war der tiefste Stand seit Mai 2016.

Grund für die Angst der Anleger ist ein Urteil in den USA gegen den im Juni von Bayer übernommenen US-Saatgutkonzern Monsanto wegen angeblich verschleierter Krebsrisiken des Unkrautvernichters Roundup mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat.

Monsanto muss erheblichen Schadenersatz zahlen

Monsanto soll einem Krebspatienten Schadenersatz in Höhe von 289 Millionen US-Dollar (254 Mio Euro) zahlen. Ein ehemaliger Hausmeister macht die glyphosathaltigen Herbizide von Monsanto für seinen Lymphdrüsenkrebs verantwortlich.

Monsanto kündigte umgehend Berufung gegen das Urteil an. Pflanzenschutzmittel mit Glyphosat seien weiterhin ein "wichtiges, wirksames und sicheres Mittel", erklärte das Unternehmen.

Bayer zeigte sich ebenfalls überzeugt, "dass Glyphosat sicher und nicht krebserregend ist".

Über 400 weitere Klagen gegen Monsanto

In den USA machen tausende Krebskranke Monsanto für ihr Leiden verantwortlich. Ein Bundesrichter in San Francisco hatte im vergangenen Monat mehr als 400 weitere Klagen wegen der möglichen krebsauslösenden Wirkung des Unkrautvernichtungsmittels zugelassen.

Sie berufen sich auf die zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehörende Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC). Diese hatte vor drei Jahren konstatiert, dass Glyphosat "wahrscheinlich krebserregend bei Menschen" sei. Die US-Umweltbehörde EPA und auch die Aufsichtsbehörden in der EU und Deutschland gelangten hingegen zu dem Schluss, dass keine Krebsgefahr von dem Herbizid ausgeht.

Für die weiteren Verfahren könnte das Urteil vom Freitag Signalwirkung haben, was zu weiteren teuren Schmerzensgeldzahlungen für Monsanto führen könnte.

Analyst: Urteil dürfte Aktie lange belasten

Grundsätzlich ist es in den USA zwar nicht ungewöhnlich, dass die Strafzahlungen bei solchen Verfahren später erheblich verringert oder die Urteile in der nächsten Instanz wieder einkassiert werden.

Analyst Michael Leacock vom Investmenthaus Mainfirst sagte, das Urteil dürfte wegen der Unsicherheiten die Aktie aber lange belasten.

Bei dem aktuellen Verfahren ging es zwar nur um einen Einzelfall, doch weil es die erste Entscheidung überhaupt war, stand das Verfahren stark im Fokus der Öffentlichkeit. (cai/dpa/afp)

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