Sorge um Uli Hoeneß: Ist der ehemalige Präsident des FC Bayern nach der versuchten Erpressung eines ehemaligen Häftlings im Gefängnis in Landsberg sicher? Strafrechtsanwalt Tom Heindl erklärt, wie wahrscheinlich es ist, dass Hoeneß nun das Gefängnis wechseln darf - und wie es um seine Sicherheit bestellt ist.

Ein ehemaliger Häftling hat versucht, Uli Hoeneß zu erpressen. Der 50-Jährige drohte dem früheren Präsidenten des FC Bayern in einem Schreiben, dass sich Hoeneß bei seiner Haftstrafe auf große Schwierigkeiten einstellen müsse. Wie die "Bild" berichtet, forderte der Mann 200.000 Euro, damit das nicht geschehe. Der Brief ging direkt an Uli Hoeneß' Haus im oberbayerischen Bad Wiessee. Die Familie informierte daraufhin die Polizei.

Der Erpresser wurde am Samstagabend bei der fingierten Geldübergabe von der Polizei festgenommen. "Die Drohungen hatten Hand und Fuß", sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern in Rosenheim am Dienstag. "Darum haben wir sie auch so ernst genommen." Der Mann versuchte noch mit dem Rad zu fliehen, stürzte aber und musste kurzzeitig in ein Krankenhaus. Der Ermittlungsrichter erließ Haftbefehl. Der 50-Jährige sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft. Weitere Informationen zum Tatverdächtigen gibt die Polizei nicht preis.

Uli Hoeneß' Anwälte haben schon vor der Erpressung versucht, ihren Mandanten in ein anderes Gefängnis als die JVA Landsberg zu verlegen. Steigt nun die Wahrscheinlichkeit, weil sein Schutz dort nicht mehr gewährleistet ist? Tom Heindl, Fachanwalt für Strafrecht bei "Steinberger & Heindl", gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen nach dem Erpressungsversuch.

Steigt nach dem Erpressungsversuch die Wahrscheinlichkeit, dass Uli Hoeneß in ein anderes Gefängnis kommt?

Nein. An der Sicherheit von Uli Hoeneß ändere sich auch nichts, wenn er in ein anderes Gefängnis kommt, sagt Heindl. In Deutschland seien die Verhältnisse nicht so gefährlich wie in den USA – egal in welchem Gefängnis.

Vor Hoeneß' Haftantritt in Landsberg wurde dort ein "Tag der offenen Tür" veranstaltet. Ist dies ein Anlass, das Gefängnis zu wechseln?

Nein. Laut Heindl gibt es keinen Grund, das Gefängnis zu wechseln. Einen "Tag der offenen Tür" gebe es in jedem Gefängnis – nicht nur in Landsberg.

Wie steht es um Hoeneß' Schutz im Gefängnis?

Heindl kann sich nicht vorstellen, dass Hoeneß in Landsberg etwas passiert. "Die Justizvollzugsbeamten dort sind nicht auf den Kopf gefallen", sagt der Strafrechtler. Die Beamten würden ein "besonderes Auge" auf den prominenten Insassen werfen. Denn sollte ihm etwas passieren, wäre das "der Justizskandal schlechthin".

Wie kann man Hoeneß' Haft sicherer gestalten?

Nur Einzelhaft wäre sicherer, sagt Heindl. Wenn Hoeneß diese antreten möchte, weil er um sein Leben fürchtet, würde die Justiz der Bitte womöglich nachkommen. "Man will sich sicher nicht nachsagen lassen, ein Risiko eingegangen zu sein", sagt Heindl. Der Fall Hoeneß sei dafür einfach zu "prekär".

Von den Gefängnisinsassen gehe für Hoeneß nur wenig Gefahr aus, findet Heindl: "Hoeneß hat viele Sympathisanten und Fans im Gefängnis." Im Austausch für Jahreskarten für den FC Bayern beispielsweise könnten diese ihm sogar Schutz anbieten.

Wie glaubhaft ist der Erpresser?

Der Erpresser scheint kein Profi gewesen zu sein, sagt Heindl – trotz seiner kriminellen Vergangenheit. Die Polizei habe nicht wissen können, wie viel Einfluss der Mann wirklich auf Insassen im Landsberger oder auch in anderen Gefängnissen hat. Man sei aber auf Nummer sicher gegangen: "Wenn es nicht Hoeneß gewesen wäre, hätte die Erpressung nicht so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen."

Uli Hoeneß wurde im März 2014 wegen Steuerhinterziehung von 28,5 Millionen Euro zu einer Haftstrafe von 3,5 Jahren verurteilt. Wann genau er ins Gefängnis muss, darüber schweigen die Behörden. Am 30. April war die siebenwöchige Frist abgelaufen, um Hoeneß das Urteil zuzustellen.