Die Corona-Pandemie hat die europäische Wirtschaft zur Vollbremsung gezwungen. Der Schock sei so groß wie nie zuvor seit der großen Depression in den 1930er Jahren, sagt die EU-Kommission.

Mehr aktuelle Informationen zum Coronavirus finden Sie hier

Die Wirtschaft der Eurozone könnte laut der EU-Frühjahrsprognose wegen der Coronakrise dieses Jahr um 7,7 Prozent schrumpfen und sich auch im nächsten Jahr nicht vollständig erholen.

Die EU-Kommission sprach am Mittwoch in Brüssel bei der Vorlage ihrer Prognose von einer Rezession historischen Ausmaßes. "Europa erlebt einen ökonomischen Schock, wie es ihn seit der großen Depression nicht mehr gegeben hat", sagte Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni.

Düstere Prognose der EU-Kommission: Rezession "historischen Ausmaßes"

Im Einzelnen erwartet die Kommission nach dem drastischen Einbruch in den 19 Ländern der Eurozone dieses Jahr für 2021 neues Wachstum um 6,3 Prozent. Für die 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union insgesamt sagt die Prognose für 2020 ein Minus von 7,4 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt voraus und für 2021 ein Wachstum von etwa 6 Prozent.

Der Schock der Pandemie treffe zwar alle EU-Staaten, aber das Minus bei der Wirtschaftsleistung sei unterschiedlich - von rund 4 Prozent in Polen bis zu knapp 10 Prozent in Griechenland. Die Erholung 2021 werde ebenfalls verschieden ausfallen und die Verluste unterm Strich nicht wettmachen, erklärte Gentiloni.

Wichtige Faktoren seien das Tempo bei der Aufhebung der Corona-Auflagen, die Abhängigkeit der Volkswirtschaften vom Tourismus und die finanziellen Spielräume im Haushalt. Diese Ungleichheit bedrohe die Einheit des Binnenmarkts und der Eurozone. "Wir müssen diese Herausforderung bewältigen", meinte Gentiloni.

Steigende Arbeitslosenrate: Junge Menschen besonders betroffen

Die Arbeitslosenrate in der Eurozone wird der Prognose zufolge von 7,5 Prozent 2019 auf rund 9,5 Prozent in diesem Jahr steigen. Für nächstes Jahr wird ein Rückgang auf rund 8,5 Prozent erwartet. Für die gesamte EU wird ein Anstieg von 6,7 Prozent im vergangenen Jahr auf etwa 9 Prozent in diesem vorhergesagt. 2021 soll die Rate bei rund 8 Prozent liegen. Vor allem junge Leute dürften es viel schwerer haben, einen ersten Job zu finden, erklärt die Kommission.

Die Inflation wird dieser Prognose zufolge stark zurückgehen. Die Teuerungsrate in der Eurozone, die mit dem sogenannten Harmonisierten Index der Verbraucherpreise gemessen wird, wird für 2020 mit 0,2 Prozent angesetzt und für 2021 dann mit 1,1 Prozent. Für die EU insgesamt sind die entsprechenden Werte 0,6 Prozent in diesem und 1,3 Prozent im nächsten Jahr.

Corona-Pandemie: Teure Krisenbewältigung mit spürbaren Konsequenzen

Weil die Mitgliedsstaaten zur Krisenbewältigung Milliarden ausgeben, werden die Defizite nach Erwartung der EU-Kommission stark steigen. Der aggregierte Wert für das Staatsdefizit aller Mitgliedsstaaten, das 2019 nur noch bei 0,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts lag, wird demnach 2020 auf 8,5 Prozent in die Höhe schnellen. Für 2021 wird dann ein Wert von 3,5 Prozent erwartet.

Lesen Sie auch: Alle Entwicklungen rund um das Coronavirus in unserem Live-Blog

Der Schuldenstand der Staaten der Eurozone insgesamt wird damit laut Prognose von 86 Prozent 2019 auf rund 103 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen. Erlaubt sind in der EU eigentlich nur 60 Prozent des BIP, doch wurden die Regeln des Stabilitäts- und Wachstumspakts quasi außer Kraft gesetzt.

Die EU-Kommission weist darauf hin, dass die Prognose mit außergewöhnlich großen Unsicherheiten behaftet ist. Grundlage sei die Erwartung, dass die Corona-Beschränkungen ab Mai schrittweise gelockert werden. Falle die Pandemie schwerwiegender und länger aus, könnte dies zu einem noch größeren Einbruch der Wirtschaftsleistung führen, heißt es weiter. (lag/dpa)

Wirtschaftsweise geben in der Coronakrise düstere Prognose für das Jahr 2020 ab

Die Wirtschaftsweisen geben aufgrund der zu bewältigenden Coronakrise für das Jahr 2020 eine erwartbar schlechte Prognose für die deutsche Wirtschaft ab. Schlechtestenfalls komme es schlimmer als in der Wirtschafts- und Finanzkrise vor über einem Jahrzehnt.
Teaserbild: © Getty Images/iStockphoto