Immer mehr Deutsche kaufen Waren aus dem "fairen Handel": Die Umsätze stiegen im Jahr 2012 in Deutschland um rund ein Drittel auf einen Wert von 533 Millionen Euro, wie der Verein "Transfair" mitteilt. Doch viele Verbraucher fragen sich, ob sich die Situation von Kleinbauern und anderen Erzeugern in den Produktionsländern wirklich verbessert, wenn man für fair gehandelte Produkte etwas tiefer in die Tasche greift. Die Frage: Was bleibt wirklich hängen vom Boom?

"Fairtrade" will die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Kleinbauern in Entwicklungsländern verbessern. Ihnen werden feste Verträge und Mindestabnahmepreise garantiert. Im Gegenzug müssen etwa das Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit beachtet und Mindestlöhne gezahlt werden. Ein Prinzip, dass einleuchtet und von deutschen Verbrauchern immer stärker angenommen wird. Die reinen Absatzzahlen in Deutschland sind eindrucksvoll: Bei Bio-Bananen liegt der Marktanteil fair gehandelter Produkte schon bei einem Drittel und bei Rosen bei fast 20 Prozent. Auch Tee und Textilien werden von den Verbrauchern zunehmend in der fairen Variante gekauft, sagt Dieter Overath, Geschäftsführer des Vereins "Transfair".

Ein "Wermutstropfen" sei hingegen ein Rückgang bei Schokolade, so Overath. Hier fehle das Engagement der großen Schokoladenhersteller: "Kakao-Bauern können ihre Ernte oft nur zu einem kleinen Teil unter Fairtrade-Bedingungen absetzen."

"Einkauf mit gutem Gewissen" bislang ein Nischenmarkt

Die mit einem Siegel gekennzeichneten Produkte seien seit 2012 flächendeckend im Lebensmitteleinzelhandel erhältlich, so "Transfair". Zuletzt hatten auch der Discounter "Aldi" und die Drogeriemarktkette "dm" fair gehandelte Produkte ins Regal genommen. Angenehmer Nebeneffekt für den aufgeklärten Verbraucher: Zu zwei Dritteln sind die Waren inzwischen auch mit einem Biosiegel versehen, erklärt "Transfair". Gute Voraussetzungen also, sollte man meinen.

Trotzdem bleiben fair gehandelte Waren zumindest vorerst noch ein Nischenprodukt. Im Schnitt gab ein deutscher Verbraucher im Jahr 2012 gerade einmal sechs Euro für "Fairtrade"-Waren aus, wie der Verein "Transfair" weiter berichtet. Die Verbraucher nutzen ihre zweifellos vorhandene Macht beim Einkaufen also noch lange nicht so stark, wie sie es könnten. Wie groß diese Macht der Verbraucher tatsächlich ist, zeigen nicht zuletzt die jüngsten Lebensmittelskandale, nach denen der Absatz der betroffenen Lebensmittel immer stark einbricht.

Verbraucher müssten noch bewusster einkaufen

Die deutschen Verbraucher nutzen ihre Marktmacht im Sinne fairer Produktionsbedingungen also noch lange nicht so stark, wie sie könnten - gerade auch im internationalen Vergleich. Dabei sind die positiven Effekte des fairen Handels laut "Transfair" durchaus belegbar: "Fairtrade führt sowohl zu höheren und stabileren Einkommen für die Kooperativen und Beschäftigten auf Plantagen, als auch zu positiven Wirkungen für die jeweiligen Regionen", so Volkmar Lübke, Vorstand von "Transfair". Dies bestätige auch eine aufwändige Sektor-und kontinentübergreifende Studie des Centrums für Evaluation (CEval) in Saarbrücken, so "Transfair".

Bei Fairtrade halten die Produzentenorganisationen über kontinentale Netzwerke in allen Entscheidungsgremien 50 Prozent der Stimmen und gestalten den fairen Handel aktiv und selbstbestimmt mit. Damit fairer Handel seine Wirkung voll entfalten kann, sind allerdings relevante Absatzmengen nötig. Nach wie vor verkaufen Kooperativen und Plantagen aber oft weniger als 40 Prozent ihrer Ernte unter Fairtrade-Bedingungen, so "Transfair" weiter. Und hier kommt schließlich wieder der Verbraucher ins Spiel: Steigt die Nachfrage nach Fairtrade-Produkten, erhöht sich automatisch auch der Anteil der Produkte, die die Produzenten unter fairen Bedingungen produzieren können. Bei unserem nächsten Einkauf haben wir es also alle in der Hand, einen kleinen Unterschied zu machen. (jfi/dpa)