Der neueste Vorwurf gegen die Deutsche Bank hat es in sich: Geldwäsche in Russland. Die Großbank steht erneut in den Negativ-Schlagzeilen, Konzernchef Sewing ist unter Druck. Eigentlich sollten die Skandale bei der Deutschen Bank endlich abreißen, doch das Unternehmen kommt nicht zur Ruhe.

Mehr Panoramathemen finden Sie hier

Es war die Hammer-Nachricht diese Woche: Nach einem Bericht von SZ, WDR und NDR zeigen bislang geheime Unterlagen des US-Finanzministeriums, dass internationale Großbanken wie die Deutsche Bank jahrelang Geschäfte mit riskanten Kunden abgewickelt haben.

Das Problem: Die Vorgänge wurden nur zögerlich und mit erheblicher Verspätung gemeldet. Beim genauen Blick wird auch klar warum: Laut der Recherchen des internationalen Journalisten-Netzwerks FinCen arbeiteten die Geldhäuser mit Mafiosi, Millionenbetrügern und Oligarchen zusammen und führten für sie millionenschwere Überweisungen aus.

Auch wenn die Deutsche Bank sofort reagierte und betonte, dass es sich bei den Anschuldigungen um zurückliegende Ereignisse handle, aus denen man bereits Konsequenzen gezogen habe, hatten die durch ein Datenleck aufgedeckten Geldwäsche-Vorwürfe Folgen.

Der Aktienkurs der Deutschen Bank fiel rapide um mehr als acht Prozent ab, das Vertrauen in die Bank ist nach dem Versagen aller Sicherheitssysteme wieder einmal gestört.

Erneuter Rückschlag nach vorsichtigem Aufatmen

Für die Deutsche Bank und Konzernchef Christian Sewing ist das neue Datenleck eine Katastrophe. Denn zuletzt hatte das Finanzunternehmen in Frankfurt am Main vorsichtig aufgeatmet. Seit dem Ausbruch der Weltfinanzkrise 2007/2008 hatte die Großbank immer wieder mit Skandalen zu kämpfen, Strafzahlungen und Anschuldigungen waren die Folge.

Das größte Problem: Das verlorene Vertrauen der Menschen in die Deutsche Bank. Mit Christian Sewing an der Führungsspitze sollte ab Frühjahr 2018 alles anders werden. Die Sterne standen trotz Cum-Ex-Geschäfte gut – bis jetzt.

Dubiose Hypothekengeschäfte

Der größte Skandal, der die 1870 gegründete Frankfurter Großbank bis heute beschäftigt, sind die zweifelhaften Hypothekengeschäfte in den USA, die zu den Auslösern der Weltfinanzkrise gehören. Schlecht abgesicherte Hyptheken von US-Hauskäufern wurden laut DW.com von der Deutschen Bank aufgekauft, in komplexe Finanzprodukte gebündelt und top bewertet als sichere Anlageprodukte an Banken weiterverkauft.

Mit dem Zusammenbruch des Marktes waren alle Verkäufe wertlos. Nur die Deutsche Bank ging als Gewinner hervor. Bis zum Jahr 2013 – als das Finanzunternehmen 1,9 Milliarden Dollar Strafe an zwei US-Baufinanzierer zahlen musste. 2017 einigte sich die Deutsche Bank mit den US-Behörden dann auf einen abschließenden Vergleich – 7,2 Milliarden Dollar wechselten den Besitzer.

Kaum hatte sich die Frankfurter Bank davon erholt, gab es 2015 einen neuen Skandal: Ermittler fanden heraus, dass die Deutsche Bank seit 2011 mittels Aktiengeschäften Schwarzgeld in russischen Rubel in Höhe von zehn Milliarden Dollar gewaschen hatte. Auch diesmal hagelte es eine saftige Strafe: 600 Millionen Dollar.

Lange Liste von Skandalen

Dann war da noch der Libor-Skandal. Euribor und Libor sind Abkürzungen für Referenzzinsätze, die anzeigen, zu welchen Bedingungen Banken sich Geld leihen. Sie gelten laut DW.com als wichtige Bezugsgröße für die Zinsen kurzfristiger Kredite und größerer Finanztransaktionen. 2013 entschied die Europäische Kommission, gegen sechs internationale Großbanken eine Strafe von 1,7 Milliarden Euro zu verhängen, weil einige Händler Zinssätze manipuliert hatten.

Darunter auch die Deutsche Bank: 725 Millionen Euro musste das Finanzunternehmen zahlen, US- sowie britische Behörden verdonnerten die Großbank laut DW.com wenig später zu weiteren 2,5 Milliarden Dollar Strafe.

Als die Deutsche Bank nach Ansicht der US-Behörden gegen das bestehende Iran-Embargo verstieß, gab es im Jahr 2015 wieder eine Strafzahlung für die Deutsche Bank: 260 Millionen Dollar musste das Finanzunternehmen zahlen. Fast schon günstig. Konkurrenten wie die Commerzbank mussten 1,4 Milliarden Dollar zahlen.

Auch 2015 beim bis dahin weltgrößten Geldwäscheskandal spielte die Deutsche Bank eine Rolle: Als Korrespondenzbank der Danske Bank war das Unternehmen direkt in verdächtige Zahlen der Bank in Estland verwickelt. Zwischen 2007 und 2015 flossen 200 Milliarden Euro über die Filiale der Danske Bank. Die New Yorker Finanzaufsichtsbehörde warf der Deutschen Bank eine lückenhafte Überwachung der eigenen Kunden vor. Die Konsequenz in Frankfurt am Main: Rund eine Million Dollar Investition in die Verbesserung interner Kontrollen.

Ein unliebsamer Kunde: Jeffrey Epstein

In diesem Sommer gab es dann – trotz aller Bemühungen und der neuen Führung von Christian Sewing - einen weiteren Tiefschlag. Diesmal lautete der Name des Skandals "Jeffrey Epstein". Der wegen schwerer Sexualverbrechen verurteilte Milliardär war seit 2013 Kunde der Deutschen Bank und hatte zahlreiche verdächtige Zahlungen über das Unternehmen getätigt – und das, obwohl die kriminelle Geschichte Epsteins bekannt gewesen war. Aufklären lässt sich dies heute nicht mehr: Der Milliardär beging 2019 in einer Gefängniszelle Suizid.

Dass die Deutsche Bank nicht zwingend Probleme mit undurchsichtigen Kunden gehabt haben dürfte, zeigt nun der neueste Skandal. Nichtsdestotrotz bleiben die Ausmaße des Geldwäsche-Skandals noch unklar. Bislang wurden nur ein paar Tausend Datensätze veröffentlicht, Millionen soll es geben. Inwiefern die Deutsche Bank im internationalen Vergleich involviert ist, werden erst langfristige Ermittlungen ergeben.

Eine gute Nachricht gab es aber diese Woche auch für die Deutsche Bank: Das Finanzunternehmen muss laut einem Urteil nicht für Steuerschulden aus Cum-Ex-Geschäften der Hamburger Privatbank M.M.Warburg mithaften. Das hat das Landgericht Frankfurt am Mittwoch entschieden und eine entsprechende Klage abgewiesen. Für die Deutsche Bank heißt das: Die 167 Millionen Euro Steuerschuld muss nicht von ihr getragen werden.

Verwendete Quellen:

Geldwäsche-Berichte setzen Deutscher Bank zu

Die Aktien der Deutschen Bank und anderen Großbanken haben am Montag nach Medienberichten über Datenlecks bei der weltweiten Bekämpfung von Geldwäsche an Wert verloren.