Die inzwischen beendete Geschäftsbeziehung zur estnischen Filiale der Danske Bank hat für die Deutsche Bank ein unangenehmes Nachspiel. War Deutschlands größtes Geldhaus bei Anzeigen wegen Geldwäscheverdachts nachlässig? Beamte durchsuchen die Zentrale des Geldhauses nach Beweisen.

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Im Zusammenhang mit dem Geldwäsche-Skandal bei der dänischen Danske Bank ist die Deutsche Bank ins Visier der Ermittler geraten.

Insgesamt ein Dutzend Beamte der Frankfurter Staatsanwaltschaft und des Bundeskriminalamts (BKA) suchen seit Dienstagvormittag in der Zentrale der Deutschen Bank nach Beweisen, um ihren Verdacht einer Beihilfe zur Geldwäsche zu erhärten.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft dauerte die Aktion, über die zuvor die "Süddeutsche Zeitung" berichtet hatte, am Mittwoch zunächst an. Die Deutsche Bank zeige sich kooperativ, sagte ein Sprecher der Ermittlungsbehörde.

Die Ermittler werfen Deutschlands größtem Geldhaus vor, in einigen Fällen keine Geldwäscheverdachtsmeldungen gemacht zu haben, obwohl das angezeigt gewesen wäre. Konkret geht es nach Angaben der Staatsanwaltschaft um eine zweistellige Zahl von Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von 12,5 Millionen Euro.

In diesen Fällen gehen die Strafverfolger dem Verdacht nach, dass die Deutsche Bank eine Geldwäscheverdachtsanzeige nicht rechtzeitig erstattet hat oder Transaktionen sogar hätte stoppen müssen.

Geldhaus half bei Abwicklung des Zahlungsverkehrs

Die Deutsche Bank war eine der Korrespondenzbanken für die Filiale des dänischen Geldhauses in Estland. Heißt: Sie half als Institut mit globaler Reichweite bei der Abwicklung des Zahlungsverkehrs. Die Deutsche Bank hatte mitgeteilt, sie habe die Geschäftsbeziehung zur estnischen Danske-Filiale 2015 deswegen beendet, weil ihr wiederholt Transaktionen verdächtig vorgekommen seien.

Der Tatzeitraum, der nun untersucht wird, umfasst nach Angaben der Staatsanwaltschaft die Jahre 2014 bis 2018. Eine Geldwäscheverdachtsanzeige der Deutschen Bank zu einer früheren Transaktion sei erst in diesem Jahr eingegangen, erklärte der Sprecher der Behörde.

Danske steht im Mittelpunkt eines europaweiten Geldwäscheskandals

Die Danske steht im Mittelpunkt eines der größten Geldwäscheskandale Europas. Es geht um mutmaßliche Verstöße gegen Vorschriften zur Vermeidung von Geldwäsche in der Niederlassung in Estland. Dort sollen rund 200 Milliarden Euro gewaschen worden sein. In mehreren Ländern laufen Ermittlungen gegen das Geldhaus.

Ein Sprecher der Deutschen Bank bestätigte die Durchsuchungen am Mittwoch: "Die Deutsche Bank hat den Sachverhalt bereits selbst umfassend aufgearbeitet und hat die angeforderten Unterlagen soweit möglich freiwillig herausgegeben und wird weiter mit der Staatsanwaltschaft kooperieren." (mgb/dpa)

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