Steigende Mieten und akuter Wohnungsmangel machen Arme in Deutschland noch ärmer. Eine aktuelle Studie kommt zum Ergebnis: Ausgerechnet Geringverdiener müssen überdurchschnittlich viel Geld für ihre Miete aufwenden.

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Die Kosten für Mieten drücken mehr als eine Million Haushalte in Deutschland unter Hartz-IV-Niveau.

Wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten Untersuchung im Auftrag des Sozialverbands Deutschland hervorgeht, müssen Ärmere gemessen am Haushaltseinkommen außerdem deutlich mehr für das Wohnen ausgeben als Normalverdiener und Reiche.

"Die Mietpreisentwicklung vertieft die soziale Spaltung in unserer Gesellschaft", kritisierte Verbandspräsident Adolf Bauer.

Geringverdiener geben fast die Hälfte ihres Einkommens für Miete aus

Die Hälfte der Miethaushalte in Deutschland wendet der Untersuchung zufolge mindestens 29 Prozent ihres Nettoeinkommens für die Bruttokaltmiete auf. Bei Geringverdienern mit weniger als 1.300 Euro Haushaltseinkommen liegt dieser Anteil bei 46 Prozent - also erheblich höher.

Wer dagegen netto mehr als 4.500 Euro im Monat zur Verfügung hat, muss nur noch 17 Prozent für das Wohnen ausgeben.

Das Gutachten stützt sich auf Daten aus den Jahren 2014 und 2015. Neuere Zahlen gebe es nur zu Angebotsmieten, also den Mieten, die Vermieter bei einem Umzug fordern, sagte Studienautor Stephan Junker, Sozialwissenschaftler aus Berlin.

Ausschlaggebend für die Belastung der einkommenschwachen Haushalte seien aber vor allem die Bestandsmieten, also die Mieten der langjährigen Mieter.

Besonders hohe Mietbelastungen haben der Studie zufolge nicht nur Geringverdiener, sondern auch Alleinerziehende, Rentner, Menschen mit Migrationshintergrund, mit geringem Bildungsgrad und auch Singles. Sie alle geben überdurchschnittlich viel für die Miete aus.

Unklar sei, ob das allein am niedrigen Einkommen liege oder ob auch Diskriminierung eine Rolle spiele, sagte Junker. Besonders bei Mietern mit Migrationshintergrund gebe es dafür Hinweise.

Fehlender Wohnraum ist das Hauptproblem

Schätzungen zufolge werden in Deutschland weit mehr als 1,9 Millionen zusätzliche bezahlbare Wohnungen gebraucht. Laut den Studien-Autoren führt das zum Beispiel dazu, dass viele Einkommensschwache zur Untermiete oder in unsicheren Verhältnissen mit befristeten Mietverträgen leben.

Bisher war vor allem bekannt, dass kleine Wohnungen für Singles, Rentner oder kleine Familien fehlen. Der Studie zufolge mangelt es aber auch an großen, bezahlbaren Wohnungen.

Jeder vierte Haushalt lebe auf zu engem Raum, sagte Studienautor Junker. Kinder müssen sich Zimmer mit mehreren Geschwistern teilen, Eltern im Wohnzimmer schlafen, weil das Geld nicht für mehr Quadratmeter reiche.

Wenig überraschend: Je nachdem, wo in Deutschland eine ärmere Familie lebt, wiegt die Mietbelastung unterschiedlich schwer. In Frankfurt geben Familien demnach einen deutlich höheren Teil des Haushaltseinkommens dafür aus als etwa in Iserlohn in Nordrhein-Westfalen.

Sozialverband fordert mehr Geld vom Bund

Der Berliner Mieterverein will, dass Genossenschaften sowie städtische Wohnungsunternehmen und Vermieter, die ihre Wohnungen besonders günstig anbieten, gestärkt werden.

Der Sozialverband fordert indes vor allem mehr sozialen Wohnungsbau - dafür müsse der Bund deutlich mehr Geld in die Hand nehmen, sagte Verbandspräsident Bauer.

Wohnungsnot: Neben der Mietpreisbremse gibt es weit wirksamere Maßnahmen.

Nach derzeitigem Stand will die Bundesregierung die Länder bis 2021 mit mindestens fünf Milliarden Euro unterstützen. Mehr als 100.000 neue Sozialwohnungen sollen entstehen.

Mehr Sozialwohnungen seien zwar wirksam, aber auch sehr teuer, gab das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) Köln zu bedenken.

Viele Haushalte profitierten nämlich auch dann noch von der Förderung, wenn sie gar nicht mehr bedürftig seien. Besser seien deshalb direkte Transfers an einkommensschwache Haushalte wie das Wohngeld. (ank/dpa)

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