Was ist Cyberstalking?

Stalking kann die Betroffenen extrem belasten und schwere psychische Schäden hinterlassen. Aus diesem Grund sollten Sie wissen, wann man von (Cyber-)Stalking spricht und vor allem: was Sie dagegen tun können.
"Der neue Kollege sieht ja ganz nett aus, ich stalke ihn eben ganz kurz." Heißt heutzutage so viel wie: "Ich schaue mir mal sein Internetprofil an und gucke, was ich da so über ihn herausfinde." Das ist zwar nicht unbedingt die charmanteste Art, jemanden kennenzulernen, hat aber gewiss nichts mit tatsächlichem Stalking zu tun. Allerdings verdeutlicht so etwas, wie inflationär der Begriff benutzt und dadurch verharmlost wird.

Da stellt sich im Anschluss direkt die Frage: Wo hört "Interesse" an einer Person auf und wo fängt Stalking an?

Definition von Stalking

"To stalk" kommt aus der englischen Jägersprache und bedeutet "jagen" oder "heranpirschen" – und passt somit im übertragenen Sinne auch tatsächlich.

In der Psychologie wird Stalking definiert als eine zwanghafte Fixierung auf eine bestimmte Person, die sich emotional verfestigt. Und im Allgemeinen versteht man unter Stalking, dass man von einer Person belästigt, verfolgt und eingeschüchtert wird.

Das kann sich z. B. über diese Aktionen äußern:
 
  • Intensives Beobachten des Opfers
  • Verfolgung
  • Unerwünschte Briefe und/oder Geschenke
  • "Zufällige" Aufeinandertreffen
  • Wiederholte Anrufe
  • Leugnung einer beendeten Beziehung
  • Drohbriefe
Strafrechtlich betrachtet wird Stalking vor allem durch das wiederholte Aufsuchen der räumlichen Nähe einer Person gekennzeichnet. Weitere Merkmale lassen sich im Strafgesetzbuch nachlesen.

Cyberstalking: Stalking im Netz

Stalking gibt es seit der Digitalisierung aber auch in anderer Form: und zwar virtuell. Per E-Mail, SMS, Chats und Social Media wird das Opfer belästigt und bedroht. Häufig im Zusammenhang mit dem "klassischen" Stalking, sodass die Opfer sozusagen online und offline verfolgt werden.

Ist Cyberstalking eine Straftat?

Der Gesetzgeber hat die Brisanz des zunehmenden Cyberstalkings erkannt und das Stalkinggesetz 2021 entsprechend angepasst. In punkto Cyberstalking wurde nachgeschärft:

Im Fokus der Strafverfolgung ist unter anderem der Einsatz von sogenannter Stalkingware oder Spyware – also Programmen, die unbemerkt auf den Endgeräten der Opfer installiert werden und extra zum Ausspähen und Stalken entwickelt wurden.

Die Stalkenden können dadurch Nachrichten mitlesen oder Passwörter herausfinden. Auch der unbefugte Zugriff auf persönliche Daten (z. B. in Social Media wie Facebook), um den aktuellen Standort des Opfers zu ermitteln und ihr nachzustellen, gehört zu Cyberstalking. Diesbezüglich kommen desweilen auch schon mal GPS-Tracker am Auto zum Einsatz.

Ebenfalls im Visier des Gesetzes: Wenn die Stalkenden die Accounts ihrer Opfer hacken und in deren Namen intimes Bildmaterial der Opfer oder Lügen über diese verbreiten. Oder in deren Namen Profile in sozialen Netzwerken oder Blogs erstellen.
 
Wann ist es tatsächlich "Stalking"?

Bei (Cyber-)Stalking handelt es sich nicht um einen eindeutig abgrenzbaren Vorfall: Der Straftatbestand setzt die Wiederholung gewisser Vorfälle und eine nicht unerhebliche Beeinträchtigung der Lebensgestaltung des Opfers voraus: Wenn z. B. aufgrund belästigenden Telefonanrufen, Nachrichten etc. die Handynummer gewechselt wird. Oder aber bestimmte Laufstrecken und Orte gemieden werden – oder sogar der Wohnort aus Angst vor Übergriffen gewechselt wird.

Warum wird gestalkt – und wer macht so etwas?

Was treibt Menschen an, andere zu stalken? Anbei ein paar Beispiele, die das psychologische Motiv bei Stalking besonders deutlich werden lassen:
 
  • Dem geliebten Exfreund nahe sein
  • Die Beziehung zu einer nicht erwiderten Liebe erzwingen
  • Kontakt zu einem vermeintlichen "Traumpartner" erzwingen
  • Aufgrund von Zurückweisung Rache an einer Person nehmen
Und tatsächlich ist auch deutlich, wer am meisten stalkt: Ex-Partner/-innen machen den mit Abstand größten Anteil an Stalkenden aus − im Vergleich zu anderen Beziehungsverhältnissen zwischen Täter-/innen und Betroffenen. Generell handelt es sich bei Stalkenden meist um Personen aus dem eigenen Umfeld, z. B. aus der Nachbarschaft oder der Arbeit.

Was kann ich gegen Stalking tun?

Direkt unterbinden

Bei Stalking gilt: nicht zögern! Auch (bzw. erst recht) nicht bei Personen, die man persönlich kennt. Es sollten so früh wie möglich klare Grenzen gezogen und eindeutig kommuniziert werden, dass Kontakt nicht erwünscht ist. Klärende Gespräche könnten den Stalkenden indes neue Hoffnungen machen – also sollten Sie sich gar nicht erst darauf einlassen.
 
Informieren Sie in akuten Bedrohungssituationen auf jeden Fall die Polizei mit dem Notruf 110!
Und auch, wenn es schwerfällt: Sie sollten die Geschehnisse dokumentieren, um sie im Falle einer Anzeige darlegen zu können. Dafür ist ein Stalking-Tagebuch hilfreich – oder Sie nutzen die extra vom Verein WEISSER RING entwickelte NO STALK App.

Unerwünschte Kontakte blockieren

Werden Sie im Internet belästigt, können Sie die Täter/-innen auf den meisten Webseiten blockieren, z. B. bei Social Media. Sinnvoll wäre es zudem, Ihren Account auf privat zu stellen, damit dieser nicht öffentlich zugänglich ist.

Beim Stalking via E-Mail können Sie sich in Ihrem WEB.DE Postfach wehren: Sie haben die Möglichkeit, in den Einstellungen beim Menüpunkt "Sicherheit" gezielt Absenderadressen in einer Sperrliste zu blockieren.

Auf Endgeräten können zudem technische Schutzmaßnahmen wie Anti-Spysoftware installiert werden – oder, um auf Nummer sicher zu gehen: Die Geräte können komplett auf ihre Werkseinstellungen zurückgesetzt werden, um Stalkware zu entfernen.

Präventive Maßnahmen gegen Stalking

Um im Internet Ihre Privatsphäre zu schützen, sollten Sie dringend Vorsicht walten lassen – besonders bei der Herausgabe Ihrer Daten. So verhindern Sie auch, dass jemand bereits über "bloße Recherche" viele Informationen über Sie erlangen kann, auch im analogen Alltag:
 
  • Entsorgen Sie Pakete so, dass Ihre Anschrift nicht entzifferbar ist und Briefe – besonders mit sensiblen Inhalten – am besten geschreddert oder zerrissen.
  • Meiden Sie die Nutzung von öffentlichem WLAN: Dadurch bieten Sie Stalkern nämlich eine besonders gute Gelegenheit, diverse Hacking-Methoden bei Ihnen anzuwenden.
  • Nutzen Sie starke Passwörter, um Ihre Accounts vor unbefugtem Zugriff zu schützen! Wir zeigen Ihnen, wie Sie solche erstellen.
  • Gehen Sie sparsam mit Ihren persönlichen Daten um: Stellen Sie z. B. ein, dass Ihre Social-Media-Profile privat – und damit nicht für jedermann frei zugänglich sind. Nehmen Sie auch keine unbekannten Freundschaftsanfragen an.

Hilfsangebote

Sind Sie selbst betroffen von Stalking? Hier finden Sie eine Liste weiterer Informations- und Hilfsangebote:
 
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