Bei zahlreichen BMW Baureihen aus dem Produktionszeitraum seit Juni 2022 sind möglicherweise Komponenten verbaut, die zu einem Ausfall des Antiblockiersystems (ABS) und der dynamischen Stabilitätskontrolle (DSC) führen können. Sie müssen ausgetauscht werden, BMW führt dazu eine Rückrufaktion durch. Die Abarbeitung verzögert sich. Die Rückruf-Aktion läuft bei BMW unter dem Code 0034670200.

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Was ist das exakte Problem?

Auf unsere Nachfrage beschreibt BMW den möglichen Mangel folgendermaßen: "Eine interne Qualitätsprüfung ergab, dass es bei manchen Fahrzeugen zu Signalstörungen in der Elektronik des Bremssystems kommen könnte. Dadurch kann sich in sehr seltenen Fällen die erforderliche Betätigungskraft der Bremse erhöhen. Darüber hinaus stehen weitere Bremsregelfunktionen, wie z.B. ABS (Anti Blockier System) und DSC (Dynamische Stabilitätskontrolle) nicht zur Verfügung."

Was ist das Integrierte Bremssystem?

Verantwortlich für diese mögliche Störung ist das Integrierte Bremssystem. Hierbei handelt es sich um ein Bauteil, das in modernen Fahrzeugen die Bremsregelung und -betätigung in einer Komponente integriert. In älteren Autos separat verbaute Teile der Bremsanlage wie ein Unterdruck-Bremskraftverstärker werden damit überflüssig.

Außerdem sorgt das Integrierte Bremssystem mit seiner Bremsdruckregelung über einen elektrischen Aktuator unter anderem für schnelleren Bremsdruckaufbau und eine Entkoppelung des Bremspedalgefühls von störenden Impulsen etwa bei aktiver Rekuperation oder hohen Bremsentemperaturen. Es steuert gleichzeitig Bremsassistenzsysteme wie ABS oder Stabilitätskontrolle.

Trennung von Continental

Bei dem in den betroffenen Fahrzeugen verbauten Integrierten Bremssystem handelt es sich um eine Zulieferer-Komponente. Nach einem Bericht des "Manager Magazin" vom 21. März 2024 soll es sich um das MK-C2-System von Continental handeln. Wegen des potentiellen Fehlers in weltweit rund 370.000 ausgelieferten Fahrzeugen solle BMW den Zulieferer Continental aktuell von allen neuen Aufträgen ausgeschlossen haben.

Welche Baureihen sind betroffen?

Potenziell von einem möglichen Fehler betroffen sind laut BMW die folgenden zehn Baureihen sowie ein Rolls-Royce Modell aus dem Bauzeitraum Juni 2022 bis Januar 2024.

Zusätzlich betroffen sind außerdem die ausschließlich für den chinesischen Markt gefertigten Baureihen BMW X1 China only (U12) und BMW X5 LCI China only (G18).

Für Deutschland beziffert BMW die Zahl der betroffenen Modelle auf insgesamt 46.946 Fahrzeuge. Davon wurden Stand 6. März 2024 bislang 784 Fahrzeuge abgearbeitet.

Wie ist der weitere Ablauf?

BMW schreibt betroffene Kunden "so rasch wie möglich" an. Bis dahin können Sie auf der Service-Seite von BMW unter Angabe der Fahrzeug-Identnummer überprüfen, ob Ihr Auto betroffen ist. Für die Reparatur (Austausch des Integrierten Bremssystems) sind in der Werkstatt rund 3,5 Stunden nötig. Die Abarbeitung des Rückrufs kann sich allerdings in die Länge ziehen, weil aktuell nicht genügend Austauschteile zur Verfügung stehen. Die Wartezeit bezifferte ein BMW-Händler auf Nachfrage mit "bis zu mehreren Monaten".

Mein Auto ist betroffen, muss ich es stehen lassen?

Nein. BMW gibt an, dass bei Auftreten der Signalstörung am Integrierten Bremssystem das "Aufleuchten der Bremswarnlampen im Cockpit und die Anzeige einer Check-Control Meldung auf dem zentralen Bildschirm informiert". Das bedeutet im Umkehrschluss: Wenn diese Systemwarnungen nicht auftreten, ist die Regelung von ABS und DSC voll funktionsfähig. Sollten diese Meldungen erscheinen, muss das Auto aber sofort zur Werkstatt gebracht werden. Selbst beim Auftreten des Defekts bleibt die eigentliche Bremsanlage aber voll funktionsfähig, das Fahrzeug ist weiterhin beherrschbar und es kann gebremst werden.

Kam es bereits zu Unfällen?

BMW sind laut Aussage eines Unternehmenssprechers im Zusammenhang mit diesem Problem keine Unfälle oder Verletzte bekannt. Beim Kraftfahrt-Bundesamt wird die Rückrufaktion derzeit nicht gelistet.

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Betrifft der Rückruf auch Neuwagen?

Offensichtlich ja, weshalb sich Auslieferungen bestellter Fahrzeuge der betroffenen Baureihen verzögern können. BMW antwortete uns hierzu: "Unser Anspruch ist es, dem Kunden ein fehlerfreies Produkt zu übergeben. Daher ist bei noch nicht ausgelieferten Fahrzeugen die Durchführung der Maßnahme vor Übergabe an den Kunden erforderlich. Leider steht derzeit keine ausreichende Anzahl an Ersatzteilen zur Verfügung. Die BMW Group arbeitet mit Hochdruck an der Bereitstellung der Teile."  © auto motor und sport

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