An den Zapfsäulen der großen Mineralölkonzerne Schell und Aral finden Autofahrer neben den Standardkraftstoffen auch zwei Premium-Spritmarken. Shell V-Power und Aral Ultimate versprechen mehr Leistung bei weniger Verbrauch, sind dafür aber auch deutlich teuer. Aber halten die Kraftstoffe auch ihr Versprechen?

Shell V-Power und Aral Ultimate gibt es inzwischen beide seit über zehn Jahren an den deutschen Tankstellen. Ihre Hersteller werben unter anderem mit einer verbesserten Motorleistung und höherem Drehmoment bei geringerem Spritverbrauch und weniger Emissionsausstoß. Darüber hinaus sollen die Edelspritsorten auch noch den Motor schonen. Aber lohnt es sich wirklich, die im Vergleich zu den herkömmlichen Kraftstoffen bis zu 20 Cent teureren Sprit-Premiummarken zu tanken?

Was unterscheidet den Edelsprit von normalen Kraftstoffen?

Der wesentliche Unterschied in der Kraftstoffzusammensetzung besteht beim Benzin in einer höheren Oktanzahl. Während die herkömmlichen Kraftstoffe Super und Super Plus jeweils mehr als 95 beziehungsweise 98 Oktan bieten, locken Shell V-Power und Aral Ultimate mit Oktanzahlen über 100. Mit der Oktanzahl wird die Kraftstoff-Klopffestigkeit angegeben – je höher die Zahl, desto geringer ist das Risiko von ungewollten Selbstentzündungen des Kraftstoffes.

Der Haken: Die meisten Motoren sind nur auf 95 Oktan ausgelegt und können den "höherwertigen" Sprit nicht entsprechend verarbeiten – die Mehrleistung verpufft also. Lediglich Fahrer von teuren und leistungsstarken Fahrzeugen könnten hier von einer höheren Oktanzahl profitieren.

Schell V-Power und Aral Ultimate gibt es auch für Diesel-Motoren. Die Diesel-Kraftstoffe unterscheiden sich durch besondere Zusätze, die wie beim Benzin für verbesserte Motorleistung bei weniger Verbrauch sorgen sollen.

Was bedeutet das für die Fahrzeugleistung?

Der ADAC beschäftigt sich seit der Markteinführung mit den Premium-Spritmarken und hat die Kraftstoffe auf ihre Leistungsentfaltung getestet. Bei normalen Motoren ergaben die Tests ein Leistungsplus von kaum zwei Prozent in Bezug auf die Motorleistung. Auch beim Test mit Sportwagen war lediglich auf dem Papier eine leichte Verbesserung der Leistungsdaten zu erkennen. Im alltäglichen Gebrauch sind die Vorteile der Premium-Spritmarken aber kaum spürbar. Die Hersteller selbst versprechen dagegen ein Leistungsplus von bis zu zehn Prozent.

Die Tests der Edel-Diesel-Varianten schlossen mit Verbesserungen zwischen ein und fünf Prozent zwar besser ab. Aber selbst hier sind die ADAC-Experten der Meinung, dass auch diese vor allem sehr schwankende Mehrleistung in keinem Verhältnis zum Preisaufschlag steht.

Preis-Leistungs-Verhältnis der Premium-Spritmarken

ADAC- und Kraftstoffexperten sind sich einig, dass die geringe Mehrleistung in keinem Verhältnis zu den Mehrkosten für die Edelspritsorten steht. Dafür sei der positive Einfluss auf die Motorenleistung, den Verbrauch und den Schadstoffausstoß viel zu gering. Zwar entwickeln die Hersteller Shell und Aral ihre Edel-Kraftstoffe stetig weiter, das Gleiche gilt aber auch für die altbewährten Spritsorten wie Super und Super Plus oder den Diesel-Kraftstoff.  © 1&1 Mail & Media / CF