Nun also doch: Huawei geht unter die Autohersteller. Bisher waren die Aktivitäten des Tech-Giganten in der Autobranche undurchsichtig – zumindest aus der Ferne betrachtet. Mal sagte Manager Yu Chengdong, der sich international Richard Yu nennt und für das Autogeschäft innerhalb des Konzerns zuständig ist, man wolle kein eigenständiger Hersteller sein, sondern Zulieferer bleiben. Dann drängten Nachrichten aus China herüber, die auf das Gegenteil schließen ließen – zum Beispiel rund um die Marke Seres. Die wird aber weiterhin von einem Zusammenschluss von Dongfeng und Sokon Motors, kurz DFSK, verantwortet. Huawei liefert lediglich die Technik für das Infotainment-System – unter anderem beim Seres 5, den wir Ihnen im Video genauer vorstellen.

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Video: So fährt der chinesische E-SUV Seres 5

Nun scheint Huawei wieder einen Schritt in Richtung Autohersteller zu gehen. Wie Yu Chengdong alias Richard Yu im August auf seiner Weibo-Seite bekannt gab, debütiert in Kürze eine Luxus-Elektro-Limousine, die er als "neue Kategorie von Smart-Cars" betitelt. Zu seinem Post stellte er ein Bild des Autos, das Erinnerungen an Konkurrenzprodukte weckt. Zudem tauchten auf der Website des chinesischen Patentamts "Ministry of Industry and Information Technology" (MIIT) Informationen samt technischer Details über das Auto auf. Und dessen Name sowie die Dimensionen: Demnach heißt der etwa 5,00 Meter lange, 1,96 Meter breite, 1,47 Meter hohe und mit einem Radstand von 2,97 Meter gesegnete Model-S- und EQS-Konkurrent Luxeed S7. Intern firmierte er bisher unter dem Werks-Code EH3.

Bekannter Design-Mix

Frontseitig lässt sich eine Prise Porsche Taycan erkennen, was wohl in erster Linie am Design der niedrigen Scheinwerfer und der an dessen äußeren Rändern scharf nach unten gezogenen Linien liegt, die zusammen mit der Schürze einen vertikalen Lufteinlass formen. Die sanft gerundete Dachlinie mit Panoramascheibe könnte direkt vom Mercedes EQS stammen. Oberhalb der Windschutzscheibe sitzt – à la Nio oder Volvo EX90 – ein Kasten, der den Lidar-Teil der nötigen Hardware für die Assistenzsysteme aufnimmt. Auch die bündig versenkten Türgriffe, das Felgen-Design oder die Linienführung der Heckleuchten haben wir so ähnlich schon bei anderen Autos gesehen.

Der rein elektrisch angetriebene Luxeed S7 entstammt einem Joint Venture, das Huawei mit dem chinesischen Autohersteller Chery vereint. Letzterer soll Eigentümer des Markenzeichens, Namens sowie Logos sein, seine E0X-Plattform zur Verfügung stellen und den Luxeed S7 bauen. Huawei steuert die E-Motoren und alles Digitale bei. Es ist nicht die erste derartige Kooperation, die der Tech-Konzern eingeht. Zusammen mit BAIC hatte Huawei im Frühjahr 2021 bereits die elektrische Mittelklasse-Limousine Arcfox Alpha-S, oder kurz αS, präsentiert. Kurz darauf hieß es, das Unternehmen sei darüber hinaus Kooperationen mit Chongqing Changan und der Guangzhou Automobile Group eingegangen.

Erstes Auto mit CATL-M3P-Batterie

Der je nach Antriebs- und Batteriespezifikation 2,0 bis 2,2 Tonnen schwere Luxeed S7 verfügt über eine Luftfederung, rollt auf 19 bis 21 Zoll großen Rädern und verzögert optional mit Brembo-Bremsen. Das Einstiegsmodell soll über einen an der Hinterachse positionierten und 215 kW (292 PS) starken E-Motor verfügen, der seine Energie aus einer Lithium-Eisenphosphat-Batterie (LFP) des Spezialisten CATL zieht. Darüber rangiert eine zweimotorige – also allradgetriebene – und 365 kW (496 PS) starke Variante. Die Höchstgeschwindigkeit soll in beiden Fällen bei 210 km/h liegen.

Als zweite Akku-Option steht die M3P-Batterie aus dem Hause CATL zur Wahl, eine Weiterentwicklung des LFP-Energiespeichers. Hier wird ein Teil des Eisens an der Kathode durch andere Metalle wie Magnesium, Zink oder Aluminium ersetzt. Obendrein handelt es sich um eine Hybrid-Batterie, deren äußere Zellen eine klassische Nickel-Mangan-Cobalt-Chemie (NMC) aufweisen und nur innen LFP-Zellen verwendet. Das soll nicht nur die Kälteresistenz, sondern auch die Energiedichte um zehn bis 20 Prozent verbessern und so die Reichweite optimieren. Als Letztere stellen chinesische Medienberichte etwa 700 Kilometer in den Raum.

Autonom durch 45 chinesische Städte

Für alles Unterhaltsame, Informative und Digitale ist im Luxeed S7 Spezialist Huawei verantwortlich. Im Interieur buhlen mehrere Bildschirme um Aufmerksamkeit. Als erstes Auto überhaupt erhält der S7 Huaweis neues Betriebssystem Harmony-OS 4.0, das ein besonders intelligenter Sprachassistent und eine Nahbereichs-Kommunikations-Technik, die deutlich schneller als Bluetooth funktioniert, auszeichnen soll. Auch das Fahrassistenzpaket stammt von Huawei. Es vertraut hardwareseitig auf Lidar im Fern- und Radar im Nahbereich sowie rund um das Auto installierte Kameras. In 45 chinesischen Städten soll der Luxeed S7 bereits weitgehend autonom fahren können.

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Wie Richard Yu in Aussicht stellte, wollen Huawei und Chery den Luxeed S7 am 17. November 2023 im Rahmen der Guangzhou Automobile Exhibition enthüllen. Chinesischen Medienberichten zufolge soll das Modell bereits ab Oktober bestellbar sein und noch vor Jahresende an die ersten Kundinnen und Kunden in China ausgeliefert werden.  © auto motor und sport

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