Als klar wurde, dass Mercedes seine Kooperation mit Renault fortführt und den Kangoo nicht nur als Nutzfahrzeug namens Citan adaptiert, sondern auch als Hochdachkombi bringt, fragten viele Beobachter: "Wozu brauchen die das denn? Wollte sich Mercedes nicht eher hochwertiger als bisher positionieren?" Allmählich zeigt sich: Als sie sich in Stuttgart die T-Klasse ausgedacht haben, hatten sie mehr im Sinn, als nur einen betont praktischen Pkw auf den Markt zu bringen. Die Baureihe soll nämlich parallel den weiterhin boomenden Campingmobilmarkt aufmischen. "Die neue T‑Klasse mit Marco-Polo-Modul ist unsere Antwort auf die steigende Nachfrage nach Micro‑Campern, die vor allem in der jungen, stark wachsenden Vanlife-Fangemeinde immer beliebter werden", sagt Klaus Rehkugler, Leiter Vertrieb und Marketing Mercedes‑Benz Vans.

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Video: Vorfahrt: Mercedes T-Klasse

Das erste Angebot auf T-Klasse-Basis zeigte Mercedes auf dem Caravan Salon in Düsseldorf im September 2022. Der Hersteller nutzt dafür seine Submarke Marco Polo, die bereits als Campingbus-Variante der V-Klasse ein Begriff ist. Während der "große" Marco Polo jedoch in Zusammenarbeit mit Westfalia entsteht, liefert Brabus Automotive das Camping-Zubehör für die T-Klasse zu. Was wiederum zeigt, dass sich das Unternehmen aus Bottrop längst über einen reinen Tuner und Veredler hinausentwickelt hat.

2,00 mal 1,15 Meter große Liegefläche

Das Modul findet im Kofferraum Platz und bietet serienmäßig eine Betteinheit. Das Gestell wird nach Umklappen der Rücksitze nach vorne ausgezogen, bevor die Matratze auseinandergefaltet wird. Es entsteht eine 2,00 mal 1,15 Meter große Liegefläche, die Platz für zwei Personen bieten soll. Damit die Konstruktion auch bequem ist, ist die Matratze zehn Zentimeter dick und verfügt das Bettsystem über Tellerfedern. Zum Options-Umfang gehören ferner Verdunklungselemente für alle Fenster, ein Belüftungsgitter mit Insektenschutz, das zwischen Scheiben und Rahmen geklemmt wird, sowie zwei Taschen, die von innen in die hinteren Seitenscheiben geklemmt werden können und Krimskrams beherbergen.

Gegen Aufpreis beherbergt das Marco-Polo-Modul zudem eine Kücheneinheit. Sie enthält ein Schubladensystem mit Push-to-Open- und Soft-Close-Funktion, das Platz für Besteck, Geschirr und Lebensmittelvorräte bietet. Hinzu kommen eine Spüle mit Zwölf-Liter-Frischwassertank, eine 15-Liter-Kühlbox und ein entnehmbarer Gaskartuschenkocher. In einem Zusatz-Paket sind obendrein zwei Camping-Stühle und ein Tisch mit zwei unterschiedlichen Fußvarianten enthalten. So lässt er sich wahlweise im Freien oder im Fond der T-Klasse aufstellen. Sind die vorderen Sitze samt Lehne nach vorne geschoben, kann der Tisch an der Mittelkonsole verankert werden; so bietet sich eine Essmöglichkeit auch für den Fall, dass das Wetter mal nicht passt.

Entnehmbares Camping-Modul

Während der Fahrt lassen sich alle Bettteile und Küchenkomponenten kompakt im Kofferraum verstauen, wodurch die Rücksitze uneingeschränkt nutzbar sind. Das Modul selbst soll sich von zwei Personen mit wenigen Handgriffen einsetzen und wieder entnehmen lassen. Gesichert wird es an den Verzurrösen im Kofferraum. Werden Bett und Küche nicht genutzt, präsentiert das Modul ein klassisch-cleanes Design in Anthrazit sowie den Mercedes-Stern samt Schriftzug. Auch Brabus Automotive ist mit einem Emblem verewigt.

Camper-Komplett-Ausstattung kostet über 9.000 Euro

Mercedes wird das Marco-Polo-Modul als Zubehör für alle Motorvarianten der T-Klasse anbieten. Für die Verbrennermodelle kann das Marco-Polo-Modul seit Anfang November bestellt werden. Der Aufpreis liegt bei 4.173 Euro. Das Zusatzpaket bestehend aus einem Tisch und zwei Stühlen kostet weitere 650 Euro. Wird die Kücheneinheit für das Marco-Polo-Modul hinzugebucht, dann werden weitere 2.760 Euro fällig. Jeweils 400 Euro kosten die Kompressor-Kühlbox und die Zusatzbatterie. Für das Schlaf-Paket werden weitere 770 Euro fällig. Wer seine T-Klasse also komplett auf Camper einstellen möchte, wird mit über 9.100 Euro zur Kasse gebeten. Die Modul-Preise für die EQT-Version wurden noch nicht genannt.

Den Hochdachkombi gibt es aktuell mit einem Otto- und Dieselmotor in jeweils zwei Leistungsstufen: Der 1,3-Liter-Turbobenziner leistet entweder 102 (T 160) oder 131 PS (T180), der Selbstzünder mit 1,5 Litern Hubraum bringt es auf 95 (T 160 d) oder 116 PS (T 180 d). Zusätzlich hat Mercedes als rein elektrisch angetriebenen EQT im Angebot.

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Apropos: Das Camping-Modul ist nur ein erster Schritt, mit dem Mercedes die T-Klasse zum Micro-Camper weiterentwickelt. Eine vollständig integrierte Lösung bringen die Schwaben in der zweiten Jahreshälfte 2023 mit dem EQT Marco Polo © auto motor und sport

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