"Tod durch Pokémon Go: Mehr Verkehrstote und bis zu 7,3 Milliarden Dollar Schäden in den USA" lautet der Titel einer aktuellen Studie aus den USA. Darin wird ermittelt, dass das beliebte Smartphone-Spiel tatsächlich für mehr Verkehrsunfälle und sogar Tote verantwortlich ist.

Sie bleiben auf der Straße stehen, stürmen in Kirchen, spielen während des Autofahrens oder begeben sich in gefährliches Terrain in den Rocky Mountains: "Pokémon Go"-Spieler haben in jüngerer Vergangenheit nicht nur in den USA für jede Menge Gesprächsstoff gesorgt. Der große Hype des Games scheint zwar längst vorüber. Doch das Smartphone-Spiel scheint Forscher der Purdue University im US-Bundesstaat Indiana nicht ruhen zu lassen: Sie haben rund 12.300 Unfallberichte in Indiana vor und nach der Veröffentlichung des Spiels untersucht und präsentieren jetzt beunruhigende Ergebnisse.

"Pokémon Go": Allein 134 Unfälle im US-Bundesstaat Indiana

Denn das Ergebnis zeigt eine eindeutige Tendenz: In den 148 Tagen nach der Einführung von "Pokémon Go" soll es in besagtem Bundesstaat 134 zusätzliche Unfälle nahe den sogenannten "Pokéstops" – Orte, an denen die digitalen Tierchen zu finden sind – gegeben haben. 31 Verletzte Personen und sogar zwei Todesfälle bringen die Forscher direkt mit dem Spiel in Verbindung. Darüber hinaus auch einen nicht unerheblichen Sachschaden von etwa 500.000 US-Dollar. So gefährlich hätte das Spiel wahrscheinlich niemand eingeschätzt.

Noch beunruhigender werden die Zahlen, wenn die Statistiker sie auf die gesamte USA hochrechnen: Demnach könnte "Pokémon Go" gut 145.000 zusätzliche Verkehrsunfälle, 29.000 Verletzungen, 250 Tode und einen immensen Sachschaden von 7,3 Milliarden US-Dollar verursacht haben – schier unglaubliche Zahlen. Allerdings ist das Zahlenwerk mit Vorsicht zu genießen. Die Zahlen der Studie seien "spekulativ", das geben die Forscher sogar selbst zu.

Kritiker nehmen die Untersuchung auseinander

Und an kritischen Stimmen zu der "Pokémon Go"-Studie mangelt es auch nicht. So werden nicht nur Unfälle zusammengepackt mit vielen Nicht-Unfällen, für die der Einfluss des Pokémon-Spielens irrelevant ist. Auch Baustellen, Städtebau oder das Wetter an den Unfallorten werden in der Untersuchung nicht berücksichtigt, geschweige denn die Jahreszeiten oder Schulferien. Schließlich berechneten die Forscher den Sachschaden in Milliarden-Höhe für die USA anhand des Durchschnittseinkommens und der Lebenserwartung von Indiana. Beide Werte unterscheiden sich in den US-Bundesstaaten aber teilweise enorm. Hätten sie die Zahlen also in einem anderen Bundesstaat erhoben, wäre das Ergebnis womöglich ganz anders ausgefallen.  © 1&1 Mail & Media / CF