Lukasz Krupski hat bei Tesla im norwegischen Drammen einen Brand gelöscht und sich dabei an den Händen verletzt. Elon Musk hat dem ursprünglich aus Polen stammenden Mann dafür persönlich per E-Mail gedankt – und nach weiteren Verbesserungsmöglichkeiten gefragt. Krupski meldete seinem obersten Chef viele Missstände. Dann machte ihm Tesla Probleme – und er begann mit internen Recherchen. Er fand jede Menge privater Daten von Tesla-Mitarbeitern und internen Vorgängen – und machte die öffentlich. Jetzt ist er seinen Job los und bekriegt sich mit Tesla juristisch. Das Handelsblatt hat seine Geschichte zuerst veröffentlicht. Inzwischen gibt Krupski Informationen an Medien weltweit. Was er über die Arbeitssicherheit bei Tesla erzählt, erschreckt.

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Krupski betont im Handelsblatt-Interview, wie gefährlich die Arbeit für Tesla gewesen sei. Die Mitarbeiter seien oft nicht richtig angelernt, es fehle an dem passenden Werkzeug und es finde keine Wartung der Hebebühnen statt. Krupski war als Service-Techniker zu Tesla nach Norwegen gekommen – sein Job war das Untersuchen der per Schiff angelieferten Fahrzeuge, bevor diese zum Kunden gingen.

Gelobt – gehasst

An einem Werkstatttag ging gegen Mittag ein an einem Model 3 hängendes Ladegerät in Flammen auf – dieses Ladegerät hatte ein anderer Mitarbeiter unsachgemäß modifiziert. Krupski riss das Gerät weg und zog mit seinen bloßen Händen Kabel und Komponenten heraus, die brannten und schmolzen. Die Flammen erstickte er mit Lumpen und Handtüchern. Ärzte behandelten anschließend Krupskis schwere Verbrennungen an den Händen im Krankenhaus.

Nachdem Krupski den Brand in der Prüfwerkstatt gelöscht hatte, meldete sich Tesla-Chef Elon Musk persönlich bei ihm: "Herzlichen Glückwunsch zur Rettung des Tages!" Krupski antwortete, dass es noch viele Dinge zu verbessern gäbe. Musk wollte wissen, was alles. Krupski schrieb von fehlenden Sicherheitsrichtlinien, fehlenden Feuerlöschern und fehlenden Schulungen der Mitarbeiter. Danach verschlechterte sich seine Situation bei Tesla rapide – nach eigenen Angaben wurde er bedrängt, bedroht und von Vorgesetzten gemobbt. Ein Kollege habe gedroht, ihm mit einem Schraubenzieher in den Rücken zu stechen. Musks letzte E-Mail an ihn klingt nach einer automatisierten Antwort: "Ich kann keine E-Mails lesen, es sei denn, sie sind für Tesla von entscheidender Bedeutung."

Daten öffentlich gemacht

Jetzt ist Krupski nicht nur an die Öffentlichkeit gegangen, er hat auch jede Menge Daten an Untersuchungsbehörden wie der US-Verkehrssicherheits-Behörde NHTSA (National Highway Traffic Safety Administration) weitergegeben. Die NHTSA untersucht seit vielen Jahren schwere Unfälle, in denen Teslas Autopilot-Software für teilautonomes Fahren verwickelt ist. Aktuell lehnt die Behörde jeden Kommentar dazu ab, ob die mit Krupski in Kontakt sei.

Auch die Privatadressen, Telefon- und Passnummern, Gehälter, medizinischen Informationen sowie, wenn vorhanden, Kündigungsgründe von mehr als 100.000 Tesla-Mitarbeitern hat Krupski im internen Tesla-Netz gefunden. Im Handelsblatt-Interview erklärt er, dass er dafür keine Passwörter oder Dateien hacken musste: Er konnte sich einfach die Anhänge verschiedener Tickets anschauen. In der New York Times bekräftigt er, dass er im Intranet nur die richtigen Suchbegriffe eingegeben habe. Dabei sei er als Service-Techniker in der Unternehmens-Hierarchie ganz unten gewesen. Intern hatte Krupski die Datenschutzprobleme gemeldet – anscheinend ohne Erfolg.

Fahrzeuge mit schlechter Qualität

Über die Qualität der in Norwegen angelieferten Tesla Model 3 konnte der Pole nur den Kopf schütteln. Fast jedes Fahrzeug, dass er inspiziert habe, hatte Wasser im Kofferraum. Die Autos kamen oft beschädigt und unvollständig von den Schiffen. Krupski Aufgabe waren das Anpassen von Verkleidungen, Scharnieren und Schlössern sowie die Behebung von Mängeln in der Elektrik. Außerdem brauchte jedes Auto eine Lackpolitur. Dabei betont Krupski, dass er ein großer Tesla-Fan war und es ihm fern liegt, den Elektroautobauer schlechtzureden. Aber von innen sähe der Konzern deutlich anders aus als von außen.

Selbst einen Tesla fahren möchte Krupski nicht – nach seiner Ansicht ist der Autopilot eine Art Massenexperiment im öffentlichen Straßenverkehr. Daran möchte er nicht teilnehmen. Krupski glaubt nicht, dass sich Musk für die Sicherheit seiner Kunden interessiert. Kunden sind aus Krupskis Sicht keine Testpiloten – ihnen fehle dazu die Ausbildung. Elon Musk unterstellt Krupski ein seltsames Verhältnis zur Realität – der Tesla-Chef scheine zu glauben, dass er etwas nur oft genug wiederholen müsse, damit es wahr werde. Musks Aussagen zum autonomen Fahren seien eine grobe Irreführung von Investoren und Aktienmärkten. Technische Probleme ließen sich nicht durch Lügen lösen.

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Streit vor Gericht

Tesla hat Krupski wegen Datendiebstahl verklagt, Krupski selbst möchte Tesla auf Schadensersatz verklagen. Bisher geben Tesla-Verantwortliche an, dass sie keine missbräuchliche Verwendung der von Krupski veröffentlichten Daten entdeckt haben. Lukasz Krupski hat seit seiner Zeit bei Tesla unter Depressionen, Angstzuständen und Schlaflosigkeit gelitten – aktuell ist er arbeitslos. Ihm helfe es sehr, dass er jetzt aus der Anonymität heraustreten konnte, freut er sich gegenüber dem Handelsblatt. Seine Klage gegen Tesla strengt er mithilfe norwegischer Anwälte in Norwegen an.  © auto motor und sport

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