Jeder Mensch altert, aber alle tun es auf unterschiedliche Art und Weise. Bestimmt wird die Art und Weise zu einem gewissen Anteil von den Genen, den Rest können wir aber durch unseren Lebensstil beeinflussen - was wiederum Auswirkungen auf die Gene haben kann.

Wahrscheinlich kennt jeder in seinem Bekannten- oder Freundeskreis Achtzigjährige, die wie Sechzigjährige wirken und Fünfzigjährige, die wie Siebzigjährige wirken. Menschen, die in hohem Alter noch ein Instrument, eine neue Sprache lernen und Freunde haben - und solche, die das alles nicht haben oder können, weil sie vielleicht zu krank sind, keine Familie oder anderen sozialen Kontakte haben oder sich einfach nicht mehr zutrauen, etwas Neues zu lernen oder jemanden Neues kennenzulernen.

Man spricht dann gerne davon, dass der- oder diejenige "abbaut" - was aber außer Acht lässt, dass tatsächlich jeder Mensch "abbaut" und zwar quasi von Geburt an.

"Damit ist gemeint, dass die Fähigkeit des Körpers zu regenerieren, mit zunehmendem Alter nachlässt", erklärt Professor Peter Herrlich, ehemaliger Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Alternsforschung in Jena, im Gespräch mit unserer Redaktion.

Um gut zu funktionieren, müssen vor allem die Organe regenerieren. Denn sie werden unter anderem durch Umwelteinflüsse und den Lebensstil in Mitleidenschaft gezogen. Sie wiederherzustellen ist Aufgabe der Stammzellen, und die werden im Alter immer weniger.

Fitness im Alter nur zu einem Viertel von Genen bestimmt

Doch ist diese Fähigkeit zur Regeneration in der Erbanlage festgeschrieben?

Ja und nein, sagt der Molekularbiologe und Tumorforscher Herrlich. "Tatsächlich wird die Fähigkeit, ein hohes Alter zu erreichen, zu etwa 25 Prozent von den Genen bestimmt."

Enge soziale Kontakte können positiven Einfluss auf die Gesundheit haben.

Nun seien viele Gene zwar unveränderlich. Veränderungen an der Art und Weise, wie sie ihre Hauptaufgabe - nämlich das Bilden von Proteinen - erledigen, sind aber möglich. Und das könne wiederum Auswirkungen auf die Regeneration der Blutzellen, also auch auf das Altern, haben.

Hier kommen die Lebensumstände und das eigene Verhalten ins Spiel. Gesunde Ernährung ist ein Stichwort. Das soziale Umfeld ein anderes.

So gibt es mittlerweile eine Fülle an Studien, die sich mit dem Zusammenhang von Einsamkeit und Altern befasst haben. Eine der am meisten zitierten Untersuchungen zu dem Thema kam zu dem Ergebnis, dass Vereinsamung die Sterblichkeit erhöht - und zwar in einen Maße, das vergleichbar ist mit anderen gesundheitlichen Risikofaktoren wie Rauchen oder starkem Übergewicht.

Weitere Studien legen Zusammenhänge mit Einsamkeit und speziellen Krankheiten nahe, etwa Bluthochdruck, Brustkrebs und Alzheimer.

Aufwändige Behandlungen und leidvolle Krankheitsverläufe lassen sich also womöglich durch menschlichen Austausch vermeiden.

Pflegeeinrichtungen, Krankenkassen und Angehörige sollten also sinnvollerweise einen Schwerpunkt darauf legen, alte Menschen dazu zu animieren, sich mit anderen zu treffen und ihnen sozialen Austausch zu ermöglichen.

Kreuzworträtsel helfen wohl nur kurzfristig

Tatsächlich gibt es mittlerweile einige Organisationen und Vereine, die sich darum bemühen, einsame ältere Menschen aufzufangen, etwa die "Freunde alter Menschen" oder die Besuchsdienste in Alten- und Pflegeheimen. Auch Freizeitangebote wie Seniorentreffs und Hobby-Gruppen für Ältere nehmen zu.

Dass Krankheiten wie Alzheimer und Demenz damit der Vergangenheit angehören werden, ist natürlich nicht zu erwarten. Aber auch die Alzheimer Forschung Initiative (AFI), die es sich zum Ziel gesetzt hat, über die Krankheit aufzuklären, zählt soziale Kontakte zu einer der "vier Säulen" zur Alzheimer-Vorbeugung.

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Die anderen sind gesunde Ernährung, Sport und geistige Aktivität. Doch welcher Art sollte diese geistige Aktivität sein?

Dass Kreuzworträtsel und Sudoku den Geist ausreichend aktivieren, bejahen manche Studien, andere verneinen es. Erst kürzlich veröffentlichten Wissenschaftler der University of Exeter eine Untersuchung, wonach es einen Zusammenhang geben soll zwischen dem häufigen Lösen von Kreuzworträtseln und einer größeren geistigen Fitness im Alter.

Allerdings, betonten die Forscher, sei es bislang unklar, was Ursache und was Wirkung ist: ob nun geistig fittere Menschen häufiger Kreuzworträtsel lösten oder Kreuzworträtsellösen die Menschen geistig fitter machte.

Valentina Tesky, Spezialistin für die Psychologie des Alterns an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, sagte der AFI: "Das Gedächtnistraining, bei dem Rätsel oder verschiedene Aufgaben gelöst werden, spielt als Präventionsmaßnahme eine Rolle."

Allerdings seien die positiven Effekte zeitlich begrenzt und es fehlten Belege, dass sich das Lösen dieser Rätsel langfristig auch dabei hilft, andere Aufgaben bewältigen zu können. Besser seien: Schach spielen, Musizieren, Lesen, Malen oder auch Museen besuchen.

Lernfähigkeit nimmt auch in hohem Alter nicht ab

Für alle, die noch kein Instrument oder nicht Schach spielen können, hat die Wissenschaft die Botschaft: Es ist nicht zu spät. "Noch bis vor 15 Jahren hat man gedacht, dass Gehirnzellen sich zu Beginn des Lebens entwickeln und mit höherem Alter immer weniger werden und dass das Gehirn nicht in der Lage ist, neue Gehirnzellen zu bilden", so der Neurowissenschaftler Christian Büchel in einem Interview.

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Mittlerweile sei in Studien aber gezeigt worden, dass sich in gewissen Hirnarealen durchaus neue Gehirnzellen aus dort vorhandenen Stammzellen bilden. "Und es zeigte sich auch, dass sich umso mehr Gehirnzellen neu bilden, je mehr Eindrücke das Gehirn verarbeiten muss."

Neue Eindrücke, Freund- und Bekanntschaften, Musizieren, Schach, Sport, gesunde Ernährung, vielleicht auch Sudoku - aus einer Fülle von Möglichkeiten muss sich wohl jeder seine Bausteine für ein gutes, längeres Leben selbst zusammensuchen.

Das einzige, sagt Molekularbiologe Peter Herrlich, womit man sich nicht länger aufhalten sollte: sogenannte Anti-Aging-Produkte. "Denn die wirken definitiv gar nicht."