• Immer mehr Menschen nutzen Impf- und Testangebote.
  • An vielen Einrichtungen kommt es daher zu langen Warteschlangen.
  • Eine erhöhte Infektionsgefahr konnte bisher nicht nachgewiesen werden - auch wegen fehlender Daten.

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Der Andrang auf Test- und Impfzentren ist aktuell sehr hoch und vielerorts bilden sich lange Schlangen. Insbesondere bei Impfangeboten betragen die Wartezeiten oftmals mehrere Stunden und viele Menschen stehen lange und nicht immer mit ausreichend Abstand zusammen. Eine erhöhte Ansteckungsgefahr mit SARS-CoV-2 in Impf- und Testzentren konnte jedoch bisher nicht nachgewiesen werden.

Keine RKI-Daten zu Infektionen in Test- und Impfzentren

Nach wie vor bestehen große Unsicherheiten darüber, wo die Ansteckungen mit dem Coronavirus in der Bevölkerung stattfinden. Erkenntnisse darüber werden insbesondere durch die klassische Kontaktpersonennachverfolgung gewonnen. Dabei wird nach Kontakten gesucht, die bis zu 14 Tage zurückliegen. Vor diesem Hintergrund gibt das RKI wöchentlich eine Liste mit COVID-19-Fällen unter Angabe des Infektionsfeldes heraus.

Bei Betrachtung der letzten Wochen zeigt sich, dass der Großteil der Fälle keinem konkreten Ansteckungsereignis zugeordnet werden konnte. Bei den (zahlenmäßig deutlich geringeren) bekannten Ansteckungsorten gehören private Haushalte, Krankenhäuser, Ausbildungsstätten oder Kindergärten zu den häufigsten Infektionsorten. Ein Hinweis auf das Infektionsfeld "Impf- oder Testzentrum" ist nicht zu finden. Das RKI teilt dazu auf Anfrage mit, dass keine Daten zu Ansteckungen im Umfeld von Impf- und Testzentren vorlägen.

Hohe Ansteckungsgefahr in Clubs und Bars

Auch in den aktuellen Zahlen zum Infektionsgeschehen, die Mitte November vom Betreiber der Luca-App herausgegeben wurden, findet sich kein Hinweis auf Ansteckungen in Testzentren. Die Daten zeigen allerdings lediglich, an welchen Orten mit Luca-Check-Ins Infektionen stattgefunden haben, die nach einer Risikobewertung durch die Gesundheitsämter zu Warnhinweisen führten. Die App kommt jedoch in Test- und Impfzentren in der Regel nicht zum Einsatz.

Während im Verhältnis zu anderen Orten wenige Warnmeldungen bei Restaurants, Cafés, Kinos, im Einzelhandel sowie im Theater und in Museen abgegeben wurden, ist eine Häufung bei Clubs und Bars zu beobachten. Im vergangenen Oktober hatten die Gesundheitsämter bundesweit rund 130.000 Warnungen an Besucherinnen und Besucher von Clubs und Bars gesendet. Das entspricht einem Anteil von rund 72 Prozent aller über die Luca-App ausgespielten Warnungen in diesem Zeitraum.

Neue Echtzeit-Infektionskettenanalyse in Düsseldorf

Über die bisherigen Analysen können die Kontakte von Infizierten nur unvollständig ermittelt werden. In Düsseldorf soll jetzt ein vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen gefördertes Kooperationsprojekt der Heinrich-Heine-Universität mit dem städtischen Gesundheitsamt eine sogenannte Echtzeit-Infektionskettenanalyse von SARS-CoV-2 ermöglichen.

Zwischen Mitte April und Ende Oktober wurden rund 6.000 virale Genome aus Düsseldorf sequenziert. Die Experten machten sich dabei zu Nutze, dass sich die Erbinformationen in einem Virus zufällig und sprunghaft verändern. Diese Mutationen werden über moderne Sequenzierungstechnologien ausgelesen und können einen Hinweis darauf geben, wer sich wo angesteckt hat.

Auf diesem Wege wurden über 500 genetische Infektionscluster erkannt, deren Auswertung beim Gesundheitsamt die Auflösung von sonst zum Teil unerklärbaren Infektionsketten ermöglichte. "Es gibt Hinweise aus der Sequenzierstudie, dass es auch in einem Testzentrum mal zu Übertragungen gekommen ist", erklärt Jörg Timm, Leiter des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Düsseldorf.

Laut Angaben des Ministeriums konnte im Rahmen der Untersuchungen ein Infektionscluster in einem Düsseldorfer Testzentrum aufgedeckt und unterbrochen werden, Ausbrüche in Impfzentren wurden nicht festgestellt. "Daraus lässt sich aber nicht ablesen, dass von den Zentren ein besonderes Übertragungsrisiko ausgeht", betont Timm. "Denn in der Regel gibt es sehr überzeugende Hygienekonzepte."

Besucher sollten Abstände und Regeln einhalten

Das Angebot der Testzentren ist generell nur für Personen ohne Symptome vorgesehen. Wer unter Husten, Fieber, Schnupfen oder Geruchs- und Geschmacksverlust leidet, muss sich mit einem niedergelassenen Arzt in Verbindung setzen. Alle anderen können sich seit Mitte November wieder einmal pro Woche kostenlos testen lassen und auch das Angebot an Impfmöglichkeiten steigt wieder.

Für die Durchführung von Corona-Tests und Impfungen müssen die Einrichtungen entsprechende Hygienekonzepte nachweisen und umsetzen. Viele Anbieter vergeben Impf- oder Testtermine in elektronischer oder telefonischer Form, um Besucherströme zeitlich zu trennen. Sind auch spontane Testungen und Impfungen möglich, muss ein zusätzliches Konzept sicherstellen, dass es weder innerhalb noch außerhalb der Test- und Impfstelle zu Menschenansammlungen ohne Einhaltung der AHA-Regeln kommt.

Dafür sorgen beispielsweise entsprechende Beschilderungen zu Laufwegen und Hinweise auf Abstände. Weiterhin besteht Maskenpflicht und es werden Desinfektionsspender angeboten. Besucher sollten die Regeln einhalten und damit die Ansteckungsgefahr minimieren.

Besonders leicht einhalten lässt sich der Abstand zu anderen Besuchern in hygienischen und kontaktlosen Drive-In-Teststellen, wie dem Testzentrum am Flughafen Essen/Mülheim. "Hier müssen die zu testenden Personen ihr Fahrzeug nicht verlassen", erklärt Malte-Bo Lueg, Projektleiter des vom DRK Essen betriebenen Testzentrums.

"Die Befunde der Antigentests und der Antikörpertests werden den getesteten Personen innerhalb von 30 Minuten per E-Mail zugeschickt. Für die PCR-Tests sind die Ergebnisse ca. 24 bis 48 Stunden später auf der Webseite des Labors einsehbar. Es ist keine weitere Wartezeit vor Ort notwendig."

Verwendete Quellen:

  • RKI: "COVID-19-Fälle, die einem Ausbruch zugeordnet werden".
  • Luca-App: "luca veröffentlicht aktuelle Zahlen zum Infektionsgeschehen in verschiedenen Bereichen des öffentlichen Lebens".
  • Schriftliche Anfrage an das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW (25.11.2021)
  • Schriftliche Anfrage an die Medizinische Fakultät der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf (24.11.2021)
  • Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW. "Ministerium ermöglicht Echtzeit-Infektionskettenanalyse von SARS-CoV-2 in Düsseldorf".
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