Eine Frau stirbt nach dem Verzehr von Austern, ein achtjähriger Junge nach einem leichten Fahrradunfall: Berichte über fleischfressende Bakterien begegnen uns in den Medien immer wieder mal. Aber was steckt dahinter, woran erkennt man sie und wie wahrscheinlich ist es, dass man sich selbst damit ansteckt?

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Es sind diese etwas ungewöhnlichen Meldungen, die Fragen aufwerfen: Menschen sterben überraschend, weil sie sich mit fleischfressenden Bakterien infiziert haben. Dabei stecken sie sich auf ganz unterschiedlichen Wegen mit ihnen an. Wie kommt es dazu?

Was sind fleischfressende Bakterien?

Unter dem Begriff "fleischfressende Bakterien" wird normalerweise die Krankheit nekrotisierende Fasziitis verstanden. Sie wird von verschiedenen Bakterien ausgelöst.

Dazu zählen unter anderem Klebsiella, Clostridien, Kolibakterien, Staphylokokken, Aeromonas hydrophila, Vibrio vulnificus und A-Streptokokken.

Sehr selten kann die Krankheit auch von Pilzen ausgelöst werden. A-Streptokokken sind laut Experten des "National Geographic" die häufigste Ursache für die nekrotisierende Fasziitis. Allerdings ist es eher unwahrscheinlich, dass Sie sich mit ihr anstecken.

Im Grunde fressen diese Bakterien kein Fleisch. Sie infizieren die Faszien, die Weichteilkomponenten des Bindegewebes. Faszien umschließen Muskeln, Nerven, Fett und Blutgefäße. Auch das Gewebe neben ihnen wird durch die Bakterien beschädigt.

Von manchen Bakterien werden Toxine produziert, die das Gewebe, welches bereits betroffen ist, zusätzlich zerstören. Die Folge ist ein rasantes Gewebesterben. In dem Zusammenhang bedeutet nekrotisierend "der Grund für den Tod von Gewebe".

Wie gelangen die Bakterien in den Körper?

In den meisten Fällen kommen die Bakterien durch offene Haut in den Körper. Das können Schnitte, Einstiche, Insektenstiche, Kratzer oder Verbrennungen sein, wie "CBS News" schreibt. Auch eine noch nicht verheilte Tätowierung ist gefährlich.

Manchmal gibt es auch keinen Eintrittspunkt. Deswegen gehen Ärzte davon aus, dass die Bakterien auch in unverletzte Haut eindringen können, wie "National Geographic" berichtet.

Das Bakterium Vibrio vulnificus kommt in Flussmündungen, Brackwasser-Tümpeln und Küstengebieten vor. Es kann also auch über den Verzehr von Meeresfrüchten, vor allem über Austern, in den Körper gelangen, wie das "Umweltbundesamt" erklärt.

Beim Schwimmen oder Waten durch verseuchtes Gewässer kann man sich über offene Wunden ebenfalls mit dem Bakterium infizieren.

Die nekrotisierende Fasziits wird normalerweise nicht von einem Menschen auf einen anderen übertragen.

Wie schnell verbreiten sich die Bakterien im Körper?

Sobald die Bakterien in den Körper gelangen, verbreiten sie sich normalerweise sehr schnell. Bereits wenige Stunden nach der Infektion treten bei betroffenen Personen die ersten Symptome auf.

Bei der Krankheit Buruli-Ulkus, die vom Bakterium Mycobacterium ulcerans ausgelöst wird, ist es hingegen ganz anders. Die Infektion kann sich über Jahre unbemerkt im Körper entwickeln.

Das Ergebnis ist dasselbe, der Prozess qualvoll. Woher die Krankheit genau kommt, wissen Wissenschaftler laut "Medical Journal of Australia" (MJA) nicht.

Welche Symptome gehen mit der Krankheit einher?

Die Symptome von sogenannten fleischfressenden Bakterien erinnern häufig an andere Krankheiten oder Verletzungen, die viele Betroffene nicht behandeln lassen.

Die Haut kann bei einer Infektion warm werden und rote oder violette Stellen bekommen, die anschwellen. Auch andere Verfärbungen sind möglich. Einige Betroffene bekommen große Geschwüre oder Blasen.

Viele Patienten beschreiben außerdem einen schlimmen Schmerz, der weitaus intensiver ist, als es bei einer kleinen Wunde oder einem winzigen Schnitt eigentlich sein sollte. Fieber, Schüttelfrost, Müdigkeit und Erbrechen können später noch dazukommen.

Wenn diese Symptome das erste Mal auf die Infektion hinweisen, haben die Bakterien bereits großen Schaden am tieferliegenden Gewebe angerichtet.

Bei Buruli-Ulkus ist es sogar noch schwieriger, die Krankheit zu erkennen. Nur eine leichte Schwellung der Haut deutet auf eine Infektion hin. Vermutlich legt das Bakterium die Zellen des Immunsystems lahm, sodass keine Reaktionen auftreten.

Wer ist besonders gefährdet?

Von der Krankheit sind vor allem Personen betroffen, die gesundheitliche Probleme haben und dadurch Infektionen im Körper schwerer bekämpfen können.

Beeinträchtigungen wie Diabetes, Leberleiden, Nierenerkrankungen, Krebs und andere chronische Erkrankungen begünstigen eine Ansteckung.

Welche Folgen hat die Krankheit?

Eine nekrotisierende Fasziitis muss schnell erkannt und behandelt werden. Ansonsten kann sie zu einer Blutvergiftung führen. Wenn die Infektion sehr ernst ist, müssen eventuell Gliedmaßen amputiert werden. In besonders schlimmen Fällen können die Bakterien auch zu Organversagen und zum Tod führen.

Wie wird die Krankheit behandelt?

Zunächst muss dem Patienten Antibiotika gespritzt werden. So wird die Infektion im Körper bekämpft und die Bakterien getötet. Das Medikament kann allerdings nicht alle infizierten Areale erreichen, wenn die Toxine weiches Gewebe zerstören.

Ärzte müssen das tote Gewebe durch eine Operation entfernen. So kann die Infektion gestoppt werden, das muss aber schnell passieren, wie der "National Geographic" berichtet.

Wie kann man der Krankheit vorbeugen?

Auch die Erstversorgung kleiner, nicht infizierter Wunden - dazu zählen Blasen oder Kratzer - ist nicht zu unterschätzen. Saubere, trockene Verbände schützen nässende und offene Verletzungen vor Bakterien, bis die Stelle genesen ist.

Whirlpools, Schwimmbäder oder Flüsse sowie Seen sind für Personen mit offenen Wunden ungeeignet. Darauf weist das "Umweltbundesamt" hin.

Regelmäßiges Händewaschen mit Seife und Wasser macht es den Bakterien ebenfalls schwer. Auch alkoholhaltige Lösungen helfen bei der Handhygiene.

Die sogenannten fleischfressenden Bakterien sind aber recht selten. Bei einem starken Immunsystem, guter Hygiene und angemessener Wundversorgung ist es unwahrscheinlich, dass Sie sich eine nekrotisierende Fasziitis einfangen.

Verwendete Quellen:

  • National Geographic: Was sind “fleischfressende Bakterien” und wie bekämpft man sie?
  • Umweltbundesamt: Vibrio vulnificus im Meerwasser in heißen Sommern
  • CBS NEWS: Woman dies after contracting flesh-eating bacteria from oysters
  • Medical Journal of Australia (MJA): Tackling the worsening epidemic of Buruli ulcer in Australia in an information void - time for an urgent scientific response
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