Am 14. November ist Welt-Diabetestag. Dass auf die Krankheit mit einem eigenen Gedenktag aufmerksam gemacht wird, hat seine Berechtigung: Sieben Millionen Menschen leiden allein in Deutschland an der Zuckerkrankheit, 90 Prozent davon Typ 2. Dabei ließe sich das oft vermeiden.

Typ-2-Diabetes kommt nicht über Nacht, seine Entstehung ist ein schleichender Prozess. Wie hoch das Risiko einer Erkrankung letztlich ist, kann man selbst beeinflussen. Denn neben der genetischen Veranlagung spielt die Lebensweise eine entscheidende Rolle.

Wer die Einflussfaktoren kennt, kann das Risiko einer Erkrankung erheblich senken.

Erbliches

Die genetische Veranlagung bildet für die Erkrankung an Diabetes (Typ 2) eine entscheidende Grundlage. So beziffert die Fachärztin für Humangenetik Dr. Simone Sauter das Erkrankungs-Risiko eines eineiigen Zwillings, dessen Geschwisterkind an der Zuckerkrankheit leidet, auf rund 80 Prozent. Die Kinder eines Typ-2-Diabetikers würden, so Sauter in einem Fachbeitrag für die Universität Göttingen, mit einer Wahrscheinlichkeit zwischen 25 und 50 Prozent im Laufe ihres Lebens auch selbst daran erkranken.

Das starke Geschlecht hält sich für "unkaputtbar" - ein fataler Irrtum.

Der erbliche Einfluss bei Diabetes Typ 2 ist also hoch. Entscheidend ist er letztlich jedoch nicht, denn erst die Lebensführung bringt die Veranlagung zum Vorschein. Gerade die vermeintlich hohe Risikoquote der Kinder von Diabetikern zeigt: 50 bis 75 Prozent der Nachkommen bleiben gesund, da sie die anderen Risiken gut im Griff behalten.

Als Beispiel für das Zusammenspiel von genetischer Veranlagung und äußeren Einflüssen gilt auch die sogenannte Schwangerschaftsdiabetes. Der Stoffwechsel der Frauen wird während der Schwangerschaft zwangsläufig stark belastet. Kommt eine erbliche Veranlagung für die Zuckerkrankheit hinzu, kann sich in den Jahren nach der Geburt Diabetes entwickeln. Bei Frauen ohne genetische Belastung bleibt diese Erkrankung aus. Andersherum würden aber auch genetisch vorbelastete Frauen ohne eine Schwangerschaft nicht zwingend an Diabetes erkranken, da die außergewöhnliche Belastung als Auslöser fehlt.

Übergewicht

Das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, ist für Menschen mit Übergewicht signifikant höher. Neben dem sogenannten Body-Mass-Index (BMI), der Körpergröße und Körpergewicht ins Verhältnis setzt, spielt für das Diabetes-Risiko das Fettgewebe im Bauchbereich eine besondere Rolle. Das Helmholtz Zentrum München beziffert das Risiko von Männern mit einem Taillenumfang von 102 Zentimetern im Vergleich zu Männern mit 94 Zentimetern auf das 3,4-Fache.

Zugleich gilt: Je höher das Übergewicht, desto höher das Diabetes-Risiko. Forschungen des Instituts für Ernährungsforschung in Potsdam belegen zugleich, dass Übergewicht schon in jungen Jahren die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung weiter steigert.

Wenn Sie Ihren BMI berechnen und den Taillenumfang messen, können Sie Ihren persönlichen Risikofaktor bestimmen.

Ernährung

Der Einfluss bestimmter Essgewohnheiten auf das Erkrankungsrisiko ist statistisch belegt, eine Begründung dafür gibt es jedoch in den meisten Fällen noch nicht. So konnte ermittelt werden, dass starker Kaffeegenuss das Risiko einer Erkrankung senkt. Passionierte Fleischesser kommen dagegen schlecht weg, da ihr Risiko signifikant höher ist.

Mit dem Rauchverbot in Gaststätten und öffentlichen Gebäuden sind für Raucher in Deutschland harte Zeiten angebrochen.

Viele Aussagen im Ernährungsbereich sind mit einem einschränkenden "nach jetzigem Erkenntnisstand" oder einem "wahrscheinlich" behaftet. Als sicher gilt jedoch, dass gesättigte Fettsäuren das Risiko erhöhen, mehrfach ungesättigte Fettsäuren dagegen nicht. Das spricht für eine "mediterrane Ernährung" mit viel Olivenöl statt Butter. Beim geliebten Wein der Südländer ist allerdings Vorsicht geboten: Viel Alkohol führt zu Übergewicht und der Ausbildung einer Fettleber, beides Hoch-Risiko-Faktoren.

Essen Sie viel Gemüse und Getreideprodukte, beides gilt als Diabetes-Vorbeugung.

Bewegung

Die Deutsche Diabetes Stiftung formuliert: "Bewegungsarmut führt direkt in die Zuckerkrankheit hinein." Die Experten verweisen darauf, dass sich das Bewegungspensum des Mitteleuropäers seit den 1960er Jahren etwa halbiert hat und damit unter das notwendige Minimum gerutscht ist. Wer dem ständigen Sitzen nichts entgegensetzt, erhöht sein Diabetes-Risiko.

Als Gegenmaßnahme schlägt die Stiftung eine leichte sportliche Betätigung vor, zum Beispiel Joggen oder Tanzen. Es gehe darum, den täglichen Energieumsatz um 200 bis 300 kcal zu erhöhen. Zugleich müsse die aufgenommene Nahrungsenergie um 200 bis 400 kcal gesenkt werden. Meist sei dies über gesündere Produkte möglich, bedeute also keinen Verzicht.

Sollten Sie in Ihrem Arbeitsalltag viel sitzen, braucht es in der Freizeit einen Ausgleich. Zwei Wege versprechen Erfolg: Mit Freunden Sport machen oder eine Sportart wählen, die Ihnen wirklich Spaß macht. Alle anderen guten Vorsätze sind meist schnell vergessen.

Schlaf

Schlafstörungen bilden die Basis vieler Krankheiten, Diabetes ist da leider keine Ausnahme. Das Helmholtz Zentrum in München hat belegt, dass Schlafstörungen und Diabetesrisiko im direkten Zusammenhang stehen. Vermutet wird, dass Stresshormone des Körpers eine Insulinresistenz begünstigen und so das Risiko erhöhen.

Wenn Sie unter Schlafstörungen, Atemaussetzern oder starkem Schnarchen leiden, sollten Sie einen Arzt konsultieren. Im Schlaflabor können die Ursachen ermittelt und Gegenmaßnahmen eingeleitet werden.

Rauchen

Starke Raucher haben ein erhöhtes Diabetes-Risiko. Studien belegen diesen Fakt, auch wenn die Ursachenforschung noch in vollem Gange ist. Vermutet wird derzeit eine Schädigung der Insulinrezeptoren durch Kohlenmonoxid und Nikotin.

Als Raucher haben Sie also ein erhöhtes Risiko. Jede Zigarette weniger kann es senken, ab sofort.

Medikamente

Es ist nachgewiesen, dass chronischer Stress und Depressionen das Diabetes-Risiko erhöhen. Hier sollte nach den Ursachen geforscht werden, um dauerhaft für Abhilfe zu sorgen. Der Griff zu Medikamenten wie Antidepressiva oder Betablockern hilft vielleicht gegen die Stress-Symptome, ist jedoch mit Blick auf eine mögliche Diabetes ebenfalls ungünstig. Wie der Stress selbst erhöhen auch die Medikamente das Risiko.

Sollten Sie entsprechende Medikamente einnehmen, beraten Sie sich mit ihrem Arzt über das Risiko.

Fazit

Es gibt eine genetische Veranlagung für Diabetes. Wer sie in sich trägt, hat ein erhöhtes Risiko. Ausbrechen muss die Krankheit deswegen aber nicht. Mit unserer Lebensweise bestimmen wir das Risiko entscheidend mit.

Wie hoch Ihr persönliches Risiko ist, können Sie hier testen.