• Das Ende der Pandemie ist in Sicht – und der Drang, endlich wieder etwas zu erleben, ist so groß wie lange nicht mehr.
  • Doch damit steigt auch der Druck.
Anja Delastik
Eine Kolumne
von Anja Delastik
Diese Kolumne stellt die Sicht des Autors dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Die vergangenen Monate waren ziemlich irre; die Pandemie hat uns einiges abverlangt: Wir mussten unsere sozialen Kontakte beschränken, unser Leben vereinfachen, unseren Blick nach innen richten, unser Tempo verlangsamen. Weder in unserem, noch im Leben der anderen ist viel geschehen. Und deshalb hatten wir auch nur selten das Gefühl, irgendwas zu verpassen.

Das Revival von FOMO

FOMO, the fear of missing out: dieser Begriff, der seit den frühen Nullerjahren die Runde macht, beschreibt eine Form von sozialem Druck, die zwanghafte Sorge, eine Gelegenheit, ein Ereignis oder eine wichtige Information zu verpassen. Gewiss, die Angst ist nicht neu. Aber unser modernes Leben begünstigt sie: FOMO gilt als erste Social-Media-Krankheit – und erlebt mit dem Abklingen der Pandemie nun ein zweifelhaftes Revival.

Wir haben viel versäumt

Höhere Temperaturen, sinkende Inzidenzen, die steigende Impfquote und die damit verbundenen Lockerungen ziehen die Menschen nach draußen – in Gaststätten, Cafés, Freisitze, Biergärten. Denn, hey, YOLO, you only live once, man lebt nur einmal.

Nach Monaten der Ungewissheit, zu Hause auf der Couch und mit einer Handvoll "Kontaktpersonen", ist uns das heute bewusster denn je. Wir haben viel versäumt und das gilt es nun nachzuholen.

Grenzenloses Mitteilungsbedürfnis

Das Smartphone ist dabei stets zur Hand. Denn natürlich möchten wir die Welt an unserer Freude teilhaben lassen. Ob Posts aus dem Biergarten, vom Badesee, aus dem Museum, vom Restaurantbesuch, dem Picknick im Park oder dem Spontantrip nach Italien, Portugal, Griechenland – unser Mitteilungsbedürfnis ist so grenzenlos wie das Verlangen nach Gesellschaft und Abenteuer.

Wir glauben, was wir sehen

So wunderbar es ist, dass die Pandemie langsam abklingt – sie hallt nach. Auch in unseren Gefühlen, Gedanken und Gewohnheiten. Manche Menschen brauchen Zeit, um ihre "sozialen Muskeln" wieder zu trainieren und in ihr altes, neues Leben zurückzufinden.

Doch die permanente Flut an Bildern und Videos erhöht den sozialen Druck, kann Selbstzweifel auslösen und anderen suggerieren, dass das eigene Leben langweiliger und einsamer ist als das der anderen. Wir glauben, was wir sehen. Was wir nicht sehen, sind diejenigen, die nicht zum Picknick, Pokerabend oder der Party eingeladen wurden, die zu Hause sitzen und versuchen, irgendwie klarzukommen.

Bei all der Freude über die wiedergewonnene Freiheit, gilt es auch daran zu denken, bevor wir das Internet mit Grill-Posts und Gin Tonics zuballern.

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