Im Sommer sprühen die meisten Menschen nur so vor Energie, doch im Winter kommen viele meist nur schwer in die Gänge, sind oftmals müde und schlapp. Was sind die Ursachen dafür? Wir verraten Ihnen, was es mit der ständigen Müdigkeit auf sich hat.

Viel zu wenig Sonnenlicht, warme Heizungsluft, aufkommende Erkältung: Für die winterliche Müdigkeit haben Betroffene jede Menge Erklärungen parat. Die eigentliche Ursache für diese Art von Erschöpfung kann aber oft ganz woanders liegen.

Schweres Essen für ein schweres Gemüt

Leichte Sommersalate und frisches Obst weichen im Winter oftmals deftigem, fettigem Essen. In der kalten Jahreszeit landen gerne mal Schweinshaxen, Gänsebraten und Co. auf dem Teller. So lecker es auch schmeckt: Der Körper muss sich danach so sehr auf die Verdauung dieser Speisen konzentrieren, dass das Gehirn und andere Organe in der Zwischenzeit mit weniger Blut auskommen müssen. In der Folge fühlen wir uns müde und erschöpft. Doch warum haben wir im Winter überhaupt verstärkt Appetit auf fettiges Essen?

Das liegt einerseits am Gen Ganalin, das vor allem bei Europäern vorkommt und in den Anfängen der Menschheit sichergestellt hat, dass wir uns für die kalten Wintermonate genug Polster anfuttern. Aber auch das Seasonal-Affective-Disorder-Syndrom (SAD), umgangssprachlich auch "Winterblues" genannt, schürt die Lust auf Fettiges. Hinzu kommen beim SAD-Syndrom auch Müdigkeit und eine gedrückte Stimmung.

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Wenn Luft schläfrig macht

Frische Luft verbinden wir mit Energie und belebenden Kräften für unseren Körper. Werden Räume allerdings nur schlecht gelüftet – was in der kalten Jahreszeit oft der Fall ist – kann dies gleich aus mehreren Gründen müde machen. Ist der Sauerstoff im Raum "fast aufgebraucht", wie man so schön sagt, wirkt sich das durchaus auf unser Wohlbefinden aus.

Doch es ist weniger das Problem von Sauerstoffmangel, was unsere Augen schwer macht. Es ist viel mehr ein Zuviel von Kohlendioxid, das wir ausatmen. Das sammelt sich in geschlossenen Räumen und beschert uns Beschwerden wie Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen und Atemnot. Ähnlich müdigkeitsfördernd ist trockene oder auch beheizte Luft, sowie Schadstoffe, die etwa über Teppiche oder Lüftungsanlagen verbreitet werden.

Wer falsch schläft, bleibt müde

So simpel es klingt: Wer einen intakten Schlafrhythmus hat, ist weniger müde. Das bedeutet rund acht Stunden gesunden Schlaf pro Nacht. Zu wenig oder zu viel Schlaf, Alkohol oder auch Stress wirken sich negativ auf unsere nächtliche Erholungsphase aus. Wir kommen nicht recht zur Ruhe, die Müdigkeit bleibt.

Im Winter kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu, der in unserer Evolution begründet liegt: "Die Menschen im Mittelalter folgten einem natürlichen Programm des Körpers, das sich nach der Dauer des Tageslichts richtet", sagt Christian Cajochen, Professor für Chronobiologie an der Psychiatrischen Universitätsklinik Basel, gegenüber "Focus.de".

Heutzutage stehen wir üblicherweise nicht mehr mit der Sonne auf und gehen pünktlich zum Sonnenuntergang schlafen. Unsere "innere Uhr" tickt aber noch immer wie früher. Darum haben wir im Winter laut Cajochen ein weitaus größeres Schlafbedürfnis als im Sommer.

Die Sonne fehlt – und damit auch Vitamin D

Bekommen wir zu wenig Licht, weil die Tage im Winter deutlich kürzer als im Sommer sind, wirkt sich das auf unseren Gesundheitszustand aus. Das liegt an den körpereigenen Botenstoffen Melatonin und Serotonin. "Je mehr Serotonin tagsüber produziert wird, desto besser funktioniert die hormonelle Gegensteuerung nachts durch das Melatonin", sagt Jürgen Schuster, Coach für gesundheitliche Prävention, im Interview mit "meine-vitalitaet.de".

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Serotonin wird allerdings nur unter Beihilfe von Vitamin D durch den Einfluss von natürlichem Tageslicht produziert – davon gibt es in der kalten Jahreszeit leider zu wenig. Wer während der wenigen Sonnenstunden im Winter also hauptsächlich im Büro sitzt, benötigt deshalb meist zusätzliches Vitamin D. Fisch und Fleisch, aber auch Käse und Eier oder ein ausgedehnter Spaziergang sorgen für einen intakten Vitamin-D-Haushalt.

Sie können diese Möglichkeiten als Ursache für Ihre Müdigkeit ausschließen? Dann wird es Zeit für einen Besuch beim Arzt. Ein Blick auf Ihr Blutbild verrät, ob der Grund für Ihre winterliche Abgeschlagenheit gesundheitlich bedingt ist.

Fehlfunktion der Schilddrüse

Zeigt Ihr Blutbild veränderte Werte der Schilddrüse, kann sich hier die Ursache für Ihre Erschöpfung verstecken. Mit einer Schilddrüsen-Unterfunktion gehen meist noch andere Symptome einher wie etwa Gewichtszunahme, Haarausfall oder auch Schlafprobleme. Sollte eine Unterfunktion bei Ihnen diagnostiziert werden, kann Ihnen Ihr Arzt entsprechende Medikamente verschreiben.

Da die Funktion der Schilddrüse wie viele andere Bereiche unseres Körpers von der Melatonin-Produktion abhängig ist, treten die Beschwerden einer Unterfunktion im Winter deutlich stärker auf als zu jeder anderen Jahreszeit.

Eisenmangel – der Klassiker

Eisenmangel ist eine der häufigsten Ursachen für Müdigkeit. Nur durch genug Eisen kann das Molekül Hämoglobin produziert werden, das für den Sauerstofftransport im Körper verantwortlich ist.

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Manche Menschen haben einen erhöhten Bedarf: Steckt ein Kind in der Wachstumsphase, benötigt es mehr Eisen. Das gilt auch für Schwangere. Da sich die Blutmenge in der Schwangerschaft erhöht, muss die werdende Mutter unbedingt genug Eisen zu sich nehmen. Überhaupt leiden Frauen recht häufig unter Eisenmangel, etwa während ihrer Menstruation. Durch den Blutverlust verringert sich auch die Eisenmenge im Körper.

Wer im Winter auf Lebensmittel wie Kürbiskerne, Sesam, Hülsenfrüchte oder auch Pfifferlinge setzt, nimmt reichlich Eisen zu sich. Den höchsten Eisengehalt hat übrigens Entenleber mit 30 Milligramm je 100 Gramm.