• Die einen lassen derzeit ohne Eitelkeit ihre Haare wuchern, andere blicken offenbar öfter kritisch in den Spiegel.
  • Die Nachfrage nach Schönheits-OPs jedenfalls steigt - und das hat hat tatsächlich etwas mit Masken und Isolation zu tun.

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Ästhetisch-plastische Behandlungen hatten immer ein negatives Image - das sich aber zu wandeln scheint. Der Grund dafür ist nach Einschätzung von Ärzten die Corona-Zeit. Die Pandemie gilt als Gelegenheit, bei sich "etwas machen zu lassen", wie es gern diskret formuliert wird.

"Die Art der Nachfrage nach ästhetischen Behandlungen hat sich in der Coronakrise verändert", sagt der Facharzt Dennis von Heimburg, langjähriger Präsident der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC).

Doch ist es nicht gerade angesichts der Kontaktbeschränkungen unwichtiger denn je, wie wir aussehen? Dazu sagt Lutz Kleinschmidt, Vorstandsmitglied bei der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC): "Durch die COVID-19-Pandemie wurden die gesellschaftlichen Anlässe zwar seltener, aber das eigene Spiegelbild blieb bestehen."

Eine US-Studie zeigte zudem, wie stark die Eigenwahrnehmung gestört wird, wenn man sich häufiger und über längere Zeiträume am Bildschirm sieht, beispielsweise in Videokonferenzen. Aus den Untersuchungen des Massachusetts General Hospital, der Harvard-Universität und des Boston Dermatology Institute geht hervor, dass Menschen immer öfter zu Schönheitsoperationen tendieren, weil ihnen ihr Anblick im Chat nicht gefällt.

Am häufigsten wurden Falten, ein zu rundes Gesicht, unreine Haut und Haarverlust bemängelt, wie entsprechend gestiegene Suchanfragen bei Google zeigten.

Augen im Blickfeld - wegen der Masken

Die Lockdowns sorgen aus Sicht deutscher Ärzte aber vor allem für den Wunsch nach strafferen Augenpartien. In Masken-Zeiten schauen sich Menschen mehr in die Augen. Videokonferenzen führen auch hier dazu, dass sich viele länger selbst betrachten und mehr angesehen werden. Auch Lippenkorrekturen mit Fillern sind nach Angaben von Experten häufiger gefragt.

Insgesamt gebe es ein neues Körperbewusstsein in der Krise, sagt der Arzt Murat Dagdelen. Auch das Interesse an Fettabsaugungen steige, nicht zuletzt weil einige in der Homeoffice-Zeit zugelegt haben. Manche nutzten die Coronakrise zur Selbstoptimierung. "Die Patienten haben mehr Zeit, sich mit ihrem Äußeren zu beschäftigen."

Eingriffe eher ein Tabu-Thema

Hinzu kommt, dass viele gerade die Gelegenheit wittern, die Folgen kurz nach einer OP zu verbergen: Eingriffe am Mund etwa lassen sich anfangs gut unter der Maske verstecken. Die Auszeit im Anschluss, die es oft braucht, fällt im Sozialleben kaum auf: Blaue Flecken, Schwellungen, Rötungen, wie sie nach den heutzutage meist minimalinvasiven Operationen üblich sind, lassen sich mit weniger Aufwand als in normalen Zeiten kaschieren.

Studien zufolge verschweigt eine Mehrheit der Patientinnen und Patienten gegenüber Kollegen und Freunden nach wie vor eine Schönheits-OP.

Laut DGÄPC hat sich die Nachfrage bestimmter Berufsgruppen in der Pandemie verstärkt. Andrea Fornoff, Leiterin der Klinik für Plastische Chirurgie in Degerloch (Stuttgart), sagt, dass etwa mehr Lehrerinnen und Lehrer und Menschen, die in der Verwaltung tätig seien, Termine bei ihr machten.

"Also Leute, die ein gesichertes Einkommen haben." Und solche, die vorwiegend zu Hause arbeiten: Arbeiten im Homeoffice erleichtere das Auskurieren. Viele Patienten nutzten derzeit wohl auch ihre Reisekasse und leisteten sich eine Schönheits-OP, statt in den Urlaub zu fahren.

Nachfrage in Deutschland sehr hoch

Ein zentrales deutsches Register für Schönheitsoperationen gibt es nicht. Hochgerechnet sind es aber Hunderttausende jährlich in Deutschland. Laut einer nicht-repräsentativen Umfrage bei DGÄPC-Mitgliedern waren die Top Fünf der ästhetischen Behandlungen vergangenes Jahr:

  • Faltenunterspritzungen (etwa mit Hyaluronsäure)
  • Botox-Behandlungen (Botulinumtoxin)
  • Mit Abstand folgen dann Brustvergrößerung, Oberlidstraffung und Fettabsaugung

Laut Internationaler Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (ISAPS) mit Sitz im US-Staat New Hampshire gehört Deutschland zu den Ländern mit den meisten Schönheits-OPs - Tendenz steigend. Die Top-Ten-Länder waren zuletzt:

  • USA
  • Brasilien
  • Japan
  • Mexiko
  • Italien
  • Deutschland
  • Türkei
  • Frankreich
  • Indien
  • Russland

Wo Männer nachbessern lassen

Nach wie vor sind es mehrheitlich Frauen, die solche Eingriffe vornehmen lassen. Nur etwa 10 bis 15 Prozent der Behandlungen werden an Männern vorgenommen. Problemzonen bei Herren sind Bauch, Brust und Doppelkinn.

Ein Trend ist zum Beispiel der künstliche Waschbrettbauch. Beim "abdominal sculpting" kommen keine Silikonimplantate zur Anwendung, sondern Fett wird definierend abgesaugt. Beim "abdominal etching" (auch body-banking genannt) wird Fettgewebe um die Muskeln transplantiert.

Die Stuttgarter plastische Chirurgin Fornoff beobachtet, dass sich Männer schneller entscheiden als Frauen. "Wenn sich Männer in der Sprechstunde vorstellen, dann haben sie häufig schon den Entscheidungsprozess durchlaufen und beschlossen, das jetzt durchzuziehen. Frauen sind da oft abwartender, stellen sich eher zurück und warten, bis sie das Gefühl haben, keine anderen Pflichten mehr zu haben und sich das jetzt gönnen zu können." (Gregor Tholl, dpa/af)

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