Händewaschen gilt als eine der wichtigsten Maßnahmen, um sich vor dem Coronavirus zu schützen. Doch das ist nicht immer möglich - etwa beim Einkaufen. Viele Menschen greifen daher aktuell auf Handschuhe aus Plastik zurück. Ein Arzt warnt nun allerdings: Wer medizinische Handschuhe verwendet, riskiert eine "Kloake an den Händen".

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Während sich das Coronavirus weiter ausbreitet, sind die Menschen darauf bedacht, sich zu schützen. Vor allem in Supermärkten sieht man viele Kunden mit Einweghandschuhen, wie sie normalerweise Ärzte benutzen. Die Träger hoffen, sich so vor dem Virus zu schützen. Doch ein Fachmann will nun aufklären: Das sei ein gefährlicher Irrglaube.

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"Hört auf, medizinische Handschuhe in der Öffentlichkeit zu tragen", schreibt Marc Hanefeld, Allgemeinmediziner aus Niedersachsen, auf Twitter. "Das ist eine hygienische Sauerei großen Ausmaßes."

In seinem Thread erklärt er, warum die Funktion dieser Handschuhe aktuell missverstanden wird. Die Handschuhe würden in Kliniken benutzt, um beispielsweise Kontakt mit Körperflüssigkeiten zu vermeiden. Die zentrale Funktion sei also die "Reduktion größerer Verunreinigungen".

Träger von Einweghandschuhen haben das Gefühl, sie wären vor allen Umwelteinflüssen und damit auch Viren geschützt. Laut Hanefeld seien die Handschuhe allerdings porös. Zudem warnt er: "Und unter Alltagsgebrauch werden sie noch poröser."

Plastikhandschuhe sind durchlässig für Viren

Ältere Untersuchungen zur Durchlässigkeit von medizinischen Handschuhen stützen Hanefelds Aussagen. Sie haben ergeben, dass Einweghandschuhe durchaus durchlässig sind, auch für Viren.

Einweghandschuhe sind für den kurzfristigen und groben Schutz gedacht. Sie bestehen in der Regel aus Plastik wie Latex, Nitril oder Vinyl, das mit der Zeit brüchig wird. Wissenschaftler vermuten außerdem, dass bei der filmartigen Struktur der Materialien noch einige porenartige Durchlässe existieren könnten, die eine Art Durchgangskanal für Mikroorganismen wie Viren bilden. Einige Studien lassen sogar darauf schließen, dass viele Modelle von medizinischen Handschuhen in Tests selbst Wasser- und Blutpartikel durchlassen.

Dringen Bakterien, Keime oder Viren durch den porösen Handschuh ein, treffen sie dann auf ideale Bedingungen: "Unter dem Handschuh vermehren sich Bakterien mit Freude, in der feucht-warmen Kammer. Spätestens nach dem Ausziehen hat man ohne Desinfektion eine Kloake an den Händen", so Hanefeld.

Der korrekte Gebrauch der Handschuhe sehe vor, dass der Träger seine Hände vor und nach dem Gebrauch desinfiziert. Ansonsten besteht dem Arzt zufolge trotz der Handschuhe eine Übertragungsgefahr. Hanefeld schreibt weiter: "Würde schätzen, das machen mindestens 50 Prozent des Gesundheits-Personals falsch. Nicht-Profis wohl 99 Prozent."

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Plastik gibt mehr Keime ab als Haut

"Dazu kommt: Plastik gibt zigfach mehr Keime an die Umgebung ab als Haut", warnt der Mediziner. Als Hintergrund nennt er die Studie eines österreichischen Arztes, die vom Fachmagazin Pflegen-Online zitiert wird. Darin wurde nachgewiesen, dass Handschuhe besonders für die Umgebung zur Gefahr werden könnten. Während Erreger an menschlicher Haut eher anhaften, geben Plastikhandschuhe sie bei Kontakt bereitwillig ab - und das um das Tausendfache mehr als die Hand.

Hanefelds Fazit: "Man rennt nicht mit Gummihandschuhen durch die Gegend, es sei denn, man möchte eine Hygiene-Sau sein. Fertig." Das Tragen der Handschuhe ersetzt also weder das Händewaschen noch die Notwendigkeit der Einhaltung genereller Hygieneregeln. Einen Vorteil können sie trotzdem haben: Wer Handschuhe trägt, der achtet eventuell strenger darauf, sich nicht ins Gesicht zu fassen. (kad)

Verwendete Quellen:

  • Twitter-Account Dr. Marc Hanefeld
  • Management & Krankenhaus: Medizinische Handschuhe: Auf den Umgang kommt es an
  • Sempermed: Dichtung und Wahrheit – Virendurchlässigkeit bei OP-Handschuhen
  • American Journal of Infection Control: Permeability of latex and vinyl gloves to water and blood
  • Pflegen-Online: Keimschleuder Einmalhandschuhe