Seinen Vater Richard kannte als langjährigen Bundespräsidenten jeder. Doch wer war Fritz von Weizsäcker? Die Ermordung des 59-Jährigen während eines Vortrags schockiert auch viele Menschen, die ihn gar nicht kannten.

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Während eines abendlichen Vortrags in der Schlosspark-Klinik in Berlin-Charlottenburg, in der er seit 2005 als Chefarzt arbeitete, wurde Fritz von Weizsäcker von einem 57-jährigen Mann unvermittelt mit einem Messer angegriffen und getötet.

Wer war Fritz von Weizsäcker, der aus einem bekannten Adels-Geschlecht stammte und dessen berühmter Vater Richard die deutsche Wiedervereinigung als Bundespräsident erlebt und mitgestaltete?

Der 1960 in Essen geborene Mediziner Fritz Eckhart Freiherr von Weizsäcker war das vierte und jüngste Kind Richard von Weizsäckers.

Der einstige CDU-Politiker lebte von 1920 bis 2015 und bekleidete - nach der gescheiterten Kandidatur von 1974 - von 1984 bis 1994 das Amt des Bundespräsidenten. Zuvor hatte er dem damals zur Bundesrepublik zählenden West-Teil Berlins drei Jahre lang als Regierender Bürgermeister vorgestanden.

Viertes Kind der von Weizsäckers

Mit der späteren deutschen First Lady Marianne von Weizsäcker bekam Richard von Weizsäcker sieben Jahre nach deren Heirat, die 1953 erfolgte, ihr viertes Kind. Sie nannten es Fritz.

Richard von Weizsäcker arbeitete damals als Jurist bei Mannesmann. Bis 1962 wohnte die Familie in Essen und Düsseldorf, zog dann nach Ingelheim und 1967 nach Bonn.

Fritz von Weizsäckers Geschwister Robert, geboren 1954, und Betrice, geboren 1958, leben noch, ebenso deren 87-jährige Mutter Marianne. Fritz' Bruder Andreas starb 2008 51-jährig an einem Lymphom.

Einer der Cousins ist der Umweltwissenschaftler und frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Ernst Ulrich von Weizsäcker.

Fritz von Weizsäcker hatte eine lange Karriere als Mediziner hinter sich.

Anerkannter Mediziner

Von 1979 bis 1987 studierte er Humanmedizin in Bonn und Heidelberg. Anschließend ging er für ein praktisches Jahr in die USA. Nach dem Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie wurde er 2003 Professor für Innere Medizin an der Universität Freiburg.

Zu seinen Stationen als Mediziner zählten neben Freiburg die Harvard Medical School in Boston und das Universitätsspital Zürich. Seit 2005 war von Weizsäcker Chefarzt der Abteilung Innere Medizin I an der Schlosspark-Klinik in Berlin-Charlottenburg. Fritz von Weizsäcker galt als Experte für Leber- und Gallenwegserkrankungen.

Von Weizsäcker "gab alles für seine Patienten"

In einem Nachruf für die "Berliner Zeitung" schilderte ihn Hans-Jörg Vehlewald als "einen der feinsten, klügsten und humorvollsten Vertreter seiner Familie", dem die Eitelkeit seines Vaters fremd gewesen sei, weil er selbst nicht nach Berühmtheit gestrebt habe. Dafür aber habe er "alles für seine Patienten" gegeben.
Nach Angaben des Portals Gesundheitsstadt Berlin, bei dem er im Vorstand saß, forschte von Weizsäcker lange Zeit auf dem Gebiet der Hepatologie, der Physiologie und Pathologie von Leber und Gallenwegen und der molekularen Virologie.

Zu seinen Behandlungsschwerpunkten zählten demnach infektiöse Leberentzündungen wie Hepatitis B oder C, Fettleber-Hepatitis oder Fettleber.

Der Vortrag, an dessen Ende er tödlich attackiert wurde, trug den Titel: "Fettleber - (K)ein Grund zur Sorge?"

Neben seinem beruflichen Wirken engagierte sich Fritz von Weizsäcker nach Angaben seiner Klinik in mehreren Vereinigungen.

So saß er unter anderem im Vorstand der Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie in Berlin und Brandenburg und im Vorstand beim Gesundheitsportal.

Vehlewald flocht in seinen Nachruf ein Erlebnis ein, das vor dem Hintergrund des Passierten ein mulmiges Gefühl hinterlässt: "Vor drei Jahren war meine Frau wieder einmal in Fritz von Weizsäckers Chefarzt-Büro im Tiefparterre seiner Schlosspark-Klinik. Fast beiläufig erwähnte er, die Klinik habe seit kurzem eine Notfall-Aufnahme - das könne eines Tages nochmal Probleme verursachen. Denn da gebe es ja auch manchmal 'Verrückte, die da kommen. Da weiß man nie …'."

Christian Lindner reagiert schockiert

Kurz nach der Tat teilte FDP-Chef Christian Lindner im Kurzbotschaftendienst Twitter seine Trauer über den Tod von Fritz von Weizsäcker: "Mein Freund Fritz von Weizsäcker wurde heute Abend in Berlin erstochen. Ein passionierter Arzt und feiner Mensch. Neulich noch war er bei uns zuhause zum Grillen. Ich bin fassungslos und muss meine Trauer teilen. Einmal mehr fragt man sich, in welcher Welt wir leben."

Auch der parteilose Landtagsabgeordnete Alexander Langguth, der 2017 für die AfD ins Parlament in Nordrhein-Westfalen einzog, ehe er die AfD-Fraktion verließ, äußerte sich auf Twitter schockiert und fassungslos:

(hau/dpa/AFP)