Die Polizei ermittelt wegen der Geiselnahme im Kölner Hauptbahnhof derzeit in alle Richtungen. Hat die Tat einen terroristischen Hintergrund und was plante der Geiselnehmer? Die Ermittler haben sich am Dienstagnachmittag auf einer Pressekonferenz zur Tat geäußert - hier bekommen Sie alles Infos.

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Die Ermittlungen zu der Geiselnahme im Kölner Hauptbahnhof sind in vollem Gange. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die Tat einen terroristischen Hintergrund hatte. Viele Details sind bereits bekannt, andere hingegen noch nicht.

Was wir wissen

Die Tat: Im Kölner Hauptbahnhof zündete am Montagmittag ein Mann in einem Schnellrestaurant einen Molotow-Cocktail. Danach nahm er in einer gegenüberliegenden Apotheke eine Angestellte als Geisel und übergoss sie mit Benzin.

Nach Einschätzung der Polizei hatte der Täter nicht vor, sich mit einer Frau in der Apotheke zu verschanzen. "Der eigentliche Tatplan war die Brandlegung im McDonalds", sagte Klaus-Stephan Becker, der Chef der Kölner Kripo, am Dienstag in Köln. Die Geisel sei wahrscheinlich "ein Zufallsopfer" gewesen.

Als wenig später ein Spezialeinsatzkommando eingriff, versuchte der Mann, die Frau anzuzünden. Daraufhin feuerte die Polizei auf ihn. Durch die Schüsse wurde er so schwer verletzt, dass er reanimiert werden musste.

Inzwischen befindet er sich nicht mehr in Lebensgefahr. "Er liegt aber weiter im Koma", sagte Miriam Brauns, die stellvertretende Polizeipräsidentin von Köln. Der Mann habe noch nicht vernommen werden können.

Die Opfer: Eine 14-Jährige erlitt durch den gezündeten Molotow-Cocktail erhebliche Brandverletzungen, ihr Schuh hatte Feuer gefangen. Außerdem erlitt sie einen Schock, ebenso wie die Apothekenangestellte.

Eine andere Frau aus der McDonald's-Filiale im Bahnhof musste mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ebenfalls behandelt werden.

Der Täter: Der Geiselnehmer ist ein 55 Jahre alter Syrer mit offiziellem Flüchtlingsstatus. Er ist polizeibekannt. Er war nach Polizeiangaben arbeitslos.

Der Syrer habe in einer Kölner Flüchtlingsunterkunft gelebt und sei psychisch nicht in der Lage gewesen, einer Arbeit nachzugehen, sagte ein Polizeisprecher.

Die Ermittlungen: Ermittelt wird wegen versuchten Mordes, Geiselnahme und gefährlicher Körperverletzung. Dabei prüft die Polizei einen terroristischen Hintergrund der Tat. Inzwischen ist gegen den Geiselnehmer Haftbefehl wegen versuchten Mordes in zwei Fällen und auch wegen Geiselnahme erlassen worden.

Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe könnte noch am Dienstag die Ermittlungen übernehmen.

Was wir nicht wissen

Die Tat: Bisher ist nicht bekannt, was der Täter genau geplant hatte. Er trug Brandbeschleuniger und Gaskartuschen bei sich. In den Gaskartuschen haben sich nach Aussage der Polizei Stahlkugeln befunden.

Außerdem hatte er eine Tasche mit weiteren verdächtigen Materialien bei sich. Diese Tasche ließ er in der McDonald's-Filiale zurück, forderte sie aber später in seinen Gesprächen mit der Polizei zurück.

In die Apotheke lief er offenbar nur deshalb, weil der Rauch des Molotow-Cocktails in dem Schnellrestaurant die Sprinkleranlage ausgelöst hatte.

Der Täter: Der Täter soll sich nach Aussage eines Passanten im Hauptbahnhof zur Terrorgruppe "Daesh" bekannt haben. "Daesh" ist der arabische Name für die Terrormiliz Islamischer Staat.

Ob das stimmt, ist unklar. Nicht bekannt ist außerdem, wie stark die Verbindung des Täters zum IS ist.

Die Ermittlungen: Die Polizei ermittelt nach eigenen Angaben in alle Richtungen. Sie weiß aber mit Sicherheit mehr, als zurzeit öffentlich bekannt ist. (ff/szu/dpa)

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