Zu tief und zu langsam soll der Pilot der am Samstag in San Francisco verunglückten Passagiermaschine geflogen sein. Außerdem soll er mit dem Flugzeugtyp Boeing 777 nur wenig Erfahrung gehabt haben. Sind das mögliche Ursachen für eine Katastrophe mit zwei Todesopfern und über 180 zum Teil schwer Verletzten? Im Interview spricht Pilot und Vorstandsmitglied der Pilotenvereinigung Cockpit Martin-Joachim Locher (37) über die besonderen Bedingungen des internationalen Flughafens von San Francisco und erklärt, warum der Autopilot niemals die handwerklichen Fähigkeiten der Piloten ersetzen kann.

Einen Großteil der Flugarbeit können heutzutage die Autopiloten übernehmen. Was müssen Piloten überhaupt noch während eines Fluges selbst erledigen? Was gibt es für zwei Piloten beim Start und der Landung zu tun?

Die Autopiloten sind mittlerweile sehr zuverlässig, haben aber bei bestimmten Wetterverhältnissen Limits der Nutzbarkeit. Abgesehen davon werden fast alle Landungen von den Piloten manuell durchgeführt, außer bei dichtem Nebel. Bei automatischen Landungen ist die Arbeitsbelastung der Piloten sehr hoch, da alle Systeme im Detail überwacht werden müssen und die Piloten jederzeit eingreifen können müssen.

Was verbirgt sich hinter Begriffen wie ILS-Landesystem? Was kann es für Gründe geben, ohne Automatisierung auf Sicht und per Hand zu landen?

Das Instrumentenlandesystem (ILS) zeigt den Piloten die räumliche Lage des Flugzeugs im Bezug auf die Entfernung, die Höhe und den Landekurs an. Eine sehr wichtige Unterstützung bei schlechtem Wetter sowie hohem Verkehrsaufkommen. Einen Sichtanflug kann jeder Pilot ohne Probleme durchführen, sofern das Wetter entsprechend gut ist. Diese Anflüge sind bei Piloten die beliebtesten, da man sich den Anflug selbst einteilen kann.

Die Pilotenausbildung ist extrem teuer und muss teilweise von den Piloten selbst bezahlt werden. Geht der Kostendruck auf Kosten der Sicherheit? Fliegen Piloten Passagiermaschinen, die oft lieber noch einmal im Simulator üben sollten?

Die Erstausbildung muss von den Piloten zum größten Teil selbst bezahlt werden. Alle Schulungen in einer Airline werden von dieser übernommen, so dass dieser Aspekt keine Rolle spielt. Außerdem muss jeder Pilot in Deutschland einer Prüfung vor einem Sachverständigen des Luftfahrt-Bundesamts beweisen, dass er das Flugzeug in allen Situationen - also auch in Notsituationen - beherrscht.

Wie erklären Sie sich diesen Absturz? Ist der Flughafen in San Francisco zu gefährlich für einen noch nicht so erfahrenen Piloten?

San Francisco ist ein anspruchsvoller Flughafen, jedoch nicht gefährlich. Das hohe Verkehrsaufkommen sowie die berühmten Nebelwetterlagen sind unter anderem Gründe dafür. Der Pilot der Asiana ist sehr erfahren und hat viele tausend Stunden auf ähnlichen Flugzeugen absolviert. Der Wechsel auf ein anderes Flugzeugmuster gehört für Piloten dazu und ist nichts Außergewöhnliches. Außerdem findet ein sehr intensives Training in Theorie sowie Praxis statt, bevor ein Pilot damit auf Strecke geht. Außerdem ist dann noch ein Trainingspilot dabei, der genau dafür ausgebildet ist.

Was passiert, wenn ein Flugzeug bei der Landung zu langsam wird?

Wenn das Flugzeug bei der Landung zu langsam wird und unter die Minimalgeschwindigkeit kommt, ist das Flugzeug aerodynamisch nicht mehr flugfähig. Wird nicht sofort die Geschwindigkeit erhöht, kann es zum Absturz kommen. Die Steuerung des Schubs und damit der Geschwindigkeit gehört zur manuellen Steuerung des Flugzeugs.

Passagierflugzeuge sind die komplexesten Fortbewegungsmittel, die es überhaupt gibt. Warum kann bei diesen Geräten überhaupt noch etwas schiefgehen?

Auch wenn Flugzeuge sehr komplex und hoch technisiert sind, können Unfälle passieren. Beispielsweise wenn die Technik versagt und noch weitere Faktoren hinzukommen. Einer dieser Faktoren ist beispielsweise das Wetter. Selbst das beste Flugzeug kann die handwerklichen Fähigkeiten des Piloten nicht ersetzen. Starkwinde bei der Landung sowie heftige Gewitterstürme sind solche Wetterbedingungen.