• Im Kampf um Glaubwürdigkeit in ihrem Umgang mit den Opfern sexuellen Missbrauchs leistet sich die katholische Kirche den nächsten Fauxpas.
  • Münchens Kardinal Marx spricht von einem "verheerenden" Signal.

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Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat die Nichtveröffentlichung eines Gutachtens zum sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen des Erzbistums Köln als "verheerend für uns alle" bezeichnet.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hatte das Gutachten bei einer Münchner Kanzlei in Auftrag gegeben - nach der Fertigstellung aber beschlossen, es doch nicht zu veröffentlichen.

Auf die Frage, wie er das bewerte, sagte Marx der "Süddeutschen Zeitung" (Dienstag): "In der Öffentlichkeit wird nun wahrgenommen, dass Juristen über Spitzfindigkeiten auf dem Rücken der Betroffenen streiten. Das ist verheerend für uns alle."

Gutachten für das Bistum München und Freising soll 2021 vorliegen

Er habe für München und Freising ebenfalls ein Gutachten in Auftrag gegeben, bei derselben Kanzlei. "Es wird - so denke ich - im nächsten Jahr vorgelegt", sagte der Kardinal.

Die Coronakrise mindert die Steuereinnahmen der Kirche in Milliardenhöhe

Der wirtschaftliche Lockdown in der Coronakrise wird sich auch auf die Steuereinnahmen der Kirchen auswirken. Internen Schätzungen nach werden die zu erwartenden Verluste jedoch nicht alle Bistümer gleichermaßen treffen. Im Jahr 2018 beliefen sich die Steuereinnahmen der Kirchen in Deutschland auf 12,1 Milliarden Euro.

Woelki hatte ursprünglich ein Gutachten bei einer Münchner Kanzlei in Auftrag gegeben. Die Kanzlei sollte den Umgang des Erzbistums mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen durch Priester untersuchen.

Streit um Gutachten: Kanzlei weist Vorwurf methodischer Mängel zurück

Nachdem die Kanzlei das Gutachten fertiggestellt hatte, beschloss Woelki aber, es doch nicht zu veröffentlichen. Dafür führte er rechtliche Bedenken an und verwies auf den Rat hinzugezogener Juristen, die dem Gutachten methodische Mängel anlasteten. Die Kanzlei wies das zurück.

Woelki beauftragte stattdessen einen Kölner Strafrechtler damit, ein neues Gutachten zu erstellen. Es soll im März fertig werden. (dpa/hau)

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