Ein Bericht der ORF-Sendung "Thema" greift den Fall eines Amateurfußballers auf, der wegen angeblicher Hetzparolen vor Gericht steht. Davon ausgehend untersucht die Reportage das Phänomen der stetig wachsenden Zahl an Hass-Postings im Netz.

Am Mittwoch, den 11. Mai, wird der Amateurfußballer David vor dem Geschworenengericht in Klagenfurt stehen. Ihm werden Verstöße gegen das Verbotsgesetz vorgeworfen. Es drohen ihm bei Schuldspruch ein bis zehn Jahre Haft.

Beim Fußballspiel soll der 25-jährige David Spieler der gegnerischen Mannschaft angeschrien haben: "Es gibt nur einen Führer, und ihr scheiß Jugos gehört alle vergast und erschossen". Dazu soll er einen Hitlergruß gezeigt haben. Der Vorwurf kommt von zwei Mitgliedern besagter Mannschaft.

David streitet das ab. Er erklärt, dass er beim Spiel auf Slowenisch beschimpft wurde und daraufhin wie folgt gekontert habe: "Scheiß Jugo, lern mal Deutsch". Der Satz tue ihm leid und er entschuldige sich dafür.

Wie plausibel sind die Anschuldigungen?

Davids Strafverteidiger Philipp Tschernitz ist skeptisch: Nur die zwei Zeugen können von diesem Ausfall berichten, all die anderen Spieler auf dem Feld sowie mehrere Schiedsrichter und das Publikum haben aber offenbar nichts mitgekriegt. Hier stehe letztlich Aussage gegen Aussage.

Verdächtig, so zeigt der Report noch, wirkt allerdings ein Foto, auf dem zu sehen ist, dass sich David die Zahl 88 auf beide Hinterbeine geschrieben hat. Diese Zahl sei in rechten Kreisen ein Code: Sie stehe zweifach für den achten Buchstaben im Alphabet, also HH – die Kurzform von "Heil Hitler".

David erklärt, er habe die Nummer schon von früh an beim Sport verwendet, unter anderem auch beim Eishockeyspielen. Tschernitz bestätigt, dass es mehrere Vereine gebe, die diese Spielernummer einsetzen.

Die Sichtbarkeit von rechtem Gedankengut

Rechtsextremismus-Experte Thomas Rammerstorfer denkt, dass rechtsextremes Gedankengut mittlerweile nicht mehr nur in den entsprechenden Kreisen zu finden ist, sondern in der sogenannten Mitte der Gesellschaft angekommen ist.

"Wir sehen es auch im Vergleich zu osteuropäischen Ländern, wo es Staaten gibt, wo es so gut wie keine Menschen mit Migrationshintergrund gibt", erklärt Rammerstorfer. "Da suchen sich diese Rechtsextremen eben andere Feindbilder. Da gehen die Leute verstärkt gegen Homosexuelle, verstärkt gegen Minderheiten aus der eigenen Bevölkerung vor. Das heißt: Der Hass ist da, und er findet immer ein Objekt, wo er sich entladen kann."

Bei dem Projekt "Heimat ohne Hass" werden Äußerungen im Netz wie "Ofen an, Asyl aus" dokumentiert und verfolgt. Seit der Flüchtlingskrise ist die Zahl solcher Hass-Postings und Hetz-Aussagen enorm gestiegen.

Monika Österreicher, die für "Heimat ohne Hass" arbeitet, achtet vor allem auf Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, da die besondere Verantwortung tragen. Als Beispiel nennt sie FPÖ-Nationalratsmitglied Christian Höbert, der in einem Posting Flüchtlinge als "Erd- und Höhlenmenschen" bezeichnete.

"Wenn der schon so etwas sagt, warum soll sich dann der kleine Parteisoldat oder der kleine Nicht-einmal-Parteisoldat noch zusammenreißen?", erläutert Österreicher das Problem solcher Äußerungen exponierter Personen.

Ein Beispiel eines Hetz-Postings

Als Exempel eines solchen Hass-Kommentators wird der Wirt Markus Putz gezeigt, Inhaber der Wiener Inside-Bar. Nachdem in seinem Lokal drei blutüberströmte Jugendliche auftauchten, die erzählten, sie seien von Asylwerbern angegriffen worden, veröffentlichte Putz, der sich eigentlich als liberal bezeichnet, ein Hetz-Posting.

"Was muss noch passieren?", sei der auslösende Gedanke dieser Äußerung gewesen, erklärt Putz. Er bezeichnet den Post – den er nicht zitieren will und mittlerweile wieder gelöscht hat – als "Hilfeschrei".

Wie gut beleuchtet die Reportage das Thema?

Das "Thema"-Team ist einem beunruhigenden gesellschaftlichen Phänomen auf der Spur, ohne es jedoch auch nur ansatzweise festnageln zu können. Schon der Aufhänger funktioniert kaum: Ein Gerichtsfall, der noch nicht einmal zu einem Urteil gekommen ist, ist eine wenig aussagekräftige Plattform, um darauf Thesen über Tendenzen bauen zu können.

Auch darüber hinaus werden beinahe nur Befindlichkeiten geäußert: Eine Einzelstimme, die über eine nicht zitierte Äußerung redet, gibt leider wenig Einblick in die Beweggründe hinter Hetz-Postings, die nach Aussagen der Sprecherin ja nicht nur asylwerberfeindliche, sondern teils auch frauenfeindliche oder antisemitische Inhalte haben – also vielleicht nicht nur durch das Tagesgeschehen zu begründen sind.

Letztlich bleibt auch der Zusammenhang zwischen Rechts und Mitte diffus – hier wäre es sinnvoll gewesen, Thomas Rammerstorfer ausführlicher zu Wort kommen zu lassen, um diese Verschiebung greifbar und nachvollziehbar zu erläutern.