Blutverschmierte Hunde, panische Affen und verstörte Katzen mit offenen Wunden: Nach einer Undercover-Recherche in einem Versuchslabor macht die Tierschutzorganisation Soko Tierschutz auf verstörende Zustände aufmerksam - und kritisieren damit auch die Behörden. Tausende Menschen protestieren daraufhin gegen Tierversuche und für die Schließung des umstrittenen Labors.

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Tausende Menschen haben am Samstag in Hamburg gegen Tierversuche demonstriert und die Schließung eines Versuchslabors in der Nähe der Hansestadt gefordert. Der Polizei zufolge folgten bis zu 7.300 Menschen dem Aufruf der Tierschutzorganisation Soko Tierschutz.

Die Kundgebung sei friedlich verlaufen, sagte ein Polizeisprecher. Auf Plakaten, Bannern und Schildern stand unter anderem "Todeslabore schließen! Tierversuche abschaffen!" oder "Vergiftet für den Profit! Rettet die Versuchstiere!".

Die Tierschützer von "Soko Tierschutz" prangern konkret an, dass in einem Labor in Mienenbüttel im Kreis Harburg Hunde, Katzen und Affen bei Versuchen gesetzwidrig misshandelt würden. Ein Aktivist hatte sich dort als Mitarbeiter eingeschlichen und die schrecklichen Zustände dokumentiert.

Affen werden im Labor gequält.

Anschließend veröffentlichte die Tierschutzorganisation die Undercover-Aufnahmen aus dem Labor, die grausame Missstände in dem Betrieb aufdeckten: Hunde, die für eine Studie vergiftet wurden und unter Qualen in ihren Käfigen starben. Affen, die am Hals fixiert werden und verzweifelt schreien. Katzen, denen immer wieder in die bereits wunden Beine gestochen wird. Die veröffentlichten Bilder sind nicht nur für Tierfreunde verstörend.

Auch von Misshandlung der Tiere berichten die Tierschützer. "Ein Mitarbeiter schlug einen Affen absichtlich krachend gegen die Türkante", heißt es etwa in einer Mitteilung der Organisation.

Behörden reagieren und zeigen Labor an

Inzwischen sind auch die Behörden auf den Fall aufmerksam geworden. Nach den schweren Vorwürfen hat die Staatsanwaltschaft Stade die Ermittlungen aufgenommen. Die Dauer der Ermittlungen sei jedoch schwer abzuschätzen.

"Das ist ja ein Fall, der nicht alltäglich ist", sagte Sprecher Johannes Kiers. Die Anzeigen stammen unter anderem von der Organisation Soko Tierschutz, dem Landkreis Harburg und vom niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz (Laves).

Damit rückt jedoch neben dem Labor auch die Arbeit der Verwaltung in den Fokus. Die Amtstierärzte hätten sich strafbar gemacht, weil sie die umstrittene Einrichtung Laboratory of Pharmacology and Toxicology GmbH & Co. KG (LPT) im Neu Wulmstorfer Ortsteil Mienenbüttel nicht umfassend kontrolliert hätten, sagte ein Sprecher der Tierschützer.

Hunde wurden blutend in ihren Käfigen zurückgelassen.

Kritik auch an den Behörden

Nach der Anzeige der Tierschützer soll am Dienstag bereits eine offizielle Kontrolle des zuständigen Veterinäramts bei LPT stattgefunden haben, bei der Mängel wie zu kleine Käfige der Versuchsaffen festgestellt wurden.

Doch die Tierschützer kritisieren: "Es ist schon sonderbar, dass die Veterinärbehörde jetzt zu kleine Käfige erkennt, die dort wohl schon seit Jahren hängen. Besonders empörend finden wir, dass das völlige Fehlen von rechtlich vorgeschriebenem Beschäftigungsmaterial bei den Affen damit entschuldigt wird, dass die Tiere ja schließlich die Vorhängeschlösser der Käfige zum Spielen hätten."

Dabei soll das Veterinäramt des Landkreises Harburg in den vergangenen fünf Jahren neunmal bei dem Betrieb vorbeigekommen sein. Bei keinem der Kontrollbesuche seien zuvor gravierende Verstöße gegen die Tierschutz- und Haltungsbestimmungen festgestellt worden.

"Das lässt an den Kompetenzen und Einstellungen der verantwortlichen Kontrolleure zweifeln. Wir fordern keine Scheinlösungen, sondern einen sofortigen Schutz der Tiere, und das geht nur durch die Schließung des Tierlabors", so die Tierschützer in einem Facebook-Statement.

Die zu kleinen Käfige wurden bereits als Mangel erkannt.

LPT hält sich mit Äußerungen zurück

Die Soko Tierschutz fordert bereits seit Jahren eine Stilllegung der LPT, die nach eigenen Angaben zufolge Auftragsstudien für Kunden durchführt. Hier handele es sich um "präklinische Prüfungen einer Substanz auf Toxizität, bevor diese in die klinische Prüfung geht, das heißt am Menschen getestet wird". Dabei werden Stoffe aus der Chemie- und Pharmaindustrie auf ihre Giftigkeit geprüft.

LPT gilt als sehr verschwiegen und öffentlichkeitsscheu. Auch zu den aktuellen Untersuchungen wollte sich das Unternehmen bisher nicht äußern und betonte lediglich, dass die Behörden die Tierhaltung bislang nie beanstandet hätten.

Verwendete Quellen:

  • Deutsche Presse Agentur
  • Soko Tierschutz
  • Tierwelt Magazin: Tierversuche: SOKO Tierschutz deckt Skandal in Horror-Labor auf
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