Versteckt dieses Jahr der Osterhase die Eier im Schnee und wann gibt es endlich mal wieder weiße Weihnachten? Zwei Fragen, die die Menschen jedes Jahr brennend interessieren. Doch warum ist das so? Historisch gesehen ist das Interesse am Wetterbericht aus überlebensnotwendigen Bedürfnissen entstanden.

Ob beim Gespräch im Hausflur mit den neuen Nachbarn oder im Zug mit den Mitreisenden – oft hilft Small Talk, Momente der Sprachlosigkeit zu überwinden. Das beliebteste Thema für den schnellen, unverfänglichen Plausch ist das Wetter. Doch warum interessiert sich fast jeder für die Wettervorhersage?

Das Interesse am Wetter hat historische Gründe. Der deutsche Klimaforscher Professor Jürgen P. Kropp erklärte unserer Redaktion: "In den vergangenen Jahrtausenden war es existentiell, dass sich das Wetter im langjährigen Mittel immer so verhielt wie erwartet. Nur dann war es zum Beispiel möglich, die Aussaat zu richtigen Zeit auszubringen und die Ernte trocken einzufahren." An diesen überlebensnotwendigen Informationen orientierten sich die verschiedensten Kulturen – denn nur so konnten die Menschen an ihre Nahrung kommen und sich gleichzeitig schützen. Professor Kropp weiter: "Die Menschen am Nil haben über Jahrtausende auf die Ankunft des Nilhochwassers gewartet, welches durch Niederschläge im äthiopischen Hochland induziert wird. Menschen in Indien wollen wissen, wann der Monsunregen kommt."

Nun ist gerade in Mitteleuropa heutzutage nur noch ein kleiner Teil der Bevölkerung davon abhängig, zum richtigen Zeitpunkt zu sähen oder zu ernten. Der Supermarkt ums Eck bietet schließlich bei jedem Wetter die gewünschten Lebensmittel – doch gerade für den Weg dorthin nutzen viele Menschen den Blick in ihre Wetter-Apps oder in die Wettervorhersage im Fernsehen.

International unterscheidet sich der Umgang mit der Wettervorhersage

Kulturwissenschaftler Bernd Brunner unterstreicht im Gespräch mit unserer Redaktion die praktischen Gründe, aus denen die Wettervorhersage oft unverzichtbar ist: "Man möchte sich natürlich gerne darauf einstellen, und sei es nur der Regenschirm, den man dabei haben möchte."

Ähnlich wie Professor Kropp betont auch Brunner, dass das Wetter überall ein Thema war und ist. Und doch hat der Buchautor ("Als die Winter noch Winter waren") Unterschiede erkannt: "Der unterschiedliche Umgang mit schlechtem Wetter ist offensichtlich. Mir ist zum Beispiel in Portugal aufgefallen, dass Menschen bei Regen am liebsten ganz zu Hause bleiben. Sie scheuen definitiv das Wasser."

In den vergangenen Jahren ist der Blick auf das zukünftige Wetter immer weiter voraus gerichtet worden. Gerade Langzeitprognosen sind daher gefragt – ihre Zuverlässigkeit ist allerdings nicht so hoch wie die kurzfristiger Vorhersagen. Verlieren damit viele Menschen nicht das Vertrauen in die Meteorologen? Brunner widerspricht: "Wettervorhersagen sind so verlässlich wie nie zuvor, so dass sich die Menschen mit Sicherheit nicht davon abwenden werden."

Klimaforscher Kropp weist noch auf einen weiteren Aspekt langfristigerer Wettervorhersagen hin: "Das wir an langfristigen Entwicklungen interessiert sind, hängt auch mit der Klimadebatte zusammen. Obwohl Klimaprojektionen etwas anderes sind als Wettervorhersagen, möchte ich wissen, ob ich zukünftig eventuell von mehr Stürmen, Hochwasser oder Hitzewellen betroffen bin."

Und gleichzeitig ist man so auch auf den nächsten lockeren Smalltalk perfekt vorbereitet.

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