Seit Jahren steigen die Renten – jetzt um mehr als drei Prozent. Dennoch: Millionen Rentner in Deutschland erhalten weniger als 800 Euro Rente im Monat. Das dürfte die Debatte um Altersarmut wieder anheizen.

Die Rentenbezüge in Deutschland sind zum 1. Juli um mehr als drei Prozent gestiegen. Jedoch liegt fast jede zweite Altersrente in Deutschland einem Medienbericht zufolge unter 800 Euro im Monat.

Dies berichten die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) unter Berufung auf eine Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion.

Rund 8,6 Millionen Rentner erhielten demnach Ende 2016 eine Rente von weniger als 800 Euro monatlich, etwa 11,3 Millionen Rentner weniger als 1.000 Euro.

Das Ministerium lege allerdings Wert auf die Feststellung, dass die Rentenhöhe für sich genommen nur eingeschränkt Hinweise auf die Einkommenssituation im Alter liefere. Grund dafür sei, dass weitere Einkommen nicht berücksichtigt würden – etwa die anderer Haushaltsmitglieder.

Debatte um Altersarmut

Der aktuelle Bericht dürfte die Debatte um die Altersarmut wieder anheizen. "Die Zahlen zeigen, dass schon heute ein großer Teil der Rentnerinnen und Rentner gesetzliche Rentenbezüge unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle und sogar unter der Grundsicherungsschwelle erhält", sagte Sabine Zimmermann von den Linken dem RND. Sie bezeichnete die Zahlen besorgniserregend.

Eine Prognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) von 2017 zeigt, dass das Risiko, im Alter arm zu sein, in den nächsten Jahren drastisch steigen wird – bis 2036 um 25 Prozent. Regional gibt es dabei gravierende Unterschiede.

Das Risiko, im Alter eine Rente unterhalb der Armutsgrenze zu beziehen, werde sich vor allem in Ostdeutschland stark erhöhen – von 21 auf 36 Prozent. Im Westen steige das Risiko von 15 auf 17 Prozent, prognostizieren die Experten.

Jeder dritte ostdeutsche Neurentner würde demnach eine Rente unterhalb der Armutsgrenze beziehen. Diese liegt derzeit bei 958 Euro. Als armutsgefährdet gelten Menschen, die 60 Prozent oder weniger von der Durchschnittsrente erhalten. Momentan beträgt die Durchschnittsrente etwa 1.600 Euro.

Wie geht es bei der Rente weiter?

Die Regierung setzt auf Vorschläge einer Rentenkommission, die für März 2020 angekündigt sind. Sie will die Rente für den Lebensunterhalt ausreichend halten, ohne die jüngeren Beitrags- und Steuerzahler zu überfordern.

Noch nicht vom Tisch ist eine Koppelung des Rentenalters an die steigende Lebenserwartung.

Zudem sind Verbesserungen für kleine Selbstständige geplant, für langjährig gering Verdienende und für gesundheitlich geschädigte Frührentner: All diese Gruppen sind besonders von drohender Altersarmut bedroht. (fab/dpa)

Die Koalitionsverhandlungen laufen. Und die werden Schwarz, Gelb und Grün noch einiges abverlangen. Auch beim Thema Rente müssen sich etwaige Jamaika-Bündnispartner einigen und vor allem neue Akzente setzen. Denn Millionen Rentnern droht die Altersarmut – vor allem im Osten.