• Haar-OPs boomen weltweit. Hollywood-Star Matthew McConaughey, Sängerin Kim Gloss oder TV-Makler Marcel Remus – sie alle haben sich bereits Haare transplantieren lassen.
  • Für eine solche OP gibt es entweder rein ästhetische Gründe, um den Haaransatz zu verschönern, oder weil das Haar nach und nach ausfällt.
  • Eine Haartransplantation ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem es einiges zu beachten gibt.
  • Wir klären zehn wichtige Fragen dazu.

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Was passiert bei einer Haartransplantation?

Bei einer Haar-OP werden eigene Haarwurzeln vom Hinterkopf und Haarkranz entnommen und in andere, lichte Stellen des Oberkopfes umverpflanzt. Aus dieser Follikeleinheit, die gemäß ihrer englischen Übersetzung "Follicular Unit" mit FU abgekürzt wird, wachsen ein bis vier Haare. Das geht aus den Leitlinien zur Haartransplantation des Verbands deutscher Haarchirurgen (VDHC) hervor.

Werden diese winzigen Transplantate beziehungsweise Grafts fachgerecht angeordnet, sieht das Ergebnis dauerhaft natürlich aus. Bei einer Transplantation von zum Beispiel 1.000 FU-Grafts verpflanzt man also bis zu 2.500 Haarfollikel.

Nach der OP können die Haare teilweise erst einmal ausfallen, 90 bis 95 Prozent der neuverpflanzten Wurzeln bleiben aber erhalten. Das Endergebnis ist dann frühestens nach neun Monaten sichtbar.

Welche Methoden gibt es?

Die einzelnen Haarfollikeleinheiten werden entweder mikroskopisch aus einem Hautstreifen gewonnen (FUT-Methode) oder punktuell direkt aus der Kopfhaut entnommen (FUE-Methode). "Die punktuelle Variante hinterlässt nur kleine Lücken. Sie ist vor allem für Menschen geeignet, die eine Kurzhaarfrisur planen oder nur relativ wenige Haare transplantieren möchten", erklärt Dr. Andreas Finner, Mitglied des Verbands Deutscher Haarchirurgen und praktizierender Haarchirurg aus Berlin, im Gespräch mit unserer Redaktion.

Beim Streifen gibt es am Hinterkopf eine längliche strichförmige Narbe. "Der Vorteil ist aber, dass man die Region nicht rasieren muss und sie mit etwas längerem Haar danach sofort überkämmen kann. Deshalb setzen Frauen und Geschäftsleute gerne darauf", weiß der Experte.

Bei Patienten mit einer großen Glatze ergibt eine Kombination aus Streifen- und punktuellem Verfahren Sinn, weil hier sehr viele Haare benötigt werden. Zeitlich dauern beide Methoden gleich lang.

Insgesamt kommt es auf einen schonenden, verletzungsarmen Umgang mit den lebenden Haarwurzeln an. Für eine Haar-OP muss man deshalb je nach Graft-Menge zwei bis acht Stunden in örtlicher Betäubung der Kopfhaut einplanen.

Kann man sich die Haare mehrmals implantieren lassen?

Ja, das ist möglich. Jeder Mensch besitzt insgesamt am Kopf gut 100.000 Haarwurzeln, je nach Haarfarbe können es mal mehr, mal weniger sein. Nur einige tausend davon sind hormonresistent und in der sicheren, dauerhaften Zone verfügbar. Damit gilt es zu haushalten, denn für Haartransplantationen kann man nur die eigenen Haare verwenden. Spenden ist nicht möglich.

Es kommt deshalb auf die langfristige ärztliche Planung der Haarverteilung an. "Wer Hausausfall hat, der sollte gemeinsam mit dem Haarchirurgen im Vorhinein überlegen: Wie viele Haare verwende ich bei meiner ersten OP, wie viele hebe ich mir eventuell noch für später auf?", rät Dr. Andreas Finner. Er warnt davor, beim ersten Mal zu viel Spenderhaar zu entnehmen: "Manchmal ist weniger mehr. Es kann unter Umständen sinnvoll sein, erst einmal nur einen Teil zu verpflanzen und die Haare geschickt zu verteilen. Es muss nicht immer sofort das Maximum sein."

Welche Risiken birgt die Schönheits-OP?

Jede OP ist Handarbeit und Erfahrungssache. Wie bei anderen ästhetischen Eingriffen kann es passieren, dass das Ergebnis nicht wie gewünscht ausfällt. Manchmal sieht der Haaransatz dann unnatürlich aus oder die Wuchsrichtung der Haare missfällt. "So wie ich als Arzt den Pflanzkanal ausrichte und platziere, so wächst später auch das Haar", erklärt Dr. Andreas Finner. "Je sorgfältiger hier gearbeitet wird, desto besser ist am Ende das Ergebnis. Einfach drauf loszustochern bringt nichts."

Durch die Betäubung der Kopfhaut und die kleinen Einstiche kann es bei noch bestehenden Haaren manchmal zudem zu einem schockartigen Haarausfall eines Teils der Haare kommen. Sie wachsen aber später wieder nach. Dieses Phänomen kann durch das Verwenden einer Lupenbrille deutlich reduziert werden.

Normal sind nach der OP anfängliche Krusten, Schwellungen und leichte Hautschmerzen, die mit Schmerztabletten behandelt werden. Selten kommt es zu Infektionen, meist aber nur pickelartig punktuell.

Was kostet eine Haar-OP?

Umso mehr Grafts entnommen und an anderer Stelle eingepflanzt werden müssen, desto teurer wird der Eingriff. Tausend Grafts kosten in Deutschland ab 4.000 Euro. Besonders aufwändige Operationen sind entsprechend deutlich kostspieliger; zu hohe Graftzahlen in einer Operation sind aber nicht sinnvoll.

Haar-OPs in Osteuropa und der Türkei kosten nur rund die Hälfte – ist die Qualität dennoch dieselbe wie in Deutschland?

Auch wenn der Preis für die Haar-OP verlockend klingt – Haartransplantationen im Ausland können ihre Tücken haben. Mitunter gibt es qualitative Einbußen in Sachen Personal, Zeit, Nachbetreuung und Sorgfalt. Experte Dr. Andreas Finner rät: "Prüfen Sie genau, ob ein Arzt persönlich die Hautschnitte vornimmt oder nur Hilfspersonal. Seien Sie auch vorsichtig, wenn auf der Webseite steht, die Praxis hätte bereits 10.000 Patienten behandelt. Das deutet oft auf eine 'Haar-Fabrik' hin, die auf Masse statt Qualität setzt und unter Zeitdruck arbeitet, weil im nächsten Zimmer schon der oder die Nächste auf die Transplantation wartet."

Nicht selten, so erzählt der erfahrene Haarchirurg, berichten Patienten nach Behandlungen im Ausland, das Ergebnis hätte sie nicht zufrieden gestellt. "Oft werden die Wurzeln dort zu hastig entfernt und zu eng wieder eingesetzt, was die Haarwurzeln verletzt oder die Durchblutung stört. Das kann dazu führen, dass die Haare später anstatt zu 90 nur noch zu 60 Prozent anwachsen. Oder es wird zu viel Spenderhaar entnommen, so dass der Haarkranz sehr ausgedünnt ist und eine zweite OP später nicht mehr möglich ist", sagt Finner.

"Es kommt auch vor, dass der Haaransatz zu tief gesetzt wird, die Wuchsrichtung falsch ist oder die Haare unproportional verteilt sind. Im Extremfall drohen Infektionen und Wundheilungsstörungen", erklärt der Experte. Schnelle Hilfe bei einem unschönen Ergebnis gibt es nicht: Was bei einer Haar-OP ästhetisch falsch gelaufen ist, lässt sich später kaum noch korrigieren.

Haartransplantationen werden zudem immer häufiger von unseriösen Anbietern zu Billigpreisen und mit falschen Versprechungen offeriert – auch in Deutschland. Dabei werden medizinische, personelle, hygienische und rechtliche Standards oft unterlaufen. Um nicht Opfer von Schwarzmarktanbietern werden, finden Interessierte auf der Seite der International Society of Hair Restoration Surgery ('ISHRS') hilfreiche Tipps.

Gibt es einen idealen Zeitpunkt für eine Haartransplantation?

Den gibt es eigentlich nicht. Entscheidend ist, wie stark der Haarausfall und wie gut das Spendermaterial ist. Je jünger die Patienten sind, desto eher raten Ärzte aber zunächst zu einer medikamentösen Behandlung. "Bei großen Geheimratsecken oder wenn der Vorderkopf schon leer ist, muss man aber nicht warten. Dann lieber einmal ordentlich den ganzen Vorderkopf auffüllen. Dabei aber darauf achten, dass am Hinterkopf noch genügend Grafts bleiben für eine eventuelle zweite OP später im Leben", empfiehlt der Haarchirurg aus Berlin.

Wann ist es zu spät für eine Haartransplantation?

Einige Patienten sind nicht geeignet für eine Haar-OP, weil die Haarwurzeln entzündet sind, die Haare zu fein sind oder zu wenig Spenderhaare vorhanden sind. Wer große leere Zonen hat, muss sich auch mit einem Kompromiss zufriedengeben, weil die Menge an Grafts nicht mehr für den ganzen Kopf ausreicht.

"Ich höre immer wieder, dass ungeeignete Patienten trotzdem operiert werden. Dabei sollten Ärzte und Ärztinnen verantwortungsvoll handeln und so etwas ablehnen", mahnt Dr. Andreas Finner.

Gibt es Unterschiede zwischen Frauen und Männern bei Haartransplantationen?

Es gibt keine wesentlichen Unterschiede. Die persönliche Eignung ist entscheidend. Frauen haben eher einen großflächigen Haarausfall am Oberkopf. Ebenso können Geheimratsecken auftauchen. Für Frauen, die nur noch ganz dünne Haare auch am Hinterkopf haben, ist eine Haar-OP ebenso wie bei Männern keine Option.

Geht eine medikamentöse Behandlung mit einer Haartransplantation einher?

Unbedingt, beides gehört zusammen und ist Teil der Begleittherapie gegen ein Fortschreiten des Haarausfalls in anderen Zonen. Bei Männern wird oft der Wirkstoff Finasterid als Tablette verschrieben. Es kann zu sexuellen Störungen und anderen Nebenwirkungen kommen. Diese können laut neuen Studien bei äußerlicher Anwendung seltener sein. Männer und Frauen können auch das wachstumsfördernde Minoxidil anwenden, das als Schaum oder Tinktur aufgetragen wird.

Über den Experten:
Dr. Andreas Finner ist Facharzt für Dermatologie und Mitglied des Verbands Deutscher Haarchirurgen e.V. Der Haarchirurg mit einer eigenen Praxis in Berlin ist seit 20 Jahren auf Haarmedizin und Haartransplantation spezialisiert.

Verwendete Quellen:

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