• Ein Großteil der Deutschen hat sich in Umfragen für eine Weiterführung des 9-Euro-Tickets ausgesprochen.
  • Doch wollen die meisten nach ihren Erfahrungen den öffentlichen Nahverkehr auch mehr nutzen?
  • Eine exklusive Umfrage im Auftrag unserer Redaktion zeigt, dass fast jeder zweite Befragte nicht öfter mit den Öffis fahren will.

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Ein Städtetrip am Wochenende, der Besuch bei Verwandten oder die Fahrt in die Arbeit: Viele Deutsche haben von Juni bis August vom 9-Euro-Ticket profitiert. Doch nur jeden dritten Deutschen hat das 9-Euro-Ticket offenbar nachhaltig von den öffentlichen Verkehrsmitteln überzeugt. Das geht aus einer exklusiven, repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag unserer Redaktion hervor. Dabei wurde die Frage gestellt: "Werden Sie den öffentlichen Personennahverkehr aufgrund Ihrer Erfahrungen mit dem 9-Euro-Ticket in Zukunft öfter nutzen?". Befragt wurden ausschließlich Personen, die mindestens einmal das bundesweit gültige 9-Euro-Monatsticket für den ÖPNV genutzt haben.

Gerade einmal 18,6 Prozent der Teilnehmenden antwortete mit "Ja, auf jeden Fall", 15,2 Prozent mit "Eher ja". Jeder fünfte Befragte zeigte sich unentschieden (20,1 Prozent), während 23,2 Prozent "Eher nein" angaben und 22,9 Prozent mit "Nein, auf gar keinen Fall" antworteten.

Besonders Studierende und Auszubildende überzeugt das 9-Euro-Ticket von den Öffis

Auffällig ist, dass das Angebot je nach Beschäftigungsstatus positiv oder eher negativ angenommen wurde. So gaben etwa 62,1 der befragten Studierenden an, künftig öfter auf den ÖPNV setzen zu wollen. Mit diesem Ergebnis sind die Studentinnen und Studenten allein auf weiter Flur. Bei den Selbstständigen und Arbeitnehmern möchte nicht einmal jeder Dritte die Öffis künftig mehr nutzen. Bei Rentnern und Arbeitslosen sind es etwas mehr als jeder Dritte.

Eine stark gegenläufige Tendenz zeigt sich auch bei der Berufsbildung: Vor allem Auszubildende wollen ab sofort häufiger mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Fast jeder Zweite (49,9 Prozent) antwortete mit "Eher ja".

Wer bereits eine Ausbildung oder ein Studium abgeschlossen hat, ist allerdings nicht so leicht zu überzeugen gewesen: Hier gaben rund die Hälfte der Befragten an, die Öffis eher nicht mehr oder auf gar keinen Fall mehr nutzen zu wollen.

Erhebliche Unterschiede je nach Wahlabsicht

Wer vorhat, die SPD, Grüne oder die Linke zu wählen, gab eher an, Bus, Bahn und Co. öfter nutzen zu wollen als jene, die CDU/CSU, FDP oder die AfD wählen wollen. Bei Sympathisanten der Linken, Grünen und der SPD antwortete im Schnitt fast jeder Zweite mit "Ja", während es bei CDU/CSU 23,7 Prozent waren und bei der FPD und AfD gerade einmal 14,9 Prozent.

Besonders auffällig ist die gegenläufige Tendenz der Linken-Wähler. Zwar antworteten 49,2 Prozent mit einem Ja, allerdings gaben auch 39,2 Prozent an, in Zukunft nicht häufiger auf die Öffis umsteigen zu wollen.

Informationen zur Methode: Für die repräsentative Umfrage " Werden Sie den öffentlichen Personennahverkehr aufgrund Ihrer Erfahrungen mit dem 9-Euro-Ticket in Zukunft öfter nutzen?" hat das Meinungsforschungsinstitut Civey die Antworten von 11.800 bevölkerungsrepräsentativ ausgewählten Personen berücksichtigt. Befragt wurden Personen, die mindestens einmal das bundesweit gültige 9-Euro-Monatsticket für den ÖPNV genutzt haben.
Das Gesamtergebnis der Umfrage ist repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren. Alle Teilnehmenden haben unter anderem Daten wie Alter, Geschlecht und Wohnort angegeben und wurden registriert und verifiziert. Civey korrigiert Verzerrungen durch ein mehrstufiges Gewichtungsverfahren. Der Befragungszeitraum war der 30. August bis 6. September 2022. Der statistische Fehler der Ergebnisse beträgt 3,5 Prozent. Zusätzliche Informationen zur Methode finden Sie auf Civey.com und im Civey-Whitepaper.
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9-Euro-Ticket-Nachfolger: Scholz zeigt sich optimistisch

Seit Wochen wird über eine Nachfolge des 9-Euro-Tickets für Busse und Bahnen diskutiert. Nun zeigt sich Bundeskanzler Olaf Scholz zuversichtlich zu einem Folgeangebot. Doch wie könnte das aussehen? (Bildquelle: picture alliance / AA | Abdulhamid Hosbas)