Im Sparstrumpf, auf dem Sparbuch, dem Festgeldkonto oder als Bausparvertrag: Wie legen die Deutschen ihr Geld an? Die Antwort lautet: meistens konservativ. Dabei kann sich die Investition in Aktien richtig lohnen – gerade auch bei nachhaltigen Investitionen.

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"Das Produkt Nummer eins, in das der Deutsche investiert, ist das Sparbuch. Das ist eine absolute Katastrophe", beklagt Christian Klein, Professor am Institut für Betriebswirtschaftslehre der Universität Kassel. Auf den Plätzen zwei und drei folgten das Festgeldkonto und der Bausparvertrag.

Erst danach kommen Aktien. Gegen sie gibt es immer noch viele Vorurteile - dabei winken hier hohe Renditen. Noch größer scheinen die Vorbehalte gegenüber sogenannten nachhaltigen Fonds zu sein.

Allerdings gibt es hier laut dem "Marktbericht Nachhaltige Geldanlagen" aus dem Jahr 2017 einen klaren Aufwärtstrend zu verzeichnen.

Was ist der Unterschied zwischen nachhaltigen Aktien und Fonds und konventionellen?

Eine allgemeingültige Definition, was Nachhaltigkeit bedeutet, gibt es nicht. "Wir reden hier ja unter anderem über ethische Aspekte. Da kann es keine allgemeinen Übereinkünfte geben", so Christian Klein.

In einem Fond sind verschiedene Aktien zu einem Paket zusammengefasst. Ob man hinter allen Unternehmen in einem Fonds stehen kann, ist eine Frage des persönlichen Ermessens. In Deutschland, so Klein, seien beispielsweise viele Menschen nicht mit Atomkraft einverstanden, während die Menschen in Frankreich damit viel weniger ein Problem hätten.

Welche Informationsquellen stehen mir zur Verfügung, wenn ich nachhaltig investieren möchte?

Christian Klein empfiehlt, den Fondsprospekt zu lesen oder sich direkt auf der Seite der Anbieter zu informieren. "Die meisten Fonds, die sich selbst als nachhaltig bezeichnen, haben natürlich Ansätze, um bestimmte ethische Aspekte oder Umweltaspekte umsetzen zu können. Die Vorgehensweise kann sich dabei grundlegend unterscheiden", sagt der Experte.

Gibt es ein einheitliches Gütesiegel?

Für die erste Orientierung gibt es in Deutschland inzwischen auch ein Gütesiegel für nachhaltige Fonds. Das FNG-Siegel steht für "Forum Nachhaltige Geldanlagen". "Die haben sich viele Gedanken über die Mindestkriterien für einen nachhaltigen Fonds gemacht", so Klein.

"'Nachhaltige Geldanlagen' ist die allgemeine Bezeichnung für nachhaltiges, verantwortliches, ethisches, soziales, ökologisches Investment und alle anderen Anlageprozesse, die in ihre Finanzanalyse den Einfluss der sogenannten ESG-Kriterien ("ESG" steht für Umwelt, Soziales und Governance) einbeziehen. Das beinhaltet auch eine explizite, schriftlich formulierte Anlagepolitik zur Nutzung von ESG-Kriterien", heißt es auf der Webseite des Forums. Dort ist auch eine Liste der Unternehmen zu finden, die dem Nachhaltigkeitsprofil von FNG entsprechen.

Wie setzen sich sogenannte nachhaltige Fonds zusammen?

Während manche Fonds Ausschlusskriterien festlegen - beispielsweise, dass sie grundsätzlich nicht in Unternehmen investieren, die etwas mit Waffen zu tun haben -, verfolgen andere den sogenannten "Best-in-class"-Ansatz. Dieser beinhaltet laut Klein, dass dort von jeder Branche das Unternehmen genommen wird, das im Vergleich zu den anderen noch am nachhaltigsten agiert.

"Das bedeutet, überspitzt gesagt, dass sich in Ihrem Fonds auch der Streubombenhersteller mit dem geringsten CO2-Ausstoß befinden kann", so Klein. Viele Anbieter würden aber auch kombinierte Ansätze fahren. "Ein paar Themen lehnen sie ab, und von den anderen suchen sie die besten heraus."

Schneiden nachhaltige Fonds schlechter ab als konventionelle?

"Ich glaube, die Menschen denken, dass nachhaltige Anlagen wie Bioeier sind. Irgendwie tut man etwas Gutes, wenn man sie kauft, auch wenn man es nicht ganz versteht. Dafür zahlt man dann aber auch mehr", so Klein. So sei es aber der empirischen Forschung nach bei nachhaltigen Geldanlagen nicht.

"Es gibt extrem viele Studien, die sich damit befasst haben, und in der überwiegenden Mehrzahl kommen sie zu dem Schluss, dass man nicht auf Performance verzichten muss, wenn man auf Aspekte wie Nachhaltigkeit achtet", stellt der Experte klar.

Ist es für jeden sinnvoll, in Fonds zu investieren?

"Die Frage, ob ich in einen Fonds investiere, ist eine ganz persönliche. Das hat zunächst auch nichts mit Nachhaltigkeit zu tun, sondern mit der persönlichen Situation", so Klein. Wenn jemand zum Beispiel Geld für einen Urlaub gespart habe, dann würde er dringend davon abraten, kurzfristig in Fonds zu investieren.

"Wenn ich aber Geld übrig habe, weil ich beispielsweise etwas geerbt habe und vorhabe, das langfristig zu investieren, über einen Zeitraum von fünf oder zehn Jahren, dann würde ich dringend davon abraten, das Geld auf ein Sparbuch zu tun. Zumindest ein Teil davon würde ich dann in Fonds investieren", so Klein.

Wie geht die Investition in einen Fonds vonstatten?

"Sobald ich mich für einen Fonds entschieden habe, kann ich ihn über einen Online-Broker einfach in den Warenkorb klicken", so der Experte.

Die Theorie empfehle dann, dass man zuerst überhaupt nicht schauen sollte, wie sich dieser Fonds entwickle, sondern ihn einfach erstmal liegen lasse. "Dann schläft man besser."

Muss man in Fonds immer langfristig investieren?

Jedem müsse klar sein, dass man, wenn man in etwas Riskantes investiere, auch ein bisschen Zeit zur Verfügung haben müsse, um abzuwarten, bis sich eine Delle wieder ausgleiche, so Klein. "Das können Monate, das können aber auch Jahre sein."

Kann ich auch anders als in Fonds nachhaltig investieren?

Laut Christian Klein gibt es auch Banken, die nachhaltige Tagesgeldkonten, nachhaltige Girokonten, nachhaltige Kredite und so weiter anbieten. "Das sind Spezialbanken, die leider relativ wenig bekannt sind, beispielsweise die GLS-Bank oder Triodos."

Die GLS-Bank spekuliert mit dem Geld nicht an den Finanzmärkten, sondern gibt Kredite an nachhaltige Unternehmen in Deutschland aus. Sie wurde bereits wiederholt zur "Bank des Jahres" gewählt.

Triodos fördert mit den Einlagen ihrer Kunden Projekte und Unternehmen mit sozialem, ökologischem oder kulturellem Mehrwert.