Sparzinsen gibt es seit Jahren so gut wie keine mehr und Immobilien werden immer teurer. Nachhaltige Investmentfonds können eine langfristige Anlage-Alternative sein.

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“Denn eins ist sicher: die Rente”, hieß es im Bundestagswahlkampf 1986 auf den CDU-Plakaten. Gegenwärtig sind sich viele junge Menschen dagegen sicher: Ihre Rente wird im Alter eben nicht reichen. Wie soll man heutzutage sparen, wenn die Zinsen seit Jahren so gut wie bei null liegen, private Altersvorsorge-Pläne entsprechend nicht einmal die Inflationsverluste wettmachen und Immobilien immer weniger erschwinglich werden?

Nachhaltige Fondssparpläne können schon mit kleinen Beträgen über lange Zeiträume hohe Renditen bringen und genügen gleichzeitig den immer höheren ethischen Ansprüchen von Anlegern. Doch was sind die Kriterien für nachhaltige Fonds und worauf sollten Neulinge beim Investieren achten? Ein Experte gibt Antworten.

Herr Deml, Sie befassen sich schon seit 30 Jahren mit grünem Sparen. Wenn Kunden nicht wollen, dass ihr Geld in der Rüstungsindustrie angelegt oder damit Agrar-Spekulation betrieben wird: Welche Bank ist eine gute Wahl fürs Girokonto?

Herr Deml: Wenn Sie größere Summen auf dem Girokonto haben, ab 10.000 Euro, dann kann man z.B. die GLS-, Triodos- oder Umweltbank empfehlen. Da ist es ausgeschlossen, dass das Geld in die “bösen” Bereiche auf der Kreditseite investiert wird. Wenn Anleger außer einem Girokonto keine anderen Finanzprodukte bei einer Bank und auch nicht viel mehr als ein paar tausend Euro auf dem Konto haben, würde ich allerdings dazu raten, bei der Hausbank zu bleiben, wo man in der Regel noch Filialen und Bankberater hat. Denn wenn ein Kunde nur ein Girokonto hat, ist das für sie Bank trotz gestiegener Gebühren meist nicht kostendeckend.

Seit Anfang der 2000er Jahre wird die private Altersvorsorge verstärkt staatlich gefördert, etwa über die Riester- oder Rürup-Rente. Wie rentabel sind diese privaten Versicherungen gerade angesichts niedrigen Zinsen?

Mit den Niedrigzinsen, die wir seit Jahren schon haben und wahrscheinlich auch noch lange weiter haben werden, ist bei einem Abschluss eines Riester- oder Rürup-Vertrags kaum eine Rendite zu erwarten. Auch wenn die Inflation gerade niedrig ist, gelingt es Ihnen mit solchen Produkten oft nicht einmal, den Inflationsverlust auszugleichen. Bei Kapitallebensversicherungen werden von den eingezahlten Prämien ja auch bis zu 20% an Gebühren und Kosten für den Versicherungsschutz abgezogen, so dass man bei neuen Verträgen selbst bei guter Veranlagung nach Jahren oft nur das rausbekommt, was man eingezahlt hat.

Was empfehlen Sie Anlegern, die eine solche private Altersvorsorge abgeschlossen haben? Kündigen und Verluste für Gebühren in Kauf nehmen oder durchziehen?

Weder noch. In der Regel ist es am günstigsten, den privaten Renten-Vertrag beitragsfrei zu stellen, also nicht zu kündigen, aber die regelmäßigen Zahlungen einzustellen. So wird das Geld, das Sie schon angespart haben, weiter verzinst, wenn auch niedrig. Und die Vertragsabschlusskosten verteilen sich auf mehrere Jahre und fallen damit nicht so ins Gewicht wie bei einer Kündigung. Bei der hätte man auch das Problem, das Geld anlegen zu müssen bei den schon angesprochenen niedrigen Zinsen.

Angenommen, die Zahlungen für die Lebensversicherung sind eingestellt. Was ist denn dann die Alternative, wenn man monatlich 100 bis 200 Euro anlegen möchte und einem gleichzeitig Nachhaltigkeit wichtig ist?

Es gibt sehr viele Fonds im Nachhaltigkeitsbereich, allein in Deutschland mehrere hundert. Einige bieten auch Sparvarianten an, wo Anleger monatlich schon mit 25 bis 50 Euro Fondsanteile ansparen können. Wenn man lange Zeiträume, 20 bis 40 Jahre im Laufe des 20. Jahrhunderts bis heute betrachtet, dann hat man bei Aktien-Fonds mit nachhaltigem Fokus im Schnitt eine Rendite von sieben Prozent. Allerdings gibt es hohe Schwankungen. Man sollte also nur solches Geld anlegen, das man über Jahrzehnte nicht braucht. Von daher ist das keine Anlageform für jemanden, dem fallende Kurse schlaflose Nächte bereiten. Das Minus wird in den Folgejahren auf lange Sicht aufgeholt und sogar wieder überholt. Bei allen anderen Anlagen wie Staatsanleihen, Sparkonto etwa, gleicht die Rendite in der Regel nicht einmal die Inflation aus.

Nun gibt es ja sogenannte nachhaltige Exchange Traded Fonds (ETFs), zum Beispiel Fonds, die den MSCI World Socially Responsible Index (SRI) und Dow Jones Sustainability Index World Enlarged nachbilden. Beim SRI finden sich Microsoft, Pepsico, Procter and Gamble in der Liste. Etwas überraschende Unternehmensnamen. Nachhaltigkeit wird unter anderem darüber definiert, dass es bei den Firmen keine Kinderarbeit gibt oder Umweltstandards eingehalten werden.

Ja, diese Indizes beinhalten viele internationale Großkonzerne, denn die Fonds brauchen ein Mindesthandelsaufkommen. Kleine Unternehmen finden Sie da nicht, stattdessen zum Beispiel Microsoft, Pharmaunternehmen, in manchen Indizes haben Sie sogar Amazon drin. Viele ETFs erfüllen nur wenige Negativkriterien wie keine Rüstung, keine Atomkraft, keine Kinderarbeit. Aber das entspricht natürlich nicht dem, was der Anleger sich vorstellt unter nachhaltigem Investment. Zudem gibt es bei solchen Finanzprodukten keinerlei Finanzierungseffekt für den jeweiligen Sektor: Man kauft Aktien an der Börse, noch so schöne grüne Aktien. In dem Moment, in dem die Aktien gekauft werden, geht das Geld ja aber nicht an die Firma, sondern an den Fondsbesitzer, der die Aktien im selben Moment verkauft.

Wenn Sie dagegen zum Beispiel in Windkraftparks investieren, die nicht an der Börse notieren, ist der Effekt sehr groß: Angenommen, Sie investieren 10.000 Euro, dann haben Sie einen Hebel von fünf zu eins. Das heißt: Mit Ihren 10.000 Euro Eigenkapital kann die Betreibergesellschaft weitere 40.000 Euro Bankkredit bekommen. Sie setzen mit ihren 10.000 also 50.000 Euro in Bewegung, hin zu mehr erneuerbarer Energie im deutschen Stromnetz: Dieser Anteil ist – vor allem durch Wind- und Solarparks - in den letzten 30 Jahren von 4 Prozent auf über 40 Prozent gestiegen.

Nun hört man immer wieder, wer sich mit Aktien nicht auskennt, sollte auch nicht in einzelne Werte investieren.

Nein, das ist hochriskant und sollte niemand machen, der keine Ahnung davon hat. Aber bei Fonds, die mehr als 50, 100 oder mehr Aktien in einem Korb haben, ist das Risiko gestreut. Und wenn man dann Nachhaltigkeitsfonds anschaut, haben die im Schnitt eine höhere Rendite als konventionelle Fonds, die keinerlei ökologische oder soziale Kriterien für die Unternehmen haben, in die investiert wird. Gerade jetzt in der Corona-Krise sind die Entwicklungen konventioneller Fonds häufig negativ, weil Anteile an Fluggesellschaften, Hotels, Erdöl- oder Autokonzernen dabei sind, die bei den Nachhaltigkeitsfonds nicht drin sind. Nachhaltige Fonds sind also krisensicherer. Die haben vor allem einen Fokus im Bereich erneuerbare Energien. Nehmen Sie beispielsweise den PPVX-Index, der die Aktien der weltweit 30 grössten Solar-Unternehmen umfasst. Der ist in den letzten 17 Jahren um gut 1.000 Prozent gestiegen, während der Erdöl-Aktien-Index nicht einmal um 10% höher liegt als 2003. Der Natur-Aktien-Index nx-25 liegt seit 1997 sogar mehr als 1.400 Prozentpunkte besser als der „konventionelle“ MSCI-Weltaktien-Index mit Apple, Amazon & Co.

Die Kurse fallen und steigen immer wieder, entwickeln sich langfristig positiv, also spielt es im Prinzip keine Rolle, wann Anleger anfangen zu investieren?

Genau, es ist immer ein guter Zeitpunkt, am besten allerdings nach einem Crash. COVID-19 hat solch einen Crash verursacht. Wenn Sie im März, als viele Kurse z.B. um 50% gesunken sind, gekauft haben, haben Sie bis jetzt z.B. 100 Prozent Gewinn gemacht. Denn fast alle Aktien haben das Niveau von vor dem Crash wieder erreicht.

Sagen wir, das Sparziel ist 50.000 Euro innerhalb von 20 Jahren. Wie viel müsste man bei einer durchschnittlichen Rendite von sieben Prozent monatlich in einen grünen Aktienfonds-Sparplan einzahlen?

Schätzungsweise unter 150 Euro im Monat. Je mehr Sie schon angespart haben, desto stärker wirkt dann natürlich auch die Rendite.

Wenn man nun also ethisch anlegen möchte, zu welchem Vorgehen raten Sie? Fonds recherchieren und zur Hausbank?

Am Anfang steht die Entscheidung, wie viel Geld über die kommenden zehn bis 20 Jahre nicht gebraucht wird. Dann sollten sich Anleger nach einem Fonds umschauen und einer Bank. Die Hausbanken, bei denen viele Kunden sind, bieten in der Regel keine Sparverträge für diese nachhaltigen Investmentfonds an. Wer die Disziplin hat, ohne Dauerauftrag Geld anzusparen, kann auch direkt einmal im Jahr in einen Fonds investieren, statt per Dauerauftrag in einen Sparvertrag einzuzahlen, denn da fallen Gebühren an. Viele Onlinebanken haben deutlich niedrigere Gebühren für Fondsanteilskäufe als so manche Hausbank. Die haben dafür aber auch Berater und Filialen.

Über den Experten: Max Deml gibt seit 1990 das Handbuch “Grünes Geld” heraus und ist seit 1991 Chefredakteur des Ökoinvest-Börsenbriefs. Darüber hinaus hat er Beiratsmandate bei Versicherungen und Fonds und ist Investor bei unterschiedlichen Unternehmen mit nachhaltigem Fokus.
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