• Zinsen für das hart Ersparte zu bekommen, wird für Anleger immer schwieriger.
  • Der Grund ist, dass Banken seit 2019 Strafzinsen bei der Europäischen Zentral­bank zahlen. Immer mehr von ihnen geben diese an ihre Kundschaft weiter.
  • Die gute Nachricht: Mit wenig Aufwand können Sie noch Konten finden, die Erträge liefern.

Mehr Verbraucherthemen finden Sie hier

Waren das noch Zeiten, als Sparerinnen und Sparer von ihrer Bank Jahr für Jahr üppige Zinsen bekamen. Nicht selten lagen die Zinssätze bei fünf oder sechs Prozent. Doch das ist lange her. Immer magerer sind die Renditen seitdem geworden.

Und nicht nur das: Immer mehr Geldinstitute sind inzwischen dazu übergegangen, die Negativzinsen an ihre Kunden weiterzugeben - zumindest ab größeren Freibeträgen. "Allein seit Jahresanfang haben mehr als 150 Banken und Sparkassen Negativzinsen für Privatkunden eingeführt", sagt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen.

Nach der jüngsten Auswertung des Vergleichsportals Verivox erheben inzwischen 349 Banken und Sparkassen ein sogenanntes Verwahrentgelt bei größeren Summen auf dem Tagesgeld- oder Girokonto (Stichtag: 29.Juni). Das sind 171 mehr als Ende 2020.

5.000 Euro bei einigen Banken schon die Schwelle

Grund dafür ist die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Notenbank will Geldinstitute animieren, ihre überschüssige Liquidität als Kredite an die Realwirtschaft weiterzureichen, um so die Wirtschaft zu stärken. Für Einlagen bei der EZB müssen Geldinstitute daher seit September 2019 0,5 Prozent zahlen. Diesen Negativzins geben die Geldinstitute an ihre Kundinnen und Kunden weiter.

"So mancher Anbieter geht auch einen Schritt weiter und setzt das Verwahrentgelt höher als die EZB an", erklärt Oelmann. So verlangen einige Geldinstitute von Kunden 0,7 Prozent. Zudem ist die Schwelle, ab der das Verwahrentgelt fällig wird, gesunken - von anfänglich 100.000 Euro auf inzwischen 5.000 Euro bei einigen Anbietern.

Entgelte sind juristisch heiß umstritten

Ob die Einführung solcher Verwahrentgelte rechtens ist, ist juristisch umstritten. Generell gilt: Eine Bank darf Negativzinsen beziehungsweise Verwahrentgelte bei Bestandskunden nicht einseitig einführen. "Zunächst muss das Geldinstitut informieren, dann das Einverständnis des Kunden einholen", betont Duygu Damar vom Institut für Finanzdienstleistungen (iff) in Hamburg. Darüber treffen beide Seiten eine sogenannte Individualvereinbarung.

In der Praxis funktioniert das aber nicht in jedem Fall so offensiv. Manche Geldinstitute schicken Kunden Schreiben, in denen sie auf Preisänderungen hinweisen. Widersprechen die Kunden nicht, werden die Änderungen wirksam. Doch dieser Praxis der Änderung von Gebühren hat der Bundesgerichtshof gerade erst einen Riegel vorgeschoben. Geldinstitute dürfen laut BGH Gebühren nur mit aktiver Zustimmung der Kundinnen und Kunden erhöhen (Az.: XI ZR 26/20).

Sparkasse im Visier der Verbraucherschützer

Die Verbraucherzentrale Sachsen lässt zudem vor dem Landgericht Leipzig die Einführung eines Verwahrentgelts der Sparkasse Vogtland prüfen (Az.: 05 O 640/20). Die Sparkasse hatte ab dem 1. Februar 2020 mittels Preisaushang auf allen neuen Privatgirokonten und auch bei einem Kontomodellwechsel ein Verwahrentgelt in Höhe von minus 0,7 Prozent ab einer Einlage von 5.000,01 Euro eingeführt. Gezahlt werden muss es zusätzlich zu den Kontoführungsgebühren.

Dass hier sowohl Neukunden als auch Bestandskunden von der konkreten Vorgehensweise der Sparkasse betroffen gewesen wären, ist aus Sicht der Verbraucherschützer nicht rechtens. Auch die Doppelbepreisung ist aus Sicht der Verbraucherzentrale unzulässig.

Wechsel zu anderer Bank prüfen

Kunden, die mit Negativzinsen nicht einverstanden sind, können über einen Bankenwechsel nachdenken. Bei der Suche nach einem anderen Anbieter helfen Vergleiche, zum Beispiel die der Stiftung Warentest, die ihre entsprechenden Online-Ratgeber regelmäßig aktualisiert. Die Ergebnisse zeigen: Manche Anbieter zahlen ihren Kunden durchaus noch Zinsen. Nach Angaben der FMH-Finanzberatung gibt es Angebote mit deutscher Einlagensicherung von 0,15 Prozent (Stand: 1.7.21).

"Sparer, die noch etwas für ihr Geld bekommen wollen, müssen sich an Online­konten bei meist ausländischen Banken gewöhnen", heißt es von der Stiftung Warentest. Das sei jedoch kein Problem, da ein Online­konto nicht weniger sicher als das Konto bei der Filial­bank sei und sich deshalb gut eigne als zusätzliches Konto zum Geldparken. Unter den Spitzenreitern für Festgelder findet sich bei der Stiftung Warentest beispielsweise die niederländische Leaseplan Bank. Bei einem Jahr Laufzeit wird dort ein Festgeld von mindestens 1.000 Euro mit 0,45 Prozent und bei zwei Jahren Laufzeit mit 0,55 Prozent verzinst.

Vor Wechsel genau informieren

Wer ein neues Konto eröffnen möchte, sollte sich im Vorfeld grundsätzlich genauf informieren. "Es besteht keine Garantie, dass die neue Bank künftig keine Negativzinsen einführen wird", sagt Duygu Damar. "Bei Neuverträgen können Banken in ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen die negative Verzinsung als Preisabrede aufnehmen", sagt Damar.

Wer nicht gleich komplett die Bank wechseln will, kann sein angespartes Vermögen auch aufteilen. Ein Teil des Geldes kann auf ein Festgeldkonto fließen. Hier gibt es laut FMH bei Laufzeiten zwischen sechs Monaten und drei Jahren zwischen 0,05 Prozent und 1,14 Prozent Zinsen. Der Nachteil: Das Geld ist für die Laufzeit gebunden. (dpa/af)

Verwendete Quellen:

  • dpa: "Rendite im Sinkflug: Was tun gegen Negativzinsen?", 8. Juli 2021; ",Finanztest'": Wo es noch 0,2 Prozent Zins auf Tagesgeld gibt, 17. Mai 2021.
  • Stiftung Warentest: "Keine Angst vor Negativzinsen", 4. Juni 2021.

Diese Gewohnheiten kosten unnötig Geld

Am Ende des Monats ist das Konto leer? Das muss nicht sein! Wer diese vier Fehler vermeidet, kann ganz einfach Geld sparen.