• Digitale Zähler werden nach und nach die analogen Stromzähler ersetzen.
  • Wo die Vorteile liegen und wer wann mit einem neuen Gerät rechnen kann.

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Sie sind ein Relikt aus vordigitalen Zeiten: Die meist im Keller montierten schwarzen Kästen mit der Drehscheibe und den rotierenden Ziffern, die den Stromverbrauch messen. Ihre Tage sind jedoch gezählt, die alten analogen Zähler werden nach und nach durch digitale Messgeräte oder sogenannte Smart Meter ersetzt. Sie sollen für mehr Transparenz beim Verbrauch sorgen – und so Haushalten helfen, Einsparpotenziale zu erkennen. Bislang kommt der Zählertausch allerdings nur schleppend voran. Die Bundesregierung will nun für mehr Tempo sorgen. Was man über die neuen digitalen Messgeräte wissen sollte.

Was ist ein Smart Meter?

Ein Smart Meter besteht aus zwei Komponenten: einem digitalen Zähler, der den Stromverbrauch des Haushalts erfasst, und einem Modul, das die Daten an den sogenannten Messstellenbetreiber, meist die örtlichen Stadtwerke, überträgt und auch umgekehrt Signale empfangen kann. Im Amtsdeutsch heißt der Zähler "moderne Messeinrichtung" und das Funkmodul "Smart Meter Gateway". Zusammen bilden sie das "intelligente Messsystem", ein anderer Begriff für Smart Meter.

Der Messstellenbetreiber leitet die vom Smart Meter empfangenen Daten an den Stromversorger und den lokalen Netzbetreiber weiter. Wer dagegen nur einen digitalen Zähler, also einen Zähler ohne Funkmodul, erhält, muss den Verbrauch wie gewohnt selbst auslesen und seinem Versorger melden. In Mehrparteienhäusern übernimmt diese Aufgabe oft auch ein Ablesedienst oder der Hausmeister.

Wer bekommt jetzt welchen Zähler?

"Alle Haushalte erhalten in den kommenden Jahren mindestens eine moderne Messeinrichtung, also einen digitalen Stromzähler", erklärt Fabian Fehrenbach, Referent Energierecht bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

Einen Smart Meter dagegen bekommen standardmäßig nur Haushalte mit einem jährlichen Verbrauch von mehr als 6.000 Kilowattstunden – was sehr viel ist, liegt der durchschnittliche Stromverbrauch eines Haushalts mit vier Personen doch laut dem Vermittlungsportal Check24 bei 4.250 Kilowattstunden. Unabhängig vom Verbrauch sind darüber hinaus Betreiber von Photovoltaik-Anlagen mit einer Leistung von mehr als sieben Kilowatt sowie von fernsteuerbaren Wärmepumpen verpflichtet, einen Smart Meter einbauen zu lassen.

Nach Berechnungen des Digitalverbandes Bitkom waren bis Anfang 2022 hierzulande allerdings erst 150.000 Smart Meter installiert. Daher hat die Bundesregierung im Sommer beschlossen, deren Einbau mit einer Überarbeitung des Rechtsrahmens zu beschleunigen. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat Ende Oktober angekündigt, dafür in den nächsten Wochen einen Entwurf vorzulegen.

Was bringen digitale Zähler und Smart Meter den Haushalten?

Die meisten digitalen Zähler zeigen auf ihren Displays an, wie viel Strom ein Haushalt am laufenden Tag, in der Woche, im Monat und im Jahr verbraucht hat. Die Daten lassen sich rückwirkend für bis zu zwei Jahre darstellen. Das soll den Verbrauchern helfen, Stromfresser im Haushalt zu erkennen. Gerold Happ, Mitglied der Geschäftsführung des Eigentümer-Verbandes Haus & Grund, bezweifelt allerdings, dass die digitalen Zähler den Haushalten wirklich nutzen. "Oft sind die Zähler im Keller montiert. Man muss schon sehr motiviert sein, dort nachzuschauen, wie sich der Stromverbrauch entwickelt. Und selbst wenn das der Fall ist, schwindet die Motivation doch erfahrungsgemäß schnell", erklärt er.

Viel bequemer ist der Zugang zu den Informationen dagegen mit einem Smart Meter. Da die Geräte in der Lage sind, Daten zu versenden, können die Stromkunden ihren Verbrauch über eine App auf dem Smartphone oder dem Computer einsehen. "Digitale Daten, auf die jederzeit zugegriffen werden kann, bieten deutlich mehr Transparenz als die jährliche Stromrechnung per Post oder der Stromzähler im Keller, der noch per Hand abgelesen werden muss", sagt Alexander Steinfeldt, Projektleiter bei der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft CO2online.

Darüber hinaus machen es Smart Meter auch möglich, zeitvariable Stromtarife in Anspruch zu nehmen. Das Besondere an diesen Tarifen ist, dass sich die Kosten pro Kilowattstunde im Stundentakt verändern, abhängig von der Preisentwicklung an der Strombörse. Was die Kunden jeweils für den Strom bezahlen müssen, bekommen sie am Vortag angezeigt. Mit einem solchen Tarif könnten sie etwa die Waschmaschine oder den Geschirrspüler gezielt dann laufen lassen, wenn der Strompreis gerade niedrig ist. Allerdings ist das Angebot an solchen Tarifen hierzulande noch sehr überschaubar. Mit zunehmender Zahl von Smart Metern dürfte es jedoch auch mehr dieser dynamischen Tarife geben.

Was müssen Haushalte für einen digitalen Zähler oder einen Smart Meter zahlen?

Der Einbau ist jeweils gratis. Im Gegenzug können die Messstellenbetreiber laut Gesetz für den Betrieb digitaler Zähler aber bis zu 20 Euro im Jahr verlangen – etwas mehr als für die analogen Zähler, für die Haushalte im Durchschnitt etwa 13 Euro im Jahr bezahlen müssen. Der Betrag ist in der monatlichen Grundgebühr enthalten, die Kunden an ihre Stromversorger zahlen müssen. Deutlich teurer wird es mit einem Smart Meter: "In Haushalten mit mehr als 6.000 Kilowattstunden Verbrauch oder Wärmepumpen sowie Photovoltaik-Anlagen mit einer Leistung zwischen 7 und 15 Kilowatt dürfen die Messstellenbetreiber bis zu 100 Euro im Jahr berechnen", sagt Fehrenbach.

Kann man sich auch in Eigeninitiative einen Smart Meter einbauen lassen, unabhängig vom Stromverbrauch?

Ja, jeder Haushalt kann sich freiwillig für einen Smart Meter statt für einen einfachen digitalen Zähler entscheiden. Das muss beim zuständigen Messstellenbetreiber beantragt werden. Allerdings gilt dann die gesetzlich festgelegte Preisobergrenze nicht mehr. Eine alternative Lösung bietet der Stromversorger Tibber: eine Funkeinheit, die nachträglich auf den vorhandenen digitalen Zähler gesetzt wird, um die Verbrauchsdaten auszulesen. Sie überträgt die Informationen dann per W-Lan auf Smartphone oder Computer des Kunden. Wer keinen Strom von Tibber bezieht, muss für das Modul einmalig 140 Euro bezahlen.

Kann man sich gegen den Einbau eines digitalen Stromzählers oder eines Smart Meter wehren?

Nein, sagt Verbraucherschützer Fehrenbach – allenfalls könne man zu einem anderen Messstellenbetreiber wechseln, der eventuell ein günstigeres Angebot macht. "Dort könnten die Preise aber auch höher liegen, denn die gesetzlich geregelten Preisobergrenzen gelten bei einem Anbieterwechsel nicht", so Fehrenbach. Dazu komme, dass es bislang erst wenige alternative Messstellenbetreiber am Markt gibt.

Wie ist es um die Datensicherheit bestellt?

"Wie bei jedem Gerät, das Daten über Funk oder Kabel versendet, ist ein intelligentes Messsystem durch Personen und Unternehmen mit kriminellen Absichten grundsätzlich angreifbar", erklärt Fehrenbach. Deshalb stellen Gesetze, die das Smart Meter betreffen, hohe Anforderungen an die Sicherheit der Software und Hardware der Messstellenbetreiber. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) prüft, ob die Vorgaben erfüllt werden. Es dürfen nur Geräte installiert werden, die vom BSI freigegeben worden sind. Dabei ist die Behörde sehr streng: Bislang haben die Experten erst für wenige Smart Meter Gateways grünes Licht gegeben.

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Gibt es Smart Meter auch für die Heizwärme?

Auch bei der Wärmeversorgung halten Smart Meter Einzug: Die im Dezember letzten Jahres in Kraft getretene Neufassung der Heizkostenverordnung verlangt, dass alle neu installierten Zähler aus der Ferne ablesbar sein müssen. Bestehende Zähler müssen bis Ende 2026 durch Smart Meter ersetzt werden. Der jährliche Besuch des Heizungsablesers ist damit Vergangenheit. Mit dem Einbau der neuen Zähler werden Vermieter verpflichtet, ihre Mieter monatlich über Energieverbrauch und -kosten zu informieren.

Angesichts der hohen Gas- und Fernwärmepreise könnten solch eng getaktete Informationen den Bewohnern einen Anreiz geben, ihr Verbrauchsverhalten zu ändern. Denn schließlich sehen sie so nicht erst bei der Jahresabrechnung, was es bringt, wenn sie die Heizung weniger stark aufdrehen oder kürzer duschen.

Sperren können sich Vermieter gegen den Einbau von smarten Zählern zur Erfassung des Heiz- und Warmwasserverbrauchs nur dann, wenn mit dem Einbau untragbar großer technischer Aufwand und damit hohe Kosten verbunden wären, sagt Haus-und-Grund-Experte Gerold Happ – "etwa, wenn das Funksignal von den Wänden abgeschirmt würde, sodass bauliche Veränderungen nötig wären, um die Daten zu übertragen. Aber das gilt nur für ganz, ganz wenige Einzelfälle."

Dieser Beitrag stammt vom Journalismusportal RiffReporter. Auf riffreporter.de berichten rund 100 unabhängige JournalistInnen gemeinsam zu Aktuellem und Hintergründen. Die RiffReporter wurden für ihr Angebot mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet.

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