Nach den Anschlägen in Paris, Istanbul und Brüssel ist der Terror allgegenwärtig. Das bekommt auch die Reisebranche zu spüren. Wie sieht die Situation momentan aus? Wir haben nachgefragt.

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Vor allem am östlichen Mittelmeer und in Ägypten macht sich die Angst vor Anschlägen in der Nachfrage bemerkbar. Laut dem Deutschen Reiseverband (DRV) lagen die Buchungen für diese drei Länder Anfang des Jahres rund 40 Prozent niedriger als 2015.

Aber gibt es deshalb tatsächlich Angebote wie: Zehn Tage Urlaub in der Türkei für unter 100 Euro?

Torsten Schäfer bezweifelt das sehr. "Für mich sind das Gerüchte. Niemand hat etwas zu verschenken", erklärt der Leiter der Kommunikation beim Deutschen Reiseverband gegenüber unserer Redaktion.

Der Reiseveranstalter Alltours wirbt gerne mit günstigen Preisen, derartige Dumpingangebote gibt es bei dem Düsseldorfer Unternehmen jedoch nicht.

"Unserer Meinung nach helfen solche Angebote dem Tourismus in der Türkei auch nicht weiter. Die Hoteliers in der Türkei und Nordafrika haben schon vor Wochen damit begonnen, die Preise zu senken. Weitere Preisabschläge können nicht wirtschaftlich sein", erklärt Pressesprecherin Alexandra Hoffmann.

Sicherheit an erster Stelle

Helfen Rabatte überhaupt, die Leute wieder für Länder wie die Türkei oder Ägypten zu begeistern und Sicherheitsbedenken zu zerstreuen? "Nur zum Teil", erklärt Tino Herrling, Pressereferent beim Reiseportal "ab-in-den-Urlaub.de", auf Nachfrage.

"Auf der einen Seite ist und bleibt die Sicherheit am Reiseziel eine wichtige Komponente. Auf der anderen Seite zählt für unsere Kunden aber auch Qualität und Service. Und davon haben Orte an der türkischen Riviera oder im ägyptischen Hurghada nichts verloren", betont Herrling.

Zahlreiche Reiseveranstalter haben deshalb neben günstigen Angeboten weitere Strategien entwickelt. Sie bieten zum Beispiel zusätzliche Stornierungs- und Umbuchungsoptionen für die betroffenen Destinationen an. "Diese wissen unsere Kunden sehr zu schätzen. Das wird gut angenommen", sagt Herrling.

Bleibt die Frage, ob die momentan weniger nachgefragten Ziele auch wirklich so gefährlich sind, wie es so mancher annimmt. Das ließe sich nicht generell beantworten, meint Tourismusexperte Torsten Schäfer.

"Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nirgendwo auf der Welt. Weder in einem Urlaubsland noch in Deutschland", betont der DRV-Sprecher. Letztendlich zählt das individuelle Sicherheitsgefühl jedes Einzelnen. Nach diesem entscheide der Reisende, welches Ziel er für seinen Urlaub wähle.

Der Deutsche Reiseverband spricht keine Empfehlungen oder Warnungen für Reiseziele aus. Schäfer rät, sich an den Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amtes zu orientieren. Diese hätten die Lage gut im Blick und könnten die Situationen in den jeweiligen Ländern einschätzen.

Trend zu Fernreisen

Wohin also reisen, wenn einem die Länder am östlichen Mittelmeer oder am Roten Meer zu unsicher erscheinen? Die Reiseveranstalter sehen einen eindeutigen Trend: "Generell sind Ziele im westlichen Mittelmeer dieses Jahr gefragter denn je. Hervorzuheben ist vor allem die iberische Halbinsel. Häufig gebucht werden zudem Fernreisen.

Destinationen in Fernost, beispielsweise Thailand und Bali, aber auch in Nordamerika legen deutlich zu", so Pressereferent Tino Herrling von "ab-in-den-Urlaub.de". Ähnlich sieht es bei Alltours aus: "Wir verspüren eine deutliche Nachfrageverlagerung ins westliche Mittelmeer, insbesondere Spanien. Aber auch Bulgarien boomt", erklärt Sprecherin Alexandra Hoffmann.

Allein bei den Kanarischen Inseln hat das Unternehmen zu Beginn des Jahres ein Buchungsplus von 25 Prozent verzeichnet. Bei Fernreisen liegen die Buchungen sogar bei über 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Urlaubsflüge in die Dominikanische Republik, Mexiko und Thailand sind sehr gefragt.

Auch Tourismusfachmann Torsten Schäfer sieht für den gesamten Reisemarkt nicht schwarz: "Der Buchungsmotor kommt in Schwung." Schon im Februar seien die Buchungszahlen besser ausgefallen als noch im Januar. "Auch die Türkei wird gebucht", sagt er. Und die Sommerferien stehen erst noch bevor.

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