Vor zwei Jahren meldete der Drogerie-Konzern Schlecker Insolvenz an. Eine finanzielle Hilfe lehnte die damalige Bundesregierung ab, am Ende ging das Unternehmen pleite. Die knapp 25.000 Beschäftigten verloren nach und nach ihren Job, darunter vor allem Verkäuferinnen. Was aus den sogenannten "Schlecker-Frauen" wurde.

"Anschlussverwendung" wäre im Jahr 2012 fast zum Unwort des Jahres gewählt worden. Den Begriff aus der Schlecker-Krisenrhetorik schuf der damalige Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler, nachdem die Bundesregierung eine finanzielle Hilfe für die insolvente Drogeriemarkt-Kette abgelehnt hatte. Den "Schlecker-Frauen" riet er, sich schnellstmöglich einen neuen Job zu suchen, die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt seien gut, meinte er damals.

Die damalige Arbeitsministerin Ursula von der Leyen präsentierte gleich eine konkrete Idee für eine mögliche "Anschlussverwendung". Weil in Deutschland tausende Erzieherinnen fehlen würden, sollten die sogenannten "Schlecker-Frauen" umschulen und statt weiterhin im Verkauf tätig zu sein, lieber Kinder erziehen. Doch daraus wurde nichts, wie die Zeit gezeigt hat.

Ver.di: Knapp 40 Prozent sind immer noch arbeitslos

Ende März 2013 hat die Bundesagentur für Arbeit aufgehört, den Werdegang der arbeitslosen Schlecker-Mitarbeiter zu verfolgen. Nach zwölf Monaten Arbeitslosigkeit sei der Verbleib nicht mehr sinnvoll nachvollziehbar, erklärte die Bundesagentur für Arbeit. Nach den letzten Zahlen suchten von zunächst 23.476 arbeitslos gemeldeten Personen noch immer 9.127 einen Job. Recherchen von der Gewerkschaft ver.di im Dezember 2013 ergaben ähnliche Zahlen. Demnach seien bis dahin noch knapp 40 Prozent der ehemaligen Schlecker-Beschäftigten ohne Arbeit gewesen.

Etwa 3.000 seien von anderen Drogeriemärkten – zumeist unbefristet und tarifgerecht - übernommen worden, berichtet ver.di auf Anfrage unseres Portals. Den anderen sei überwiegend berufsfremde Arbeit wie zum Beispiel in Call-Centern angeboten worden, meist nur in Teilzeit, befristet oder in geringfügiger Beschäftigung. Die dabei genannten Stundenlöhne lägen zwischen 6.50 bis 8.50 Euro.

Nur etwa 50 Schlecker folgten dem Rat von von der Leyen

Anders als von Rösler nach der Pleite behauptet, habe der Arbeitsmarkt gerade für die "Schlecker-Frauen" keine besonders guten Möglichkeiten geboten, sagt Andreas Henke, Pressesprecher des ver.di-Landesbezirks Baden-Württemberg. Viele hätten zuvor Vollzeit gearbeitet, im Handel werde aber überwiegend Teilzeit angeboten. "Wenn Schlecker der letzte Nahversorger vor Ort war, gibt es logischerweise in diesem Ort auch keine andere Stelle im Handel", erklärt Henke.

Auch die Idee von von der Leyen ging laut ver.di an der Realität vorbei. "Nur etwa 50 'Schlecker-Frauen' sind dem 'wohlmeinenden Rat' der Arbeitsministerin gefolgt und befinden sich in Ausbildung zur Erzieherin", sagt Henke. Dass die Zahl so gering ist, liegt auch daran, dass sich die Arbeitsagentur nur begrenzt an den Kosten für die Umschulung beteiligt. "Die Ausbildung zur Erzieherin dauert drei Jahre, aber die Arbeitsagentur finanziert nur zwei Jahre", erläutert Henke.

Rund 170 Beschäftigte nahmen laut ver.di ihr Schicksal selbst in die Hand, machten sich selbstständig und übernahmen zum Teil ehemalige Schlecker-Filialen in Eigenregie. Das sei zwar mit einem hohen finanziellen Risiko verbunden, sagt henke, erspare ihnen aber das Abrutschen in Hartz IV.

Denn das droht den bislang noch nicht vermittelten ehemaligen Mitarbeitern spätestens jetzt, zwei Jahre nach der Schlecker-Insolvenz, .