Jeder Deutsche verbraucht 121 Liter Trinkwasser täglich. Aufgrund des Klimawandels und steigender Schadstoffeinträge ins Grundwasser warnen Experten vor Trinkwasserknappheit und höheren Preisen.

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Sauberes, klares Trinkwasser aus dem Hahn zu jeder Zeit und zu geringen Kosten - daran haben sich die Deutschen über Jahrzehnte gewöhnt. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern hat Wasser aus dem Hahn bei uns Trinkwasserqualität, Versorgungsunterbrechungen gibt es kaum. Und der Preis ist extrem günstig. 1.000 Liter Trinkwasser kosten im Durchschnitt 1,69 Euro, sodass eine Familie mit zwei Kindern rund 299 Euro pro Jahr für ihren Wasserbedarf ausgibt.

Drohende Dürrezeiten

Die Wasserversorger warnen jedoch vor einem neuen Hitzesommer und möglichen Engpässen in der Versorgung. "Eine Ursache ist der Klimawandel, mit dem die Wahrscheinlichkeit für mehrere trockene und heiße Sommer steigt", erklärt Berthold Niehues, Leiter Wasserversorgung im DVGW, dem Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches.

"Schon jetzt kann man sagen, dass das Frühjahr im Vergleich zu langjährigen Mittelwerten viel zu warm und trocken war." Setzt sich dieser Trend fort, kann das zu einem weiteren Dürresommer führen.

Der Super-Sommer 2018 hat die Leistungsfähigkeit der Versorgungssysteme einem Stresstest unterzogen. Flüsse und Seen verzeichneten äußerst niedrige Pegelstände, in einigen Regionen herrschte bereits Trinkwasserknappheit.

"Mehrere aufeinanderfolgende Hitze- und Trockenperioden können ebenso wie weitere Stressfaktoren die Netze in den roten Bereich führen und die sichere Versorgung mit unserem wichtigsten Lebensmittel ernsthaft gefährden", warnt Niehues. Da sind nicht nur die Wasserversorger gefragt, auch Politik, Industrie und Landwirtschaft müssen Verantwortung übernehmen und konstruktiv zusammen arbeiten.

Trinkwasser-Ressourcen schützen

Derzeit werden 70 Prozent des Trinkwassers aus Grund- und Quellwasser, 15 Prozent aus See-, Talsperren- oder Flusswasser sowie weitere 15 Prozent aus Uferfiltrat oder künstlich angereichertem Grundwasser gewonnen.

Generell sollten Wasserressourcen so beschaffen sein, dass daraus Trinkwasser ohne Aufbereitung oder mit einfachen, naturnahen Aufbereitungsverfahren gewonnen werden kann.

Damit dies so bleibt, sind zum einen umfangreiche Instandhaltungsmaßnahmen notwendig. Wasserversorger investieren jedes Jahr große Summen in den Erhalt der Netze, dennoch sind viele Rohre wartungsbedürftig oder müssen erneuert werden. Insbesondere im ländlichen Raum mit langen Zuleitungen und wenig Abnehmern entstehen dafür hohe Kosten.

Die Politik ist ebenfalls gefragt. "Im Wasserhaushaltsgesetz müssen die vorrangigen Nutzungsansprüche der Wasserversorgung wieder aufgenommen werden", betont der DVGW-Experte. Die Realität sieht derzeit noch anders aus.

Oftmals wird bei der Planung einer Flächennutzung rein wirtschaftlichen Interessen der Vorrang gewährt. Die Qualität der Trinkwasser-Ressourcen ist jedoch maßgeblich von den Nutzungen auf den jeweiligen Flächen abhängig.

Folgen der Überdüngung

Eine weitere wichtige Rolle spielt die Landwirtschaft. "An mehr als 25 Prozent der Vorfeldmessstellen in den Wassergewinnungsgebieten wird der Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat je Liter überschritten", erklärt Berthold Niehues. "Gleichzeitig zeigen hydrogeologische Untersuchungen, dass das natürliche Nitratabbauvermögen im Grundwasser vielerorts in den kommenden Jahren erschöpft sein wird oder mancherorts bereits ist.

"Ursache sind die Nitratbelastungen, die durch intensives Düngen landwirtschaftlicher Flächen in den Boden und die Gewässer eingetragen werden.

Gelingt es nicht, die Belastung durch Gülle und andere stickstoffhaltigen Düngemittel merklich zu reduzieren, drohen durch die nötige Wasseraufbereitung Kostensteigerungen für die Verbraucher. "Um bis zu 60 Prozent könnten die Trinkwasserpreise nach Berechnungen des Umweltbundesamtes steigen", zeigt Niehues mögliche Konsequenzen auf.

Das können Verbraucher tun

In Gewässern finden sich nicht nur belastende Stoffe aus Landwirtschaft und Industrie, sondern auch Arzneimittel und Kosmetika aus privaten Haushalten. Verbraucher können daher aktiv dazu beitragen, die Verschmutzung der Wasserressourcen durch Schadstoffeinträge zu minimieren. "Besonders wichtig ist es, Medikamente nicht in der Toilette zu entsorgen", betont Berthold Niehues. "Arzneimittelrückstände stellen mittlerweile ein wachsendes Problem dar."

Für die meisten Deutschen ist Wassersparen bereits selbstverständlich. Seit 1991 ist die Trinkwassernutzung um 23 Liter auf 121 Liter pro Kopf / Tag gesunken. Der sorgsame Umgang mit Wasser ist weiterhin sinnvoll.

Wenn Niederschläge weniger werden oder das Regenwasser zu großen Teilen oberflächlich abfließt, hilft der sparsame Umgang mit dem kostbaren Gut, den Wasserhaushalt zu entlasten.

Verwendete Quellen:

  • www.dvgw.de: "Mit Sicherheit Qualität - nichts ist so wertvoll wie unser Trinkwasser"
  • www.umweltbundesamt.de
  • Interview Berthold Niehues
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