Ende September werden Hunderte tote Fische, Seesterne und Robben an Kamtschatkas Strand gespült. Nun glauben die russischen Behörden, den Auslöser des Massensterbens gefunden zu haben. Tierschützer bezweifeln das.

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Die Fische sehen aus, als seien sie gekocht worden, auf den Wellen schwimmt grün-gelber Schaum. Hunderte tote Meerestiere wurden an den Strand gespült. Was sich die vergangenen Wochen in Kamtschatka abspielte, ist eine Naturkatastrophe - und das womöglich im wörtlichen Sinn.

Das massenhafte Sterben vor der Küste der russischen Halbinsel dürfte nach Angaben der Behörden auf eine natürliche Ursache zurückgehen. Staatliche Experten gehen davon aus, dass Phytoplankton - auch pflanzliches Plankton genannt - die Katastrophe ausgelöst hat. Es besteht etwa aus Kieselalgen, Grünalgen, Cyanobakterien und Dinoflagellaten.

"In den untersuchten Proben von Wasser, Boden und Meeresorganismen wurden keine Schwermetalle gefunden", teilte das Ermittlungskomitee mit. Bei den Schiffen und U-Booten der Marine, die in die Bucht einliefen, seien keine Ölprodukte ausgetreten.

Auch die Surfer wurden krank

Ende September waren Hunderte tote Seesterne, Seeigel, Fische, Kraken, Krabben und sogar Robben vor der Regionalhauptstadt Petropawlowsk-Kamtschatski an den Strand gespült worden. Dort, wo sonst Surfer ihre Bahnen zogen, war der Strand mit Leichen übersät.

An der Küste war eine erhöhte Konzentration von Erdölprodukten gemessen worden. Diese sei jedoch nicht kritisch, teilte die staatliche russische Behörde zudem mit. Seit 1970 messe man immer wieder eine erhöhte Konzentration.

Surfer hatten nach Kontakt mit dem Meerwasser vor Kamtschatka über einen verätzte Augen, Übelkeit, Halsschmerzen und Fieber geklagt. Surflehrerin Jekaterina Dyba sagte dem "Spiegel", allein in ihrer Surfschule seien mehr als 100 Personen betroffen gewesen.

Nach Angaben der Behörden wurden bei den untersuchten Sportlern aber keine Anzeichen einer Vergiftung festgestellt. Die Untersuchung werde fortgesetzt.

Umweltschützer befürchten, der Staat könnte die wahre Ursache vertuschen

Die russischen Behörden hatten das Ausmaß der Naturkatastrophe schon zu Beginn heruntergespielt. Umweltschützer befürchten deshalb, dass staatliche Stellen den wahren Grund für das Massensterben vertuschen könnten.

Sie halten sowohl einen natürlichen als auch einen künstlichen Auslöser denkbar. Einerseits sei es möglich, dass giftige Stoffe, die ins Meer gelangt sind, die Katastrophe ausgelöst haben, teilte Greenpeace Russland in einem vorläufigen Bericht mit. Aber auch giftige Algen, die sich wegen des Klimawandels massenhaft vermehrt hätten, könnten die Ursache sein.

Weltweit kommt es immer häufiger zu sogenannten "Harmful Algal Blooms" - zu Deutsch "schädliche Algenblüten". Darunter versteht man Massenentwicklungen von giftigem oder auf andere Art schädlichem Phytoplankton. Als Hauptursache gilt die Überdüngung des Wassers mit Nährstoffen, aber auch der Klimawandel wird als Beschleuniger vermutet.

Es gibt zahlreiche toxische Planktonorganismen - darunter Vertreter von Cynobakterien und Dinoflagellaten. Einige von ihnen geben ihre Gifte direkt ins Wasser ab - und können so Mensch und Umwelt schädigen.

Verwendete Quellen

  • dpa
  • Greenpeace Russland
  • Worldoceanreview.com: Gestörter Planktonkreislauf
  • Spiegel.de: Die Suche nach dem Gift auf Kamtschatka
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Umweltkatastrophe in Sibirien

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