Eine Untersuchung hat ergeben, dass der Berliner Baby-Eisbär ein Weibchen ist. Schon bald soll das Tier für Besucher zu sehen sein. Die Hauptstädter hoffen, dass der Nachwuchs diesmal lange lebt.

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Sieht nur so aus wie ein Kuscheltier: Der Berliner Eisbärennachwuchs stößt während der ersten Visite von Tierärzten herzerweichende Schreie aus. Das zeigt ein am Freitag veröffentlichtes Tierpark-Video. Die Kleine - das Geschlecht ist eines der Ergebnisse der Untersuchung - macht erst einmal einen Satz auf die Menschen in den grünen Ganzkörperanzügen zu.

So schildert es Zoo- und Tierparkdirektor Andreas Knieriem am Donnerstag im Anschluss an seinen ersten Besuch in der Box im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Eben doch ein Raubtier. "Es wusste natürlich nicht, was diese grüne Männchen plötzlich da sind."

Ein Name muss gefunden werden

Die Untersuchung mit Impfung und Wurmkur ergibt außerdem: Mit rund 8,5 Kilo Gewicht und einer Länge von gut 60 Zentimetern ist das am 1. Dezember geborene Jungtier nun schon kräftig.

Andreas Knieriem, Tierarzt und Leiter des Berliner Tierparks, kniet mit einer Action-Kamera in der Hand im Gehege eines jungen weiblichen Eisbären.

Die Fettreserven sind auch in der Natur wichtig, damit der Nachwuchs der Mutter beim Verlassen der Wurfhöhle im Frühling sicher und schnell folgen kann. Im Tierpark muss die Kleine ihrer Mutter Tonja (9) nur auf die Außenanlage folgen - Anfang, Mitte März soll es laut dem Direktor so weit sein. Er erwartet eine weitere schnelle Entwicklung des Tiers.

Bisher wird das eigentlich unzertrennliche Mutter-Tochter-Duo in Ruhe gelassen, es ist für Besucher nicht zu sehen. Bis zum ersten Auftritt gilt es, einen Namen für das Jungtier zu finden. Der Tierpark sucht Paten. Ob die Allgemeinheit sich wie bei Eisbärennachwuchs Fritz mit Vorschlägen beteiligen kann, stand zunächst nicht fest.

Das Prozedere läuft später an als damals: Ein Grund ist wohl, dass es laut Knieriem nach wie vor ein Restrisiko gibt. Die Erinnerungen an die vorigen Winter, in denen Tonjas Jungen früh starben, sind noch präsent.

Die Sterblichkeit bei Eisbärenbabys ist auch in der Natur sehr hoch, da sie sehr unreif zur Welt kommen. Sie sind anfangs nur so groß wie Meerschweinchen, außerdem blind und taub. Der kleine Fritz war allerdings 2017 erst im Alter von vier Monaten überraschend in Folge einer Lebererkrankung gestorben. Die Ursache ist laut Tierpark bis heute völlig unklar.

Tierpark kann Geld gut gebrauchen

Viele Tierschützer kritisieren die Eisbärenhaltung in Zoos - die Tiere könnten nicht artgerecht gehalten werden, lautet ein Argument. Erst kürzlich gab der Zoo Wuppertal bekannt, seine Eisbären abgeben zu wollen. Sie könnten nicht nach modernen Vorgaben gehalten werden, hieß es. Andere Zoos sehen die Haltung als Beitrag zum Artenschutz.

Ein Eisbärenmädchen als Star und den damit wohl verbundenen Geldsegen könnte der Tierpark gut gebrauchen. Im Osten der Stadt gelegen, steht er oft im Schatten des Hauptstadt-Zoos, wo einst Knut für Besucheranstürme sorgte. Auch seine Geschichte nahm bekanntlich kein gutes Ende: Mit vier Jahren starb Knut 2011 an einer Gehirnentzündung. Da war er längst nicht mehr so niedlich wie als Jungtier.

Aber jetzt erobert erst mal der frische Nachwuchs die Herzen: Flauschiges Fell, Knopfaugen und kugeliger Bauch, da wird selbst Knieriem als erfahrener Tierarzt schwach: "Wenn man jetzt mal das Herz sprechen lässt, dann muss man sagen, dass diese Eisbärenbabys einfach süß sind."

Ein zweiter Tierarztbesuch in den nächsten Wochen ist geplant - für eine weitere Impfung. Doppelte Handschuhe zum Schutz vor Verletzungen seien dann mit Blick auf die Eisbärchenkrallen wohl angebracht, sagt Knieriem und lacht.  © dpa

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Teaserbild: © Steffen Freiling/Berliner Tierpark/dpa