• Sie ist mittlerweile die Ursache fast jeder Corona-Infektion in Deutschland: die Delta-Variante.
  • Was aus der Datenlage herauslesbar ist und welche Rolle Geimpften bei der Übertragung zugeschrieben wird.

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Alpha? Davon spricht kaum noch jemand. Alpha ist in vielen Ländern passé. Delta heißt die Corona-Variante, die auch hierzulande inzwischen für fast alle Fälle verantwortlich ist.

Studien deuten vor allem auf zwei Merkmale hin: Die Viruslast steigt bei Delta schneller an, außerdem ist sie im Körper auch deutlich höher als bei Alpha oder dem ursprünglichen SARS-CoV-2 (Wildtyp). Das heißt: Wer sich mit Delta infiziert hat, ist offenbar ansteckender - und kann das Virus nach kürzerer Zeit weitergeben als bei den vorherigen Varianten. Der derzeitige Stand der Wissenschaft im Überblick:

Welchen Anteil hat Delta an der Ausbreitung?

Mittlerweile ist in Deutschland nach Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) fast nur noch die Delta-Variante im Spiel - die zuerst in Indien entdeckte, deutlich ansteckendere Mutante. Bei einer repräsentativen Stichprobe wurde sie in knapp 98 Prozent der positiven Proben gefunden.

Wer steckt sich derzeit vor allem an?

Die meisten Infektionen mit SARS-CoV-2 pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche werden bei Menschen unter 50 Jahren nachgewiesen. Die höchsten Sieben-Tage-Inzidenzen von knapp 60 wiesen vorletzte Woche die Gruppen der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 15 und 24 auf.

Auch bei den größtenteils ungeimpften Kindern zeigen sich rasche Anstiege innerhalb weniger Wochen, wohingegen die Entwicklung in den besser durchgeimpften höheren Altersgruppen weiter recht entspannt erscheint. So sind etwa die Inzidenzen bei den Senioren über 60 weiterhin einstellig.

Lesen Sie in unserem Corona-Live-Blog: Stiko empfiehlt Corona-Impfung für Jugendliche ab zwölf

Welche Rolle spielen Reiserückkehrer?

Da die Daten unvollständig sind, lässt sich das schwer beantworten. Bekannt sind einem aktuellen RKI-Report zufolge gut 7.000 Fälle zwischen Mitte Juli und 8. August mit möglicher Ansteckung im Ausland und rund 26.000 im gleichen Zeitraum in Deutschland (bei knapp 24.000 Fällen ohne derartige Angaben). Am häufigsten wurden laut RKI-Liste vorherige Aufenthalte in Spanien, der Türkei und dem Kosovo erfasst.

Stecken Geimpfte andere an?

Das Risiko vollständig Geimpfter, schwer an Corona zu erkranken, ist zwar deutlich reduziert, infizieren können sie sich aber trotzdem. Wie groß ist dann die Wahrscheinlichkeit, andere anzustecken?

"Das Ausmaß, in dem die Virusübertragung reduziert wird, variiert je nach Virusvariante", schreibt das Robert-Koch-Institut (RKI). Durch die Impfung werde das Risiko einer Virus-Übertragung jedoch so reduziert, dass Geimpfte aus epidemiologischer Sicht keine wesentliche Rolle mehr spielen, fasst das RKI zusammen.

"Ich würde zwar meine Hand nicht dafür ins Feuer legen, aber es deutet einiges darauf hin, dass das auch für Delta gilt", sagt der Molekularbiologe Emanuel Wyler vom Berliner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft.

Ist die Viruslast bei Geimpften gleich?

Hier muss man genauer hinsehen. Aktuelle Daten aus China und Großbritannien ließen nämlich aufhorchen: Die Viruslast bei mit Delta infizierten Ungeimpften und Geimpften ist in den ersten Tagen der Erkrankung ähnlich.

Ermittelt wurde dies anhand des sogenannten Ct-Werts beim PCR-Test. Das nur in geringen Mengen vorhandene genetische Material einer Probe wird bei diesem Test im Labor in mehreren Durchgängen vervielfältigt. Der Ct-Wert zeigt an, wie viele der Runden nötig sind, bis Virus-Erbgut entdeckt wird.

So werde jedoch nur gemessen, welche Menge vorhanden sei, erklärt Wyler. "Die Studien untersuchten nicht, ob es sich auch um ansteckendes Virus handelt. Das ist aber entscheidend für die Frage, ob jemand es weitergeben kann."

Auch der Wissenschaftler Christian Erdmann sieht diese und andere Einschränkungen bezüglich der Aussagekraft der bisherigen Daten zu Delta. "Es ist grundsätzlich schwierig, aus der reinen Viruslast die Übertragungsgefahr abzuleiten", sagt der Mitbegründer der Denkfabrik "RapidTests". Bei Geimpften bestehe möglicherweise kein starker Zusammenhang mehr zwischen Viruslast und Ansteckungsfähigkeit.

Wie zuverlässig sind Schnelltests?

Was ist mit Schnelltests? Zeigen sie eine Infektion bei Delta ebenso zuverlässig an wie bei früheren Varianten? Beide Wissenschaftler bejahen dies auf Basis der bisherigen Daten. "Es kann sogar ein Vorteil sein, dass die Viruslast bei Delta höher ist, weil man dann besser sehen kann, ob man sich angesteckt hat", erläutert Wyler.

Bevor sich Delta massiv ausgebreitet hatte, war Erdmann Co-Autor bei einer Meta-Analyse zur Zuverlässigkeit von Schnelltests. Sie hatte ergeben, dass die Tests im Schnitt fünf bis zehn Prozent aller Infektionen mit hohen Viruslasten nicht erkannt hatten. Das könnte gerade bei höheren Inzidenzen ein Risiko darstellen. So könnten auch bei der Delta-Variante Schnelltests in einigen Fällen versagen.

Appell: PCR-Test bereits bei leichten Symptomen

"Wenn jemand mit falsch-negativem Test ein paar Stunden auf einer Messe herumläuft, kann die Person möglicherweise in dieser Zeit infektiös werden", sagt Erdmann. Das RKI hatte entsprechend vergangene Woche appelliert, auch bei leichten Symptomen PCR-Tests, also Labortests, durchzuführen - auch bei Kindern und Geimpften. In Arztpraxen sei die Zahl solcher PCR-Tests in den vergangenen Wochen stark gesunken.

"Obligatorisch" sollte auch im Herbst und Winter ein Mund-Nasen-Schutz in geschlossenen Räumen sein, betont Erdmann. Auch er plädiert dafür, dass sich Geimpfte und Genesene weiterhin regelmäßig testen - "um andere zu schützen". (dpa/af)  © dpa

Corona-Update: RKI-Lagebericht vom 16. August

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter an. Nach Angaben des RKI vom Montagmorgen lag sie bei 36,2 - vor einer Woche bei 23,1. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 2.126 Corona-Neuinfektionen.