Forscher der Universität Ulm haben Mäuse über Wochen dem Rauch von Zigaretten ausgesetzt und mit einem heftigen Luftstoß deren Lungen gequetscht. Der Verein "Ärzte gegen Tierversuche" quittiert dies mit dem Negativpreis "Herz aus Stein" für den schlimmsten Tierversuch 2018.

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Zum zweiten Mal hat der deutsche Verein "Ärzte gegen Tierversuche" einen Negativpreis für den schlimmsten Tierversuch des Jahres vergeben. Das "Herz aus Stein" für 2018 geht an die Universität Ulm.

Wie der Verein unter Berufung auf das Fachmagazin "Shock" schreibt, haben Forscher des "Instituts für Anästhesiologische Pathophysiologie" Mäuse über drei Wochen immer wieder dem Rauch von Zigaretten ausgesetzt. Nach einer Woche Pause quetschten sie ihnen nach Angaben von "Ärzte gegen Tierversuche" mit einem heftigen Luftstoß gegen den Brustkorb die Lunge, führten über einen Schnitt in der Luftröhre einen Beatmungsschlauch ein und saugten den Tieren Blut ab, um es - mit Medikamenten versetzt - im Anschluss wieder in deren Blutbahnen zu leiten.

Uni spricht von "hochrelevanter Forschung"

42 männliche Mäuse seien an dem Versuch beteiligt gewesen. Sofern sie nicht schon während des Tests gestorben seien, hätten die Forscher die Tiere nach Ende ihrer Untersuchung ausbluten lassen.

Die Universität Ulm bestreitet das Vorgehen nicht, rechtfertigt es jedoch als "klinisch hochrelevante Traumaforschung". In einer Pressemitteilung erklären die Forscher ihre Motivation: Jedes Jahr erlitten Millionen Deutsche in Folge eines Unfalls ein Thoraxtrauma. Vorerkrankungen wie die chronisch obstuktive Lungenerkrankung (COPD), an der Raucher oft litten, schmälerten die Chance, ein solches Trauma zu überleben. "Warum das so ist und wie Traumapatienten mit COPD optimal behandelt werden können, ist bisher nicht ausreichend verstanden."

Tierärztin: "grausam und abstrus"

Der Tierversuch war behördlich genehmigt. Aus Sicht der Uni ein Beweis dafür, dass der wissenschaftliche Nutzen das Leid der Mäuse rechtfertigt. Aus Sicht der Mitglieder von "Ärzte gegen Tierversuche" nicht nachvollziehbar. "Es ist erschütternd, dass solche grausamen und abstrusen Versuche von deutschen Behörden genehmigt werden", wird Tierärztin Gaby Neumann in einer Pressemitteilung zitiert.

Mit dem "Herz aus Stein" will der Verein auf Tierversuche aufmerksam machen. Neun Tage lang hatten Besucher der Internetseite die Möglichkeit, unter fünf Nominierten abzustimmen.

Vorgeschlagen waren auch Forscher der Uniklinik Aachen, der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, des Uniklinikums Hamburg-Eppendorf und des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg.

  • In Aachen wurden Ratten im Dienste der Forschung zu Magersucht vier Wochen lang so wenig gefüttert, dass sie die Hälfte ihres Gewichts verloren.
  • In Erlangen fixierten Wissenschaftler Ratten der Kopf, um die Aktivität ihres Gehirns bei Stimulation der Schnurrhaare zu messen.
  • In Heidelberg wurden Nacktmäusen mit Knochenkrebs befallene Zellen gespritzt, um die Wirksamkeit einer Behandlung mit Viren zu testen.
  • In Hamburg setzten Forscher schwangere Mäuse mit einem lauten Geräusch unter Stress, um zu untersuchen, ob Stress bei der Mutter das Asthmarisiko von Kindern erhöht.

Rund 740.000 Tiere sind in Deutschland im vergangenen Jahr für wissenschaftliche Zwecke getötet worden. Weitere etwa zwei Millionen Tiere wurden für wissenschaftliche Tierversuche eingesetzt, wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtet.