Warnhinweise pappen auf den Autoscheiben, ein Pfandsiegel klebt am Türschloss und eine Mahnung liegt im Briefkasten des Fahrzeughalters. Doch die eigentliche Drohung der GEZ ist ein leuchtend gelber Stöpsel unten am Autoreifen, genauer: auf dem Ventil. Rundfunkbeitrags-Muffeln droht in vielen Städten und Gemeinden ein "Plattfuß" am Auto. Mit dem Einsatz sogenannter "Ventilwächter" gehen zahlreiche Kommunen gegen säumige Schuldner und Beitragszahler vor.

Die mit Schlössern gesicherten Ventil-Aufsätze sorgen dafür, dass einem Auto, wenn es dennoch gefahren wird, nach etwa 600 Metern die Luft aus den Reifen entweicht. "Das ist eine bewährte Vollstreckungsmethode", bestätigte einen Mitarbeiterin der Stadt Willich einen Bericht der "Westdeutschen Zeitung" über den Einsatz der "Ventilwächter" im Kampf der GEZ um die Rundfunkbeiträge.

Das passiert, wenn man den Rundfunkbeitrag einfach verweigert.

Die Ventilaufsätze werden in Deutschland bereits seit mehr als zehn Jahren gegen Schuldner eingesetzt, wenn Mahnungen und Zahlungsaufforderungen nicht gefruchtet haben.

Ventilwächter statt Parkkrallen

Die "Ventilwächter" sind eine handlichere Alternative zu den bekannten Parkkrallen. Dass sie in Zukunft verstärkt auch wegen nicht gezahlter Rundfunkbeiträge zum Einsatz kommen könnten, liegt schlicht an der gestiegenen Zahl der Zahlungsverweigerer.

Im vergangenen Jahr baten die Rundfunkanstalten fast 891.000 Mal um Amtshilfe der zuständigen Vollstreckungsbehörden - ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 27 Prozent. 2013 waren es noch knapp 701.000 solcher Ersuchen.

So setzen sich die Programm-Kosten von ARD und ZDF zusammen.

Das hänge mit der Umstellung der von der Gerätegebühr auf den Haushaltsbeitrag zusammen. "Statt 42 Millionen Beitragskonten haben wir jetzt 44,5 Millionen", sagt Christian Greuel, Sprecher des Beitragsservice von ARD, ZDF und Deutschlandradio.

GEZ-Briefe nicht ignorieren

Der Anteil derer, die das gesamte Mahnverfahren durchlaufen haben, ohne eine Zahlung zu leisten, liege im unteren einstelligen Prozentbereich. Wichtig und ratsam sei es, sich auf Schreiben des Beitragsservice zu melden und die Briefe nicht zu ignorieren.

Mit welchen Mitteln die Vollstreckungsbehörden die ausstehenden Gebühren eintreiben, ist ihnen überlassen. Die Rundfunkanstalten haben darauf keinen Einfluss. Manche Kommunen verzichten auf "Ventilwächter" und setzen auf Lohn- und Kontopfändungen. Die Ventil-Aufsätze seien das letzte Mittel, heißt es in Willich. In den allermeisten Fällen zahlen die Schuldner vorher.

1,5 Milliarden Euro Überschuss nehmen ARD und ZDF wahrscheinlich bis 2016 durch den Beitragsservice ein. Die Zwangsabgabe ist heftig umstritten. Während die Rundfunkanstalten sie verteidigen, wollen die Gegner sie am liebsten ganz abschaffen.

Im Netz erhitzt das Thema die Gemüter, wie sich an der Diskussion in der Kommentarfunktion zum Artikel zeigt. Nutzer Bernd Lorey etwa findet: "Pflichtversicherung schützt in manchen Bereichen den Dummen vor sich selbst. Zwangsweiser, unwidersprochen hingenommener GEZ-Beitrag sorgt dafür, dass der Dumme dumm bleibt." Auch an der Rechtmäßigkeit der Maßnahme gibt es Zweifel. So stellt Askim Bitanem fest: "Das ist Sachbeschädigung fremden Eigentums." Bernd Lehmann geht sogar noch etwas weiter: "Die Ventilwächter sind ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr und der Einsatz wahrscheinlich strafbar. Es könnte zu Unfällen mit Toten führen, ob man hier nicht übertreibt?"

Karl Heinz Dietsch sieht gar einen Verstoß gegen Artikel I des Grundegesetzes: "Diese 'mittelalterliche' Geldeintreiberei ist unter aller Würde. Vor allem ist eine Gefährdung fremder Bürger blind mit einkalkuliert." Auch von Willkür seitens der Exekutive ist die Rede. Sharra Alton: "Mindestens die Hälfte der Bevölkerung will das nicht, dennoch wird es mit Gewalt durchgedrückt und auf die mieseste Methode vollzogen."

User Julian Koch wendet allerdings ein: "Man darf davon ausgehen, dass bis zu dieser Maßnahme zig Monate vergehen ohne das der Betroffene auf Mahnungen usw. reagiert hat! Sorry, aber das entscheidet im Endeffekt jeder für sich selbst!"

Eher pragmatisch sieht Alexandros Barth die Angelegenheit: "Eine Frage, kann man diese 'Ventilwächter' selbst entfernen, wenn man diese sieht? Oder brauche ich da ein Spezialwerkzeug? Und kann man die 'Ventilwächter' frei erwerben? Ich denke, falls man diese frei kaufen kann, dann denke ich ist der 1.April viel spannender!"© dpa