Köln kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus: Auch heute kommentieren Zeitungen die gewaltsamen Übergriffe der Silvesternacht. Viele sehen in den sexuellen Taten einen Angriff auf die Gesellschaft. Auch Vergleiche zu den Terroranschlägen von Paris werden gezogen.

Weltweit wird mit Bestürzung über die Silvesternacht in Köln berichtet. Während die einen fatale Folgen für die deutsche Gesellschaft befürchten, kommentieren andere Fehler der deutschen Justiz und fordern härtere Strafen.

Köln: Ob die Männer auch Täter sind, steht aber noch nicht fest.

Die römische Zeitung "La Repubblica" etwa sieht "eines der Symbole der westlichen Zivilisation herausgefordert: Die Freiheit der Frauen, sich öffentlich zu bewegen, ohne angegriffen zu werden."

Sie vergleicht die Übergriffe mit den Terroranschlägen in Paris, London und Madrid. "Was an Silvester in Köln und anderen deutschen Städten geschehen ist, hat unsere Verletzbarkeit offen gelegt."

Die Täter hätten gezeigt, wie unsicher öffentliche Plätze sind – "ausgerechnet in einem Land, das seit Jahrzehnten für seine Sicherheit, den Anstand in der Öffentlichkeit und die Verurteilung jeder Plumpheit bekannt ist".

"Übergriffe sind Angriff auf unsere Gesellschaft"

Die liberale dänische Tageszeitung "Politiken" sieht in den Übergriffen einen Angriff auf das "europäische Gesellschaftsmodell als solches". Frauen und Männer seien in diesem Modell gleichberechtigt - und in diesem Punkt dürfe es "keine kulturelle Annäherung und keinen Kompromiss geben".

"Es ist eine Grundvoraussetzung, um in Europa zu leben, dass man akzeptiert, dass Frauen dieselben Rechte genießen wie andere, egal, ob sie einen Minirock oder ein Kopftuch tragen."

Der "Mannheimer Morgen" beschäftigt sich mit der Frage nach den Opfern. "Sexuelle Gewalt ausschließlich zu einer Sache der Hautfarbe, Kultur und Nation zu erklären, instrumentalisiert die traumatisierenden Erlebnisse der Opfer für rechte Polemik und vertuscht das eigentliche Problem."

Es sei zwar bekannt, dass die Zahl der Sexualdelikte an Frauen im Nahen Osten sehr hoch ist, doch auch Deutschland habe Probleme damit.

"Wie verbreitet sexuelle Gewalt auch in unserer Gesellschaft ist, zeigte sich vor zwei Jahren: Unter #Aufschrei teilten Opfer sexueller Übergriffe ihre Erfahrungen auf Twitter. Die Zahl der Autorinnen war enorm – die Reaktion in der Gesellschaft, die sich in Spott verlor, erschreckend."

"Enthemmung beginnt mit dem Einmal-Davonkommen"

"Die Welt" meint, "die Silvestermobs lassen die Nationaltemperatur steigen" – und warnt vor einer Massenhysterie. Der Kommentator Torsten Krauel mahnt deshalb zur Besonnenheit. Das bedeute aber nicht wegzuschauen, abzuwiegeln oder laufen zu lassen.

Dies habe es in der Vergangenheit beim Thema Kriminalität genug gegeben. "Die deutsche Gesetzeslage schützt diese Täter, und das wissen sie."

"Die Enthemmung beginnt mit dem Einmal-Davonkommen, und sie steigt mit jeder weiteren Tat, die im Laufenlassen endet", warnt Krauel und fordert deshalb eine Null Toleranz. Das heißt: "Wir setzen den Rechtsstaat durch."

"Hingucken allein reicht nicht - wir müssen kapieren, was da vor sich geht. Gesetzgeber und Ordnungshüter müssen handeln", meint auch die "Emder Zeitung".

Die "Freie Presse" geht da noch einen Schritt weiter und fordert: "Wer vorsätzlich gegen die Gesetze verstößt, muss das Land wieder verlassen." Das dürfe nicht nur ein Lippenbekenntnis bleiben. Behörden müssten dies auch durchsetzen.

"Unser friedliches Zusammenleben mit Millionen von Einwanderern darf nicht von einigen Hundert kriminellen Migranten in ein falsches Licht gesetzt werden", schreibt die "Freie Presse" weiter. Noch sei es nicht zu spät.