Kaffee ist heiß, Rauchen macht krank – so manche Binsenweisheit hat Klägern vor US-Gerichten schon Millionen gebracht. Jüngstes Beispiel: Red Bull. Weil sein Energydrink gar keine "Flügel verleiht", zahlt der Brausehersteller nun 13 Millionen US-Dollar.

Dass manche Werbesprüche mit einem Augenzwinkern gemeint sind, dürfte wohl den meisten klar sein. Nicht so in den USA, das Land ist bekannt für seine skurrilen Klagen gegen Unternehmen. Jetzt hat es auch Red Bull erwischt. Um einer Massenklage zu entgehen, willigte der österreichische Brausehersteller gerade ein, einem Kläger 13 Millionen US-Dollar zu zahlen.

640.000 Dollar für verschütteten Kaffee? In den USA möglich.

"Red Bull verleiht Flügel", werben die Österreicher seit Jahren für ihren gleichnamigen Energydrink. Doch dieser Slogan führe in die Irre, befand ein Konsument in den USA – und zog vor Gericht. Bereits seit 2002 trinke er das Getränk aus den blauen Dosen, könne jedoch keine Leistungssteigerung feststellen. Überhaupt sei die Menge an Koffein nicht größer als bei einem normalen Kaffee. Um nicht länger vor Gericht zu streiten, stimmte Red Bull nun der Vergleichszahlung in Millionenhöhe zu.

Stella Award kürt kuriose Klagen

Dabei ist der Energydrink-Hersteller längst nicht allein. Immer wieder machen aberwitzige Klagen in den Vereinigten Staaten Schlagzeilen:

Der wohl berühmteste Fall ist der von Stella Liebeck gegen McDonalds. 1992 verschüttete die damals 79-Jährige einen Kaffee der Fastfood-Kette auf ihren Oberschenkeln und erlitt Verbrühungen dritten Grades. McDonalds brühe den Kaffee absichtlich zu heiß, ärgerte sich Liebeck und reichte Klage ein. Und sie bekam Recht: Zunächst sprach ihr ein Gericht 2,7 Millionen Dollar zu, das später auf 640.000 reduziert wurde – alles nur wegen eines verschütteten Kaffees.

Nach ihr wurde auch der Stella Award benannt, den eine Interseite einige Jahre lang für besonders bizarre Klagen verlieh. Dort findet sich etwa ein Mann, der hunderte Millionen Dollar forderte, weil er mit Basketball-Legende Michael Jordan verwechselt werde und deshalb "emotionalem Schmerz und Leid" ausgesetzt sei (2006). Oder ein Richter aus Washington, der den Hersteller eines Wäschetrockners verklagte, weil seine Hose nach dem Trocknen verschwunden war (2007).

145 Millionen wegen Lungenkrebs

Weltweit bekannt wurde 2009 auch Mayola Williams, die Witwe eines Kettenrauchers, der 45 Jahre lang jeden Tag zwei Packungen Malboro geraucht hatte und an Lungenkrebs gestorben war. Nach einem zehnjährigen Rechtsstreit verdonnerte der Oberste Gerichtshof schließlich den Zigaretten-Konzern Philip Morris dazu, mehr als 145 Millionen Dollar zu zahlen.

Diese riesigen Summen erklären sich mit einem Teil des US-Rechtssystems, der in Deutschland fehlt. Denn die sogenannten "punitive damages" ("Strafschadensersatz") zielen nicht auf Entschädigung, sondern auf Abschreckung und Prävention. Die Millionenzahlungen sollen den Beklagten nicht bloß bestrafen. Sie sollen auch verhindern, dass er oder andere sich in Zukunft ähnlich verhalten. Red Bull jedenfalls hat bereits bekannt gegeben, seinen Werbespruch in den USA nicht mehr zu nutzen.